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Kirmesumzug: Mit Seilbahn über die Agger schweben

„Die Fahrkarten bitte“, hieß es an der Seilbahn für die Agger

„Die Fahrkarten bitte“, hieß es an der Seilbahn für die Agger

Foto:

Böschemeyer

Lohmar -

Der lange Graben für den Kanal auf der Wahlscheider Straße war gerade notdürftig zugeschüttet, da rollten auch schon die Kirmeswagen. „So war es damals extra in der Ausschreibung für die Baufirmen festgehalten worden“, sagte Daniel Wuttke, der mit dem wandelnden Kirmeslexikon Ingo Hochschild den Umzug moderierte.

Vorneweg 600 Knirpse aus Kindergarten und Schule. „Endlich alles auf dem neusten Stand, wir machen weiter mit Herz und Hand“ hatten sich die Schüler nach dem verheerenden Brand der Wahlscheider Grundschule im vergangenen Jahr als Motto ausgesucht.

Doch Thema Nummer eins der elf Wagen und sechs Fußgruppen war die Baustelle, die den Ort seit Monaten durchzieht. „Straßen wie im Wilden Westen“ titelten die „Tomcats“ von ihrem zweistöckigen Saloon-Wagen. Hinter ihnen der Totengräber, „der schon einige Gestürzte aus den metertiefen Schlaglöchern ziehen musste“, witzelte Ingo Hochschild.

Auch die Wahlscheider Feuerwehr widmete sich der Baustelle, mit einem geländegängigen Löschpanzer war sie für Rettungseinsätze auf der Schotterpiste bestens gerüstet.

Nicht auf die Straße, sondern auf’s Wasser zog es konsequenterweise die Karnevalsgesellschaft Aggerpiraten aus Donrath. Für den stolzen Einmaster wurde sogar die Moderationsbrücke über der Straße erhöht. „Das ist wahre Völkerverständigung“, rief Hochschild den Gästen entgegen.

Der MGV Wahlscheid hatte die „Arche Musica“ parat gemacht. Damit warben die Sänger für ihre musikalische Floßfahrt auf dem Rhein, die am 15. September von Mainz bis nach Köln geht.

Hoch hinaus wollten unterdessen die „Wahlscheider Jungs“ mit ihrer „Aggertalbahn“. Statt der geplanten Brücke solle man doch direkt eine Seilbahn bauen. Die passenden Aufkleber verteilte die Gruppe schon unter den Kirmes-Jecken.

Für ihr zehntes Jubiläum hatte sich die Dorfgemeinschaft Aggerbusch in Tortenkostüme geschmissen und einen Tanz einstudiert: „Aber bitte mit Sahne“ von Udo Jürgens schallte es aus ihren Lautsprechern. Aufwendig war der Wagen des Verkehrs- und Verschönerungsvereins dekoriert: Mit lauter Schustern war der besetzt, aus dem Heimatmuseum Schönenberg stammten die antiken Werkzeuge.

Genauso altbacken waren die Schörreskarren, mit denen die Kontrahenten die Kirmesmeile rauf- und runterrasten. Erstmals waren die Räder aber nicht aus Holz, sondern aus Gummi. Für die Kinder gab es sogar Mini-Schörreskarren. Louis Lehnen und Luca Klein sicherten sich den ersten Platz. Im Leistungslauf der Frauen lag Titelverteidigerin Evi Kraus vorne, bei den Herren überholte Ingo Bujok Jens Fach auf den letzten Metern. Im Sonderlauf der Ratsmitglieder machte sich die Baustellenerfahrung von Vizebürgermeister Guido Koch und Eberhard Temme bemerkbar: Sie hatten den meisten Sand im kleinen Eimerchen auf der Karre transportiert.