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29. Februar im Rhein-Sieg-Kreis: Geburtstagsgefühl nur alle vier Jahre

Sabine-Maria Profitlich-Vogel aus Siegburg „nullt“ heute.

Sabine-Maria Profitlich-Vogel aus Siegburg „nullt“ heute.

Rhein-Sieg-Kreis -

Gratuliert man ihnen schon am 28. Februar oder erst am 1. März oder besser gar nicht? Die Frage stellt sich dieses Jahr nicht. Heute können alle am Schalttag Geborenen „richtig“ feiern. Hoch sollen sie leben, es ist der 29. Februar!

Mit dem Terminproblem, das ihnen in die Wiege gelegt ist, gehen die Betroffenen in den „normalen“ Jahren unterschiedlich um. „Es gibt immer wieder Diskussionen“, berichtet Renate Garnich. Als Kind habe sie schon immer am 28. ihre Geschenke auspacken wollen. Für Marlene Berg steht fest: „Ich bin ein Februar-Kind.“ Wenn es keinen 29. Februar gibt, feiert sie am Vortag. Anders halten es Eric Schütz und Heinz Illigen, die das Feiern grundsätzlich auf den 1. März vertagen. „Das Gefühl, dass man Geburtstag hat, hat man tatsächlich nur alle vier Jahre“, sagt Sabine-Maria Profitlich-Vogel, die in Nicht-Schaltjahren ihr Geschenk von Ehemann Axel um Punkt Mitternacht bekommt.

Apropos Geschenke: Da verfallen Freunde gern auf die Idee, das Alter durch vier zu teilen und entsprechende Präsente zu überreichen. Sie überreichten Schultüten zu Berthold Knipps 24. respektive 6. Geburtstag. Profitlich-Vogel bekam als Erwachsene sogar einmal einen Gutschein für einen Kindergeburtstag im Schnellrestaurant, Garnich bekam Puppen und Poesiealben.

Ralf Billig kam am Schalttag in einer Siegburger Bäckerei zur Welt.

Ralf Billig kam am Schalttag in einer Siegburger Bäckerei zur Welt.

Mehr oder weniger witzige Kommentare, die in die gleiche Kerbe hauen, kennen sie alle – und haben längst eine Antwort parat. „Ja, ja, wenn ich aus der Schule komme, geht ihr in Rente“, bekommen Gleichaltrige etwa von Schütz zu hören. Garnich macht sich den Geteilt-durch-vier-Scherz zu eigen. Die 72-Jährige hat ihre Gäste unter dem Motto „Endlich volljährig“ zum 18. Geburtstag eingeladen und erklärt, dass sie ja jetzt auch den Führerschein machen könne.

Ein kleines Problem mit dem außergewöhnlichen Geburtsdatum hatte sie mal beim Arzt, weil der EKG-Computer den 29. Februar nicht annehmen wollte. „Den Tag gibt es doch gar nicht“, behauptete auch eine Frau vom Amt, das Profitlich-Vogel wegen einer Passverlängerung aufgesucht hatte.

„Ich kann ich ja nichts dafür“, hält Illigen stellvertretend für alle fest. Das muss man auch für die Mütter gelten lassen. So stellten sich bei Anna Maria Knipp am frühen Morgen des 29. Februar 1960 die Wehen ein. Sie erinnert sich noch daran, dass ihr damals durch den Kopf ging: „Oh Gott, das gibt jetzt ein Schalttagskind.“ Zudem war es der Rosenmontag, an dem sie ihren Berthold zur Welt brachte. Bei Christian Jäger sind die Ärzte des Bonner Malteser-Krankenhauses mitverantwortlich.

Da seine Mutter schon über 40 Jahre alt gewesen sei, hätten ihn die Ärzte aus medizinischen Gründen genau an diesem Tag holen wollen. Dabei seien die Eltern dagegen gewesen. Auch die Mutter von Marlene Berg haderte im Nachhinein mit dem Geburtsdatum. Von ihr hat die Tochter noch im Ohr: „Wäre der Vater doch einen Tag später zum Standesamt gegangen. . . “

Der Vater von Ralf Billig sprudelte vor Freude, als der Sohn am Rosenmontag 1960 zur Welt kam. Seinen Gästen schenkte der damalige Inhaber der Siegburger Gaststätte „Zur letzten Träne“ den ganzen Tag lang Freibier aus.

Eric Schütz aus Troisdorf ist ein 64er Jahrgang.

Eric Schütz aus Troisdorf ist ein 64er Jahrgang.

