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Instandhaltung der Züge: Das Trainingszentrum der Deutschen Bahn in Troisdorf

Moderne und betagte Anschauungsobjekte: In Oberlar findet sich ein Einheitsführerstand der DB ebenso wie ein Reisezugdrehgestell aus den 60er Jahren.

Moderne und betagte Anschauungsobjekte: In Oberlar findet sich ein Einheitsführerstand der DB ebenso wie ein Reisezugdrehgestell aus den 60er Jahren.

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Andreas Helfer

Troisdorf -

Mit einem freundlichen Blauton locken die Polstersitze im Foyer, und auch die Tatsache, dass sie am Boden festgeschraubt sind, weist darauf hin, dass sich an der Lindenstraße 26 bis 28 eine ungewöhnliche Bildungseinrichtung befindet.

Die Sitzgelegenheiten waren vor kurzem noch im ICE quer durch Deutschland unterwegs. Heute zählen sie zum Interieur des DB-Trainingszentrums mit Gästehaus in Oberlar.

Die ehemalige Bundesbahnschule ist im Konzern eine wichtige Adresse, wenn es darum geht, Techniker für die Prüfung und Instandhaltung von Lokomotiven, Güterwaggons, Reisezugwagen und insbesondere Hochgeschwindigkeitszügen wie den ICE zu schulen.

25 Trainer bildeten im vergangenen Jahr 4000 Bahnkollegen zu unterschiedlichsten Themen aus, von Brems- und Zugsicherungssystemen über die Kältetechnik in den Waggons bis hin zum Vakuum-WC oder der Kaffeemaschine im Bord-Bistro.

So viel geballtes Wissen spricht sich herum, auch international: Derzeit ist eine Gruppe von französischen Bahnern der SNCF zu Gast, um sich für die Instandhaltung von Zugsicherungstechnik zu qualifizieren. Im Ausland helfen deutsche Trainer beim Aufbau vergleichbarer Zentren.

Ein großes Thema ist die bevorstehende Einführung des ICE 4, eines Triebzugs, dessen Einzelteile über jeweils autonome Elektroantriebe verfügen. „Wir sind dabei, Trainer zu qualifizieren und Trainings zu entwickeln“, erläutert Maschinenbauingenieur Ugur Kalavaoglu, der als Produktmanager der Konzerntochter DB-Training für Steuerungs- und Sicherheitssysteme sowie für Kältetechnik zuständig ist. Sicherheit nimmt im Trainingsprogramm großen Raum ein, etwa mit den Feinheiten des europäischen Zugsicherungssystems ETCS, bei dem Datenspeicher im Gleisbett Daten mit Zügen austauschen können – und nötigenfalls eine Bremsung auslösen.

Einer der 17 Tagungsräume ist ganz diesem Thema gewidmet. Für den Bodenbelag wurde ein Gleisbett fotografiert und auf Kunststoff im Maßstab 1:1 reproduziert. An einem großen Flachbildschirm kann ein Trainer Einzelheiten des Systems erklären. Vor allem aber findet sich in zwei Schaltschränken die gleiche Digitaltechnik wie an Bord eines Triebzugs oder einer Lokomotive für den Hochgeschwindigkeitsbetrieb.

„So können wir den Fahrbetrieb simulieren, aber auch technische Störungen“, erläutert Kalavaoglu. Aus dem Raum habe er bewusst eine „Wohlfühloase für Instandhalter“ machen wollen und mit den Trainern genau besprochen, wie die optimale Inneneinrichtung aussehen müsse. Vom Frontalunterricht wolle man weg, hin zu einer modernen, interaktiven und praxisbezogenen Didaktik, erläutert Kalavaoglu.

„Wir zeichnen uns durch die vielen Anlagen im Originalzustand aus“, ergänzt Fachreferent Matthias Pfeiffer, der für alle Abläufe an den Trainingsstandorten Troisdorf und Wuppertal zuständig ist. Wenn Kollegen dagegen in einem Bahnbetriebswerk üben müssten, könne es immer passieren, dass das fragliche Fahrzeug plötzlich für einen Einsatz auf der Strecke gebraucht werde.

Zu den Originalen zählt auch eine alte, von ihren Seitenwänden befreite Elektrolokomotive der Baureihe 110, die ihr Innenleben für Trainingszwecke zeigt. Daneben steht ein „Drehgestell“, ein Stahlrahmen, der zwei Achsen, Federung und Bremstechnik eines Reisezugwaggons aufnimmt.

Heribert Jobst hat viele Übungsanlagen installiert und kann als Pensionär auf einen großen Erfahrungsschatz zurückblicken. 1976 kam er zur Bahn, seit 1987 arbeitete er als Trainer und hilft seit seinem Ruhestand 2013 als Seniorberater mit. Der 65-Jährige kennt die technischen Kniffe, dank der sich die Doppeltür eines Doppelstockwagens nur im richtigen Moment schließt oder öffnet. Ein Fahrgast bekommt außer einem leisen Zischen nicht mit, wie sich eine komplexe, prozessorgesteuerte Pneumatik an die Arbeit macht, die auch verhindert, dass ein hastig zusteigender Fahrgast eingeklemmt wird. Jobst hat eine komplette Tür mit Mechanik, Elektronik und Druckluftversorgung als Anschauungsobjekt auf ein Podest gesetzt; auch Schadens-, Not- und Ausfälle kann ein Trainer so simulieren.

Jobst war auch maßgeblich daran beteiligt, als die sperrigen Heizungs- und Kälteaggregate für Reisezugwagen aus einer Halle in den Keller eines Neubaus auf dem weitläufigen, einen Hektar großen Geländes umzogen. Einige der Aggregate werden mit 1000 Volt Spannung betrieben, „wie im richtigen Wagen auch.“