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Treibjagd im Krabachtal: Autofahrer aus Hennef soll Jäger ohne zu bremsen angefahren haben

Der Landesjagdverband Nordrhein-Westfalen klagt auf Anerkennung als Tierschutzverein.

Der Landesjagdverband Nordrhein-Westfalen klagt auf Anerkennung als Tierschutzverein.

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dpa

Eitorf/Siegburg -

War der Gutachter voreingenommen oder nicht? Dieser Frage widmete sich das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Hauke Rudat gestern. Bei einer Treibjagd im September 2014 hatte ein Autofahrer aus Hennef auf eine Gruppe Jäger in der Nähe des Golfclubs Heckenhof im Krabachtal bei Eitorf-Wassack zugehalten und zwei von ihnen verletzt.

Ein 48-Jähriger war dabei an der Hand getroffen, ein weiterer Jäger von dem Auto umgefahren worden. Zwei Erwachsene und ein Achtjähriger rutschten eine Böschung hinunter, andere brachten sich hinter parkenden Autos in Sicherheit.

Die Spuren an dem Fahrzeug, die Fotos von der Unfallstelle und den Verletzungen des Opfers hatte der von der Polizei beauftragte Sachverständige gesichtet. Bereits in einer ersten Einschätzung hatte Gutachter Michael Heuer erklärt, der Fahrer sei ungebremst mit einer Geschwindigkeit zwischen 20 und 30 Stundenkilometern mit dem Opfer kollidiert. Diese Aussage hatte der ermittelnde Kriminalbeamte, der bei der Begutachtung des Unfallwagens anwesend war, an den Bonner Staatsanwalt Jörg Schindler weitergegeben. Woraufhin Verteidiger Benno Grunewald beim letzten Prozesstermin einen Befangenheitsantrag gestellt hatte.

Ob er den Antrag nicht lieber zurückziehen wolle, fragte Richter Rudat. Denn Heuer, der dem Vorwurf mit einer schriftlichen Erklärung entgegentrat, blieb bei seiner Einschätzung – und legte noch eins drauf: Er habe „sehr wohl neutral gearbeitet und auch entlastende Momente erwogen“, aber weder Fahrzeug noch die Fotos hätten diese stützen können.

Laut Gutachter muss der 55-jährige Kaufmann zunächst auf einer Strecke von 40 Metern auf eine Geschwindigkeit von 20 bis 30 Stundenkilometer abgebremst haben. Den Jäger, der am rechten Fahrbahnrand stand, gabelte er dann auf die Motorhaube auf. Gebremst haben könne der Hennefer beim Crash selber nicht: Denn dann wäre das Opfer nach dem Aufprall nicht seitlich über das Auto gerutscht. Unfallspuren auf der Motorhaube, der Windschutzscheibe und der beschädigte Seitenspiegel belegten das, wie der Kriminalbeamte im Zeugenstand bestätigte. „Wenn er gebremst hätte, wäre der Fußgänger aufgeladen worden und vorne runtergefallen.“

Ein Urteil wird voraussichtlich frühestens Mitte Februar gesprochen werden. Das Opfer hatte dem Gericht schriftlich mitteilen lassen, dass sich seine Genesung verzögere.