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Konzert in der Klosterkirche in Sankt Augustin: Nena lässt für „Musical Voices S.I.E.G.“ ein Wunder gescheh'n

Nena sang in der Klosterkirche der Steyler Missionare gemeinsam mit „Musical Voices S.I.E.G.“.

Nena sang in der Klosterkirche der Steyler Missionare gemeinsam mit „Musical Voices S.I.E.G.“.

Foto:

Quentin Bršhl

Sankt Augustin -

Sie stürmte zur Halbzeit die Bühne, griff zum Mikro, riss die Arme in die Höhe und die 900 in der Steyler Klosterkirche von den Bänken. Das Publikum antwortete mit Leuchtstäben, Feuerzeugen und frenetischem Jubel und sang lauthals mit: „Wunder gescheh’n“.

Nena, klein, zierlich, schwarz gefärbte Ponyfrisur, stahl den 120 Sängerinnen und Sängern hinter ihr aber nicht die Schau. Nach zehn Minuten verschwand sie mit ihrem Sohn Sakias wieder aus dem Altarraum – und das große Publikum, magisch angezogen von ihrem Namen, erlebte ein großes Konzert auch ohne den Superstar.

Ohne Angst, naiv zu erscheinen

„Ich liebe diesen Chor.“ Nena war ganz Nena; so wie sie im Fernsehen rüberkommt, zum Beispiel als Jurorin der ersten Voice-of-Germany-Staffeln, so wirkte die 55-Jährige mit der Hauch-Stimme beim Konzert mit den „Musical Voices S.I.E.G.“: überschwänglich, herzlich, ohne Angst, naiv zu erscheinen. Und wohl keiner ihrer Songs passte besser zum Ereignis als „Wunder gescheh’n“. Genauso fühlte sich der Riesen-Background-Chor, zusammengesetzt aus den beiden Hennefer Singgemeinschaften „Junge Sinfonie“ und „MusicAL Dente“ sowie „SingIn Harmonie“ aus Eitorf, seit einigen Wochen.

Nach der Weihnachtskonzertreihe hatte Nena das Video mit der Chorversion ihres Songs gesehen, war begeistert und kündigte an: „Wir singen das zusammen.“

lieber new generation chor aus hennef!vielen dank für diese wunderschöne "wunder gescheh`n" version:)wenn ich mal in eurer nähe ein konzert spiele, wäre es mir eine ehre euch auf unsere bühne einzuladen und das lied mit euch gemeinsam zu singen.habt ihr lust? meldet euch gerne bei uns !alles liebe, eure nena

Posted by NENA on Montag, 14. Dezember 2015

Getragen von der Euphoriewelle schafften es Chorleiter Wolfgang Harth und seine Mitstreiter, das Konzert der Superlative auf die eigens gezimmerte Bühne zu stellen. Licht und Ton mussten stimmen, Öffentlichkeitsarbeit, Presseakkreditierungen, Sicherheit – auch für erfolgreiche Laienchöre, die stets vor ausverkauften Reihen singen, war dieser Hype doch ungewohnt. Am Ende passte alles.

Eine Traube von gut gelaunten Menschen von acht bis 80 drängte sich noch kurz vor Beginn vor dem Portal, um durch Foyer und Treppenhaus in die größte Kirche im Rhein-Sieg-Kreis zu strömen, die im ersten Stock des Klosters liegt. Nur wenige, aufgehalten von der Parkplatzsuche, kamen so spät, dass ihre nummerierten Plätze schon belegt waren. Sie durften Platz nehmen zwischen Fotografen und Kameraleuten.

Zu den ersten Takten von „Sailing“ – angestimmt von Marina Komissartchik am Flügel, kam der Chor ganz in Schwarz-Rot summend von hinten durch den Mittelgang und stellte Kerzen ganz vorn auf der Bühne ab. Die meisten trugen Stiefel – sechs Stunden zuvor schon hatten sich die 120 zur ersten Probe in der kühlschrank-kalten Klosterkirche versammelt. Dem Publikum, das ebenfalls fröstelte, wurde schnell warm ums Herz. Gänsehautfeeling gleich doppelt.

Dargeboten wurden Musical-Melodien und Pop. Eine nachdenklich machende Geschichte, eindringlich vorgetragen von Sprecherin Lena Sabine Berg, umrahmte das Konzert. Interviews von Nicola Reyk mit Lavinia Muth (Hilfsprojekt Mukta Nepal) und dem Steyler Rektor Pater Martin Üffing transportierten zusätzlich die Botschaft, dass jeder etwas tun kann, damit Wunder gescheh’n. Zweieinhalb Stunden blieb die Stimmung auf dem Höhepunkt. Der Chor und die hervorragenden Solisten erhielten immer wieder Applaus. Die Musicaldarsteller Judith Lefeber und Christian Alexander Müller und Sopranistin Wilma Harth mussten sich hinter Nena nicht verstecken. Dass etwa 30 der 900 Besucher das wohl anders sahen und vorzeitig den Kirchenraum verließen, war da nur ein winzig kleiner Wermutstropfen.