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Gericht: 26-Jähriger verletzte Polizisten aus Rhein-Sieg durch Kopfnuss schwer

Symbolbild

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dpa

Waldbröl/Rhein-Sieg-Kreis -

Am Ende gab es keine Plädoyers und keinen Richterspruch, sondern nur ein verbales Tauziehen um den Vergleich, mit dem das Gerichtsverfahren gegen einen heute 26-jährigen Reichshofer eingestellt wurde.

Ihm waren Gefährliche Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vorgeworfen worden. Der Mann hatte einem Polizisten 2014 durch einen gezielten Kopfstoß schwere Verletzungen im Gesicht zugefügt.

Diese Tat, und das hielt ihm Amtsrichter Carsten Becker zugute, hatte der Angeklagte im Laufe der fünfstündigen Verhandlung niemals bestritten. Er verpflichtete sich zu einer Zahlung von 2000 Euro an den heute 55 Jahre alten Polizisten, der seinen Wohnsitz im Rhein-Sieg-Kreis hat. Auch muss er 100 Sozialstunden innerhalb eines halben Jahres ableisten. Auf diese Auflage hatte die Staatsanwaltschaft bestanden, damit wenigstens eine symbolhafte Bestrafung erfolge. Denn, das betonten alle Beteiligten, jener tätliche Angriff sei durchaus als Angriff gegen die Rechtsstaatlichkeit zu verstehen. Die Frage, ob die Polizei mit unangemessener Gewalt bei der Festnahme des Mannes vorgegangen sein könnte, blieb unbeantwortet.

Mehrere Zeugen hatten ausgesagt, dass dem Angeklagten bei der Festnahme in Morsbach – dort lebte er zur Tatzeit mit seiner damaligen Freundin – die Luft weggeblieben sei, als die Beamten ihn von hinten fixierten und fesselten. In einem letzten Gerangel im Hausflur kam es dann auch zu der Kopfnuss, die dem älteren Polizisten zwei Frakturen im Gesicht zufügte. Dass er seither keinen Dienst mehr verrichten könne, sei aber auf eine Knieverletzung zurückzuführen, erklärte der Beamte im Zeugenstand. Er gehe davon aus, dass er trotz bleibender Schmerzen im Gesicht und eines leichten Tinnitus“ wieder arbeiten könne. Vor Gericht trat der Polizist als Nebenkläger auf.

Unter Tränen schilderte zuvor auch eine Kölnerin das Geschehen und bezeichnete den Tag als den schlimmsten ihres Lebens. Damals absolvierte die 28-Jährige eine Ausbildung bei der Polizei, die sie später abbrach. Vor der Verhandlung hatte sie telefonisch bei Gericht angefragt, ob sie wirklich aussagen müsse: „So groß ist meine Angst vor dem Angeklagten.“ Sie sprach von purer Aggression den drei Polizisten gegenüber; deswegen habe sie gleich zweimal Verstärkung angefordert. Die junge Frau und ihre Kollegen waren nach Morsbach gerufen worden, weil dort eine junge Frau nach einem Streit mit ihrem Freund am frühen Sonntagmorgen auf offener Straße um Hilfe gerufen habe und sich vor Schmerzen den Bauch halte.

Vor Gericht aber sagte das mutmaßliche Opfer (28) weinend, dass es keinen Streit gegeben habe: „Ich wurde weder geschlagen noch getreten.“


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