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Ehrenamt: Wesselinger Migranten kümmern sich um Flüchtlinge

Migranten helfen Flüchtlingen

Ibrahim Adam, Mostafa Chammou-Raja, Miriam Ghazi und Alina Thelen (v.r.) helfen ehrenamtlich auch in der Flüchtlingshilfe.

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Margret Klose

Wesseling -

Leicht ist die ehrenamtliche Arbeit nicht, die Ibrahim Adam, Mostafa Chammou-Raja, Miriam Ghazi und Alina Thelen beim Integrationsrat der Stadt Wesseling leisten. Täglich stehen sie für mehrere Stunden den Flüchtlingen zur Seite, helfen ihnen bei Anträgen und bei der Wohnungssuche, organisieren Untersuchungstermine beim Gesundheitsamt in Bergheim, kümmern sich um Kindergartenplätze, schlichten Meinungsverschiedenheiten, trösten und sprechen Mut zu.

Die Flüchtlinge haben auch die privaten Handynummern der Helfer. „Und sie rufen oft an, auch am Wochenende“, sagt Chammou-Raja. Doch das nehmen die Ehrenamtler in Kauf. „Ich möchte helfen und die Zeit, die ich habe, nicht einfach wegwerfen“, sagt Ghazi. Adam engagiert sich auch, weil er 1968, als er nach Deutschland gekommen sei, ganz toll aufgenommen worden sei. „Ich habe hier studiert und gearbeitet“, sagt er. Jetzt habe Deutschland beziehungsweise Wesseling Probleme, und er habe Zeit zu helfen.

Falsche Vorstellungen

„Sehr viele Flüchtlinge kommen mit ganz falschen Informationen nach Deutschland“, beschreibt Chammou-Raja die Lage. „Sie haben Märchen im Kopf, denken, sie bekämen in Deutschland direkt eine Wohnung und Arbeit.“ Von Flüchtlingsunterkünften in Turnhallen und langen Asylverfahren habe man ihnen vor der Flucht nichts erzählt. „Wir erklären ihnen, dass sie Geduld haben und erst mal Deutsch lernen müssten“, sagt Chammou-Raja. Die 45-Jährige ist 1995 als politischer Flüchtling aus Syrien gekommen. Inzwischen spricht sie fließend Deutsch.

Hilfe, wie ihre Landsleute sie heute erfahren, habe sie nicht bekommen, sagt Chammou-Raja. Sie sei von Anfang an ziemlich auf sich gestellt gewesen. „Wir waren blind auf den Ohren“, beschreibt sie ihre damalige Situation von damals. Umso mehr freut sie sich jetzt, ihren Landsleuten wenigstens das Gefühl vermitteln zu können, dass sie verstanden werden.

Broschüre in verschiedenen Sprachen geplant

„Rund 80 Prozent der syrischen Flüchtlinge hier sind Akademiker“, sagt sie. Ihnen sei es bis zum Ausbruch des Krieges in Syrien auch sehr gut gegangen. „Sie sind hier, weil sie arbeiten wollen, sie sind motiviert und sehr ungeduldig“, erklärt Chammou-Raja. Auch sie habe in Syrien studiert und vor ihrer Flucht als Lehrerin gearbeitet.

Dass sie jetzt ihren Landsleuten helfen kann, findet sie gut. „Die Leute sind ja auch wirklich dankbar, dass wir da sind, dass wir ihre Sprache sprechen und beim Übersetzen helfen“, erklärt sie. Das helfe ihnen auch, sich in dem fremden Land ein bisschen zu Hause zu fühlen. Ehrenamtliche Arbeit mache zwar den Kühlschrank nicht voll, wohl aber die Herzen, ergänzt Ghazi.
Mit der Stadt Wesseling plant der Integrationsrat eine Broschüre, in der einige Regeln, die in Deutschland gelten, auf Arabisch erklärt werden.