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Regionalkrimi : Ehemaliger Kommissar aus Sankt Augustin veröffentlicht ersten Krimi

Der Sankt Augustiner Dirk Breitenbach hat lange als Polizist gearbeitet. Jetzt lässt er seine Erfahrungen aus diesem Beruf in seine Bücher einfließen.

Der Sankt Augustiner Dirk Breitenbach hat lange als Polizist gearbeitet. Jetzt lässt er seine Erfahrungen aus diesem Beruf in seine Bücher einfließen.

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Hauser

Sankt Augustin -

Ein blauer Plastiksack wird am Rheinufer bei Bonn-Beuel geborgen. Darin befindet sich ein Bein, das auf grausame Weise von einem menschlichen Körper abgetrennt wurde. Doch bei dem einen Rätsel bleibt es nicht. Im Episodenkrimi „Körperteile“ soll ein weiterer Tod die Kriminalisten beschäftigen.

Zu den Ermittlern gehören auch Streifenbeamte, wie sie täglich auf den Straßen des Rhein-Sieg-Kreises zu sehen sind. Das klingt nach einer abgekühlten, sachlichen Definition für schematisch funktionierende Strukturen der Freunde und Helfer. Wie viel Menschlichkeit bitte sehr steckt hinter der Kulisse?

„Polizisten schauen genauer hin“

Im Wohnzimmer des Einfamilienhauses im Sankt Augustiner Ortsteil Schmerbroich ist der Tisch liebevoll gedeckt, Kaffeeduft durchwirkt den Sonntagnachmittag. Dirk Breitenbach schaut aufmerksam, kaum ein Wimpernschlag unterbricht den glasklaren Blick des ehemaligen Hauptkommissars auf seine Besucherin. „Ja, Polizisten schauen genauer hin“, sagt er. „Sie tun das anders als andere Menschen.“ Diese Fähigkeit kommt dem 48-Jährigen heute zu gute, wenn er seine Regionalkrimis schreibt.

„Körperteile“ heißt das erste Buch des Sankt Augustiners. Lächelnd und doch ein bisschen vorsichtig sagt der Autor, der bereits einige Texte in Anthologien veröffentlicht hat, zu seinem Erstlingswerk: „Das ist wie ein Baby, das macht einen schon verletzlich.“

Sein sympathisches Geständnis passt so gar nicht ins Bild einer rauen Welt der Ordnungshüter. „Alles was dich belastet, packst du in einen Schrank in deinem Kopf“, beschreibt er einen gängigen Verdrängungsmechanismus.

Doch den Schrein öffnete er eines Tages, der Schutzschild platzte förmlich – nach einem Dienstunfall hatte das hütende Mobiliar ausgedient. Der Schuss aus einer Schreckschussübungswaffe löste einen irreparablen Tinnitus aus. Seither ist Schluss mit dem Dienst. „Das Schreiben kam nicht gerade in einer Phase, in der ich mit Rückschlägen oder Kritik gut hätte umgehen können“, erzählt er. Das sollte sich gründlich ändern. Gerade die Beschäftigung mit Wahrheit und Phantasie treibt heute den permanent hohen Ton in Ohren und Kopf wenigsten für eine Weile aus Stufe Eins seiner Wahrnehmung. Zuweilen helfen auch Hörbücher durch die lauten, schlaflosen Nächte. Es ist also nicht verwunderlich, dass Nächte die besten Phasen zum Schreiben von „Körperteile“ bereithielten.

Drogenhändler und Verfolgungsjagd

Der Handlungsrahmen ist eingebettet in reale Orte im Kreisgebiet: ein Verdächtiger in Stadt Blankenberg, ein junger Drogenhändler im Wohnpark Sankt Augustin, eine atemberaubende Verfolgungsjagd auf der A3 – das alles hätte so oder ähnlich stattfinden können. Oder war das wirklich so?

Überhaupt sind die Geschehnisse um den Dienstgruppenleiter Frank Heider und sein Team ein dicht gesetztes Puzzle aus eigenen und wirklichen Erfahrungen, präzise aufbereitete und mit viel Erinnerung und Detailkenntnis gespickte Episoden. Die Figuren sind authentisch, aus Fleisch und Blut. In den Uniformen und unter der Polizeikappe stecken Menschen, die ihren Job möglichst gut machen wollen. Aber ihre Beziehungen scheitern, Familien zerbrechen und zuweilen ist der Alltag zwischen Verkehrsunfällen, Festnahmen, Verhören, Papierkrieg und Schichtwechseln wie ein Marathon der Grenzerfahrungen.

Faszinierend authentisch, voller Respekt für die Opfer beschreibt Dirk Breitenbach, was für Unbeteiligte kaum vorstellbar, für Hilfskräfte und Polizeibeamte jedoch realistisch ist und zum Tagwerk gehört. Szenen wie diese beschreibt der Autor aus der Ich-Perspektive und sie könnten daher nicht wirklicher sein: „Mit hydraulischen Zangen zerschneidet die Feuerwehr ein Autowrack. Eingeklemmt zwischen Lenksäule, eingedrückten Türen und Dach kauert Simone. Der Notarzt spricht mit der jungen Frau, sie blutet, trägt eine Halskrause. Vor allem aber: Sie darf nicht einschlafen. 'Wir bringen Sie gleich ins Krankenhaus. Dort wartet Ihre Mutter auf Sie. Sie wollen Ihre Mutter doch bestimmt sehen?'“

Aus seinem Krimi „Körperteile“ liest Dirk Breitenbach am Mittwoch, 27. Mai, um 19 Uhr in der Kulturreihe „Sank Augustiner Mai“ in der Stadtbücherei.