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Warnsystem: Neues Hochwasserkonzept für südlichen Rhein-Sieg-Kreis

Auch vom Lauterbach in Birlinghoven soll, neben Pleisbach und Quirrenbach, künftig keine Hochwassergefahr mehr ausgehen.

Auch vom Lauterbach in Birlinghoven soll, neben Pleisbach und Quirrenbach, künftig keine Hochwassergefahr mehr ausgehen.

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Bröhl

Sankt Augustin -

Wenn der Pegel am Pleisbach Hochwasser meldet, sind die Anlieger-Grundstücke in Birlinghoven längst abgesoffen. Denn das Warnsystem befindet sich einige Kilometer bachabwärts in der Nähe der Niederpleiser Schulen.

Um künftig Überschwemmungen zu verhindern, wird Ingenieurin Ingrid Rietmann in den kommenden Wochen den Gewässerlauf genauer untersuchen. 40 Kilometer wird sie abschreiten in Sankt Augustin, in Hennef, Königswinter und in Bad Honnef. Dabei geht es nicht nur um den Pleisbach, sondern auch um den Lauterbach und den Quirrenbach.

Sie wird Flächennutzung, Biotop-Strukturen und Retentionsräume begutachten. Ihre Aufzeichnungen und die Daten anderer Experten sollen Grundlage sein für ein Hochwasserkonzept unter Federführung des Wasserverbandes Rhein-Sieg. Als Reaktion auf den Klimawandel und auf sich häufende „Starkregen-Ereignisse“ wollen die betroffenen vier Kommunen sich abstimmen und gemeinsam festlegen, an welchen Abschnitten zum Beispiel das Ufer abgeflacht, die Sohle angehoben und Totholz eingebracht wird.

Welche Gefahr der schnurgerade, in den 80er Jahren kanalisierte Pleisbach birgt, bemerkten die Nachbarn 1996. „Seniorenzentrum evakuiert“ titelten damals die Lokalzeitungen. Dass er künftig wie einst mäandert, das sei aber ausgeschlossen, erklärte der städtische Beigeordnete Rainer Gleß bei einem Ortstermin am Bach. Der Spazierweg und der Spielplatz im Park bleiben erhalten.

Wo das Gewässer sich natürlich ausbreiten darf, ohne Keller und Gärten zu fluten, das soll in dem Konzept, an dem viele Akteure mitstricken, festgelegt werden. „Der Schutz der Bürger hat dabei für uns Priorität“, betonte Gleß. Deshalb werde die Wasserrahmenrichtlinie des Landes NRW, die die Gewässerqualität verbessern soll, mit dem Hochwasser-Risikomanagement verknüpft. Zuletzt hatte der Landesplan für die Renaturierung der Sieg (Stichwort „Entfesselung“) eine Protestwelle der Anwohner hervorgerufen.

Die Bürger sollen diesmal früh ins Boot geholt werden. Nach der Bestandsanalyse geht das Konzept in die Beratungsphase, wobei keine festgelegten Lösungen präsentiert würden, verspricht Martina Hirschberg, Geschäftsführerin des Wasserverbandes. „Alle Beteiligten werden gehört, verstanden und ernst genommen.“

Ob es künftig auch mehr als den einen Pegel gibt, wie es unter anderem die Feuerwehr fordert, sei aber fraglich, so Hirschberg. Kosten und Nutzen müssten abgewogen werden. Die Daten des bestehenden Warnsystems, das vor allem die Sieg-Anrainer schützen soll, seien aber wichtig für die Computermodelle des Ingenieurbüros Osterhammel, das für seine Hochwassergefahrenkarten jeden Quadratmeter Boden mittels Laser-Scan vermisst. Mitarbeiter Martin Dörr erläuterte: „Wir können nicht nur die Auswirkung eines Jahrhunderthochwassers simulieren, sondern auch Gegenmaßnahmen am Computer ausprobieren, bevor die Bagger anrücken.“