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Retten, Löschen, Bergen, Schützen: So läuft die Ausbildung zum Berufsfeuerwehrmann in Rhein-Sieg

Bei der Ernennungszeremonie zu Brandmeistern kletterten die Anwärter mit den Vertretern aus der Veraltung auf das Dach der Feuerwache.

Bei der Ernennungszeremonie zu Brandmeistern kletterten die Anwärter mit den Vertretern aus der Veraltung auf das Dach der Feuerwache.

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Rohrmoser-von Glasow

Troisdorf -

Sie haben es geschafft. Nach 18 Monaten feuerwehrtechnischer Grundausbildung haben neun angehende Feuerwehrbeamte ihre Prüfung zum hauptberuflichen Brandmeister erfolgreich abgelegt.

Beigeordneter Horst Wende beglückwünschte die Absolventen. Nicht mehr Anwärter sind sie jetzt, sondern vollwertige Feuerwehrmänner, die ihren Dienst auf der hauptamtlichen Wache an der Larstraße in Sieglar ableisten. Wende forderte sie auf, die kurzen Kommunikationswege zu nutzen und rechtzeitig die Unterstützung von Kollegen in Anspruch zu nehmen.

Schweine und Schafe gerettet

Der Verwaltungsmann weiß, wovon er spricht. Schon während ihrer Ausbildung waren die neun jungen Männer belastenden Einsätzen ausgesetzt – schreiende Schweine, ertrinkende Schafe, Feuer und schwere Unfälle ereigneten sich auch zu den Dienstzeiten, die sie während ihrer Praktika verbrachten. Doch sie wurden durch den Ausbildungsleiter Raimund Lindlahr und den Lehrgangsleiter Thomas Reuter auch gut vorbereitet. „In den mündlichen, schriftlichen und praktischen Prüfungen haben sie gezeigt und bewiesen, dass sie das nötige Rüstzeug erlernt haben“, bescheinigte Wach- und Amtsleiter Hartwig Vogt seinen neuen Kollegen, die zunächst Beamte auf Probe sind.

Sechs Rettungsassistenten, ein Dachdecker, ein Anlagenmechaniker und ein kaufmännisch Ausgebildeter haben am 4. August 2014 das Abenteuer Feuerwehr als Beruf gestartet. Eine Berufsausbildung ist Voraussetzung, um überhaupt anfangen zu können. Sieben von ihnen gehören übrigens auch einer Freiwilligen Feuerwehr an. Ganz zu Anfang haben sie einen Baum gepflanzt, auf dem Gelände der integrativen Kindertageseinrichtung Wasserwerk.

Die darauffolgenden 22 Wochen haben sie Theorie in Vollzeit genossen, mit viel Dienstsport und dem Rettungsschwimmerabzeichen in Silber, das sie abgelegt haben. Vieles war mit Praxis verbunden, Fahrzeugkunde, Einsatztaktiken, Sonderausbildungen Maschinist, Atemschutz, Gerätewart, ABC-Lehrgang, Motorkettensäge, dazu Grundlagen der Physik und Mechanik sowie Rechtsgrundlagen. Die drei Neuen, die noch nicht Rettungsassistent waren, absolvierten eine Rettungsdienstausbildung über vier Monate, fuhren auf dem Rettungswagen mit.

Dann ging es ins Wachpraktikum, normaler Schichtdienst auf der Wache. In Vertiefungspraktika lernten sie Absturzsicherung, waren zur Heißausbildung in Aachen und Düren. Dort wird in Containern der Flashover, das plötzliche Durchzünden von Rauchgasen, simuliert. „Wir sind ganz normal eingesetzt worden, etwa als Erstangriffstrupp bei Bränden“, erzählt Lehrgangssprecher Daniel Beckmann. „So ein Wachdienst kann lang werden, doch wir wurden überall eingesetzt, zu handwerklichen Tätigkeiten in der Atemschutzwerkstatt, der Schreinerei oder Schlosserei. Auf den beeindruckendsten Einsatz antwortet er sofort: „Das war der umgekippte Schweinetransporter im Autobahnkreuz Sankt Augustin-West.“

An sein erstes Feuer erinnert sich Björn Papenzin: „Da hat es auf einem Schrottplatz an der Speestraße gebrannt. Da hat es richtig gefackelt.“ Der 34-Jährige gehört zu den Rettungsassistenten, er war zwölf Jahre bei der Bundeswehr. Wie Christian Büser hat er Dienst gemacht in Afghanistan und viel Schlimmes bereits gesehen. Und doch bleiben beiden zwei Einsätze in Erinnerung, die noch gar nicht so lange her sind. Sie waren bei der Rettung von 120 Schafen dabei, die in den Siegauen im Hochwasser zu ertrinken drohten. Und sie entluden gemeinsam mit Beckmann den Schweinetransporter, in dem 120 Tiere überlebt hatten.