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Urteil am Amtsgericht Siegburg: Kinderpornografie verbreitet

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dpa

Siegburg -

Sein Pseudonym „Juri E.“ sollte ihn schützen, als er von seiner E-Mail-Adresse „sweetdreams“ kinderpornografische Fotos nach Italien verschickte. Doch der 58-jährige Unternehmer war da schon längst ins Visier der Ermittler geraten. Er hatte fast zwei Jahre zuvor in Kanada vier Filme bestellt mit nackten Jungen. Drei davon vermeintlich harmlosen Inhalts: Sie zeigten Balgereien der Zehn- bis Zwölfjährigen mit der Wasserpistole; auf einem Film hingegen war eindeutig Kinderpornografie. Doch davon will der Angeklagte nichts gewusst haben.

Er habe sich nichts dabei gedacht, als er im April 2010 die Filme mit den Nacktbildern „für einen Bekannten“ übers Internet bestellte. „Der hatte keine Kreditkarte.“ Als Zeuge konnte der Mann aus Köln mit dem Allerweltsnamen nicht geladen werden: Der Angeklagte hat nach eigenen Angaben schon vor längerer Zeit den Kontakt zu ihm abgebrochen, wisse nicht, wo dieser wohne, und konnte ihn bis zum Strafprozess auch nicht ausfindig machen.

Dass die Polizei bei einer Hausdurchsuchung im November 2013 zwar nicht die DVD entdeckte, aber E-Mails mit mehr als 70 kinderpornografischen Bildern, sei ebenfalls Zufall gewesen. Er habe diese nicht bestellt, sondern im Februar 2012 einfach zugeschickt bekommen. „Ich stehe nicht auf Kinder.“ Er habe die E-Mails ohne Kommentar wieder an den Absender zurückgeschickt. So könne das nicht gewesen sein, sagte der Richter: „Bei einer bloßen Antwort wären die Bilddateien nicht im Anhang gewesen.“ Der Fund habe ihn überrascht, sagte der Unternehmer