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Kriminalfall in Eitorf: Ungelöstes Rätsel um Sandra D. lässt Ermittler nicht los

Eine Hundertschaft der Polizei durchkämmte 2012 auf der Suche nach Sandra D. das Gebiet zwischen Eitorf-Bach und Hennef-Süchterscheid.

Eine Hundertschaft der Polizei durchkämmte 2012 auf der Suche nach Sandra D. das Gebiet zwischen Eitorf-Bach und Hennef-Süchterscheid.

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Rohrmoser-von Glasow

Eitorf -

Der Fall Sandra D. kommt nicht zur Ruhe. Dabei sind die Ermittlungen seit fast drei Jahren beendet, die Akte längst geschlossen. Im Juli 2014 wurde der Ehemann der seit dem 8. September 2012 spurlos verschwundenen Frau aus Bach von der Bonner Schwurgerichtskammer unter Vorsitz von Richter Josef Janßen zu elf Jahren Haft wegen Totschlags verurteilt. Doch jetzt, wo der Bundesgerichtshof das Urteil gegen Dirk D. (43) aufgehoben hat, kann es gut sein, dass die Bonner Polizei die Ermittlungen wieder aufnehmen muss.

„Möglicherweise wird die Staatsanwaltschaft neue Ermittlungsaufträge vergeben, das ist denkbar“, sagt Robert Scholten, Pressesprecher der Bonner Polizei. Generell sei ein Fall, der sich auf die Aussage eines Dritten stützt, schwierig. Dirk D. war vor allem aufgrund der Aussage seiner neuen Freundin verurteilt worden. Ihr hatte er detailreich geschildert, wie er seine Frau die Treppe herunter gestoßen, sie im Ehebett erwürgt und ihre Leiche dann in der Krankenhausküche zerstückelt haben will. Vor Gericht oder gegenüber der Polizei hatte Dirk D. die Tat jedoch nie gestanden. Eine solche Beweislage werde oft sehr unterschiedlich bewertet, „wie strafrechtlich zu verfolgen ist, was jemand an über einen anderen sagt. Da geht es letztendlich um die Gewichtung von Beweisen, es geht um eine Aussage und Ermittlungen, die belasten“, sagt Scholten. An der ursprünglichen Behauptung des Bodybuilders, seine Frau sei mit einem Liebhaber durchgebrannt, zweifelte die Polizei schnell: Sandra D. wurde zuletzt auf ihrer Arbeitsstelle in einem Eitorfer Supermarkt gesehen, seitdem gab es kein Lebenszeichen mehr. Dass sie ihre damals sechsjährige Tochter einfach zurückgelassen haben soll, konnten sich weder Freunde oder der leibliche Vater noch die Polizei vorstellen. In der Ehe zwischen der gebürtigen Rostockerin und dem Krankenhauskoch soll es gekriselt haben, die zweifache Mutter hatte eine eigene Wohnung angemietet und wollte offenbar ausziehen.

Mit Schlauchbooten und Tauchern suchten Polizisten im November 2012 die Sieg vom Happacher Campingplatz bis zur Rheinmündung ab.

Mit Schlauchbooten und Tauchern suchten Polizisten im November 2012 die Sieg vom Happacher Campingplatz bis zur Rheinmündung ab.

Fahndung im Fernsehen

Mit Suchplakaten und in der TV-Sendung „Aktenzeichen XY“ fahndete die Polizei nach der 1,78 Meter großen, blonden Frau. Eine Mordkommission unter der Leitung von Michael Brück wurde gebildet, durchsuchte das Haus und den Garten in Bach sowie die beiden Autos der Familie. Über Monate durchkämmten Hundertschaften immer wieder die umliegende Gegend, die Wälder im Krabachtal und die Wiesen bei Süchterscheid. Selbst in und an der Sieg suchten Bundespolizisten der Tauchergruppe aus Sankt Augustin nach der Leiche der Frau. Beamte in Hubschraubern überflogen das Gebiet und filmten die Siegwindungen mit einem hochauflösenden Teleobjektiv. „Das war ein außergewöhnlicher Fall“, erinnert sich Scholten. „Allein die Suche in der Sieg, das war ganz komplex, durch die Strömung und die Böschung.“

Bei solchen intensiven Ermittlungen, erläutert der Pressesprecher der Bonner Polizei, werde die in der Regel etwa aus zehn Personen bestehende Mordkommission deutlich verstärkt. Weitere Ermittlerteams, Erkennungsteams und Hundertschaften werden der Mordkommission zugeteilt. „Da ist man mit dann schon mit rund hundert Beamten im Einsatz.“

Gefunden wurde die Leiche von Sandra D. jedoch bis heute nicht. Im Dezember 2013 hatte die Polizei sogar noch mit Spürhunden auf dem Gelände einer ehemaligen Mülldeponie in Bornheim-Hersel gesucht, und mit einem Bagger wurden Teile des Geländes umgegraben.

„Haben Sie eine Leiche und einen Mörder, dann kann man sich davon frei machen. Das ist schließlich unsere Arbeit“, sagt Scholten. „Aber ein nicht abgeschlossener Fall, ein ungelöstes Rätsel, das lässt einen nicht los.“