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Lkw kippt bei Sankt Augustin um: Schweine landen nach Unfall auf A 59 in Tierbeseitigungsanstalt

Der Fahrer des Tiertransporters war offensichtlich zu schnell in die Kurve gefahren, das Gespann kippte um.

Der Fahrer des Tiertransporters war offensichtlich zu schnell in die Kurve gefahren, das Gespann kippte um.

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Rohrmoser-von Glasow

Sankt Augustin -

Ein Transporter mit 189 Schweinen an Bord ist am Mittwoch gegen 1.45 Uhr auf der Autobahn 59 im Autobahndreieck Sankt Augustin-West verunglückt. „Eigentlich sollten die Tiere zu einem Schlachter in Wittlich an der Mosel“, berichtete der Einsatzleiter der Autobahnpolizei, Michael Schwarz. Polizei und Feuerwehr erlebten bei eisigen Temperaturen einen Einsatz, den sie so schnell nicht vergessen werden.

Der 40 Jahre alte Fahrer des Tiertransporters war nach eigenen Angaben einen Moment unachtsam gewesen. Als er wieder aufmerksam war, bemerkte der 40-Jährige, dass er beinahe an einer Autobahnabfahrt vorbeigerollt wäre. Er glaubte, schon an der Tangente zur A 565 zu sein, die ihn zur A 61 und weiter zur Mosel gebracht hätte.

Der Fahrer schlug das Lenkrad scharf ein und gelangte in die Rechtskurve der Spange zur A 560 nach Hennef. Doch das Gespann war noch zu schnell und kippte nach links um. Auflieger und Zugmaschine rutschten über die Betonschrammwand und kamen in Höhe des Regenrückhaltebeckens zum Stillstand. Vor einigen Jahren schon war an dieser Stelle ein Lastwagen über die massive Begrenzung hinausgeschossen und auf dem Dach im Becken gelandet.

Fahrer und Beifahrer unverletzt

Der Mann am Steuer konnte sich ebenso wie sein Beifahrer selbst befreien, beide blieben unverletzt. Aus dem Laderaum erhob sich lautstarkes Geschrei. Die Bergung der Tiere gestaltete sich schwierig und zog sich bis in die Nachmittagsstunden hin. Die Troisdorfer Feuerwehr leuchtete die Einsatzstelle aus und fing auslaufende Betriebsstoffe auf. Schon kurz darauf erreichte der Leiter des Kreisveterinär- und Lebensmittelüberwachungsamtes, Dr. Hanns van den Driesch, das Autobahndreieck.

In Absprache mit Polizei, Feuerwehr und einem Spezialunternehmen entschied er, dass das Gefährt wieder auf die Räder gestellt werden solle. Denn durch das Umkippen waren die auf drei Etagen verteilten schlachtreifen Schweine durcheinandergeworfen worden und lagen teilweise übereinander. Bald schon ebbte das Geschrei ab. Zunächst gab es die Befürchtung, dass nacheinander viele Tiere sterben würden. Doch van den Driesch glaubte eher daran, dass sie sich beruhigt hatten. Er sollte letztlich recht behalten.

Der Bergeunternehmer aus Königswinter schlug mit seinen Mitarbeitern an zwei Punkten Stahlseile an und befestigte eine Schlaufe am Auflieger, damit ein Autokran beim Wiederaufrichten ein Umschlagen zur anderen Seite verhindern und den Aufprall auf dem Boden abmildern konnte. Hätte die Aktion geklappt, wäre auch die Gefahr gebannt gewesen, dass aufgeregte Tiere auf die nahe A 59 laufen. Das Führerhaus indes rutschte vom Beton nur weg, der Aufbau des Anhängers erwies sich als zu schwach.

Gut 20 Tonnen wog die auf die Wände drückende tierische Last. Der Auflieger drohte mit seiner offenbar in großen Teilen noch lebenden Fracht auseinanderzubrechen. Der Versuch, mit einer weiteren Schlaufe die Seiten des Laderaums zusammenzuhalten, scheiterte.

„Wir haben einen zweiten Tiertransporter angefordert“, sagte der Einsatzleiter der Feuerwehr, Reimund Lindlahr. Wenig später setzte sich der in den Niederlanden angemeldete Lastwagen neben den Havaristen. Der Bauhof lieferte Absperrgitter. Wehrleute bauten daraus eine Gasse, aus der die Schweine nicht ausbrechen konnten. Zwei hinzugerufene Tierärzte und van den Driesch überwachten das Umladen und halfen dabei, die aufgeregten Schweine in die richtige Bahn zu lenken.

Rund 100 noch kräftige Tiere konnten auf diese Weise herausgeholt werden. Einige Male aber mussten die Tierärzte auch schwer verletzte oder entkräftete Tiere einschläfern. Gegen 12 Uhr war die Rettung abgeschlossen. Die Schweine wurden zu ihrem ursprünglichen Bestimmungsort gebracht. Aus Gründen der Fleischhygiene aber, so van den Driesch, werden sie nicht mehr zum Verkauf freigegeben. Sie werden in der Tierbeseitigungsanstalt landen.

Parallel dazu waren gut 20 Kadaver geborgen werden. Weitere etwa 60 tote Tiere lagen noch in dem Frachtraum und mussten mühsam herausgezogen und in einen Container verladen werden. Erst am späten Nachmittag war es schließlich so weit, dass der Tiertransporter aufgerichtet und abgeschleppt werden konnte. Bis dahin kam es zeitweise zu Behinderungen und Staus, Autofahrer mussten längere Umwege in Kauf nehmen.