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Chöre im Rhein-Sieg-Kreis: Alle auf der Bühne sind auf den Klavierbegleiter angewiesen

Weiß um die Verantwortung gegenüber Orchester, Chor und Dirigent: Pianist Frank Hoppe, der hier Wolfram Kastorp begleitet.

Weiß um die Verantwortung gegenüber Orchester, Chor und Dirigent: Pianist Frank Hoppe, der hier Wolfram Kastorp begleitet.

Foto:

Lorber

Rhein-Sieg-Kreis -

Obwohl die Klavierbegleiter – vor allem in der „Konzertzeit“ um Weihnachten oder vor Ostern – Woche für Woche auf vielen Bühnen der Region zu sehen sind, gibt es kein großes Aufhebens um sie. Entweder erstrahlt neben oder hinter ihnen ein großer Chor, oder es steht ein Opernstar oder sonstiger namhafter Solist im Scheinwerferkegel.

Und obwohl sie oft nur im Nebensatz erwähnt werden, sind die Männer im Hintergrund ganz und gar keine Schattenmänner. Im Gegenteil, die musikalischen Partner auf der Bühne, Solisten, Chöre, Instrumentalisten und selbst die Dirigenten sind auf den Klavierbegleiter, auch Korrepetitor genannt, angewiesen.

Dessen Aufgabe ist multifunktional. Er muss den Chor am Klavier begleiten, muss gleichzeitig auf den Dirigenten achten und zudem sensibel hinhören wie der Chor singt, um gegebenenfalls einzugreifen. Er stützt und unterstützt, er schließt die Zuhörer mit dem Vorspiel für die Lieder auf, vertieft deren Wirkung mit dem Nachspiel. Den Stücken verleiht er Ausstrahlung, malt mit mächtigen Akkorden und perlenden Läufen Bilder von düsterer Dramatik oder von lyrisch-verträumter Eleganz.

Edgar Zens und Frank Hoppe gehören zum überschaubaren Kreis der Pianisten, die diesen komplexen Ansprüchen gerecht werden, virtuos Klavier spielen können und außerordentlich viel von Musik verstehen. „Chordienliches Spielen“, bringt Dirigent Bernd Radoch die Kernkompetenz auf einen Nenner. Er leitet in der Region ein gutes Dutzend Chöre und kennt beider Begleiter Leistungsvermögen. Korrepetitoren seien unverzichtbar für die Chöre, sagt er und schätzt an Zens und Hoppe die Fähigkeit, ein Lied „mitatmen und spüren“ zu können. Beide hätten in einem Notensatz nicht nur ihren Klavierpart im Blick, sondern auch die beiden Zeilen darüber mit den Stimmen der Tenöre und der Bässe.

Die Chorleiter wissen genau um die vertrackten Stellen in einem Stück, bei denen die Sänger Unterstützung brauchen können, sprechen mit den Begleitern ab, wo diese „in die Stimme gehen“, also mit der Liedmelodie (colla parte c.p.) nachhelfen sollen. Es gebe hier keine komplette Absicherung, weiß Radoch, bisweilen sacke der Chor in der Tonlage unversehens ab. Jetzt sei umso mehr der Begleiter gefragt, der das erkennt und – bestenfalls mit Blickkontakt zum Dirigenten – von sich aus eingreift.

Die musikalische Ausbildung von Zens und Hoppe ist ähnlich. Edgar Zens (65), der von 1989 bis Mitte vorigen Jahres die Hennefer Grundschule Gartenstraße leitete, war am Siegburger Konservatorium Schüler der namhaften Klavierlehrerin Carola Schenk und studierte an der Uni Bonn Musikpädagogik bei Heinz Antholz und Günther Noll. Hier wurde er bald einer der „Begleiter vom Dienst“, wie Antholz einmal scherzhaft bemerkte.

Ein Leben lang musizierte er öffentlich, bei den „Panzerknackern“ saß er an den Tasten, mit der Combo „Take Four“ und beim „Salon-Ensemble Petersberg“ ist er heute unter anderem noch aktiv. Als angestellter Kirchenmusiker leitet er den Kirchenchor Sankt Josef Thomasberg, spielt dort auch die Kirchenorgel. Musikalisch kennt er keine Grenzen, Zens mag Rock, Schlager, Tanzmusik, Klassik. Was seinen Blick für die Programmvielfalt der Chorkonzerte öffnet.

Frank Hoppe (53) studierte Schulmusik und Instrumentalpädagogik, ist heute ein viel beschäftigter Klavierlehrer. Bereits als studentische Hilfskraft an der Kölner Musikhochschule begleitete er die Bläserklassen in den Examina. Mitte der 90er Jahre wurden die Chöre auf den talentierten Windecker aufmerksam. Hoppe spricht von einer Verantwortung, die er gegenüber Orchester, Chor und Dirigent hat, und beschreibt seine Aufgabe so: „Wie stelle ich mit meinem Spiel die beste Verbindung zwischen den Dreien her?“ Das sei bisweilen ähnlich wie eine Moorwanderung, sagt er, man müsse ständig ausloten, wo sich noch fester Boden unter der undurchsichtigen Oberfläche befindet.

Einen Tag zu spät

Vor Überraschungen sind die Klavierbegleiter nicht gefeit. So änderte ein Chor vor einigen Jahren kurzfristig das Programm, so dass Hoppe – der übrigens auch versierter Komponist ist – mehrere Stücke vom Blatt spielen musste, ohne dass er sie vorher üben konnte. Da sei die Kunst des Weglassens gefordert, sagt Hoppe.

Edgar Zens begleitet seit 40 Jahren viele hiesige Chöre, anfangs die des Lohmarer Dirigenten Karl-Josef Kappes. „Nervensache“ war es damals für ihn, wenn Dirigenten im letzten Moment Sonderwünsche hatten. Heute geht er gelassen damit um. Seine einzige nennenswerte Panne erlebte er zu Beginn seines Korrepetitor-Daseins. Er hatte bei einem Chor kurzfristig einen Begleitjob für eine Familienfeier angenommen. Als er zum vereinbarten Termin erschien, war der Saal leer. „Ach, sie sind der Klavierspieler. Das Fest war gestern“, sagten zwei Putzfrauen. „Sehr peinlicher Lapsus“, sagt Zens heute dazu.

Damals habe es lange gedauert, bis sein „Zuverlässigkeitsruf“ wiederhergestellt gewesen sei. Der steht heute wie bei Hoppe völlig außer Zweifel. Einen besonderen Wesenszug, den sich Zens und Hoppe teilen, hebt Willi Göbel, Vorsitzender des Stadtverbandes Hennefer Chöre, heraus: Als Profis und virtuose Musiker blieben beide immer bescheiden, ordneten sich stets dem gemeinsamen Ziel unter und gingen respektvoll mit jedem Choristen um. Göbel: „Es kommt nie etwas Verächtliches, sie akzeptieren die Stimmen so, wie sie sind.“