Die Mutter habe am Morgen jenes arbeitsreichen Tages nicht mit einer baldigen Niederkunft gerechnet, berichtet Billig. „Doch ich wollte raus. Schließlich konnte sie nur noch schnell quer über die Aulgasse zu ihrer Mutter in die Bäckerei Fielenbach laufen, wo ich unter Hilfe einer Hebamme um 15 Uhr das Licht der Welt erblickte.“

Ins Rampenlicht geriet diese Geschichte genau 28 Jahre später im Kölner Hänneschen-Theater. Billigs Mutter hatte es geschafft, an Karten für die Puppensitzung am 29. Februar 1988 – es war der Karnevalssamstag – zu kommen. Vor Beginn der Aufführung erzählte das Hänneschen dem Publikum, was sich damals in der „Letzten Träne“ zugetragen hatte, und der ganze Saal rührte Ralf Billig mit einem Geburtstagsständchen zu Tränen.

Glücklich über eine Mitarbeiterin, die heute Geburtstag hat, ist die Steuerberaterin Bettina Wolter aus Niederkassel. „Sie ist immer gut gelaunt, zuverlässig, fleißig und absolut loyal.“ Vielleicht seien dies Eigenschaften, die eine Person mit Geburtsdatum 29. Februar ausmachten.

Petra Kannengießer und Uwe Tiedemann heiraten heute in Much.

Petra Kannengießer und Uwe Tiedemann heiraten heute in Much.

Sabine-Maria Profitlich-Vogel hat festgestellt: An einem Schalttag Geborene „wirken jünger“. Zuschriften und Gespräche in Folge unseres Leseraufrufs belegen zudem Sinn für Humor. So geht Renate Garnich bei der Siegburger Kneipensitzung „Im Fass“ als „Tusnellchen“ in die Bütt.

Rudolf Schommer schrieb: „Seit 28 Jahren lese ich den Kölner Stadt-Anzeiger und werde trotzdem oder deshalb am 29. Februar 80 Jahre alt.“
Deutlich seltener als Schalttagsgeburten sind Schalttagshochzeiten. Zu den wenigen Paaren, die sich an einem 29. Februar das Ja-Wort gegeben haben, zählen Max und Waltraud Richter. Als sie 1968 den Bund fürs Leben eingingen, musste der Vater der Braut unterschreiben, weil sie erst sechs Tage später 21 Jahre alt wurde.
Was Eheschließungen am heutigen Schalttag betrifft, ergab die Nachfrage bei zehn Standesämtern im Rhein-Sieg-Kreis Fehlanzeige. „Seit 1936 gab es hier keine Eheschließungen am 29. Februar“, hieß es sogar aus dem Rathaus von Neunkirchen-Seelscheid. Offenbar ist der Schalttag kein Tag, um sein Herz zu verschenken. Überhaupt meiden Heiratswillige trotz des Valentinstags am 14. Februar den Monat, wie ein Blick in die Statistik verrät. Nur im Januar gibt es noch weniger Trauungen. Abschreckend für viele ist wohl das meist schlechte Wetter.

Der Schalttag kommt nur alle vier Jahre vor.

Der Schalttag kommt nur alle vier Jahre vor.

Foto:

dpa, Bröhl, privat

Aber es gibt auch eine Ausnahme. Im Standesamt der Gemeinde Much wird heute geheiratet. Petra Kannengießer und Uwe Tiedemann durchbrechen den Trend. „Wir haben uns vor ein paar Wochen zwar spontan zur Heirat entschlossen, uns aber bewusst für den 29. Februar entschieden“, sagt die Braut. Der Termin passe zu ihrer außergewöhnlichen Beziehung. Ihren künftigen Ehemann kenne sie bereits gut drei Jahrzehnte. Lieben gelernt habe sie ihn aber erst vor wenigen Jahren.

2014 haben die Angestellte eines Internetversandhandels und der Schlosser ein Haus gekauft. Seitdem ist die Renovierung ihr Partnerschaftsprojekt. Jede freie Minute investieren die 48-Jährige und der 52-Jährige in ihr Zuhause. Statt Flitterwochen planen die Frischgetrauten dann auch lieber ein neues Badezimmer.

Zuihrem Hochzeitsdatum sagt Kannengießer, dass sich ihr Partner alle Zahlen, Daten und Besonderheiten rund um ihre Beziehung gut merkt. Sie tue sich eher schwer damit. Der 29. Februar macht es für sie sicher leichter, den Hochzeitstag nicht zu vergessen.

Das Paar will ihn tatsächlich nur alle vier Jahre feiern. „Wir wollen uns das Besondere an unserem Tag erhalten“, sagt sie aus vollster Überzeugung.


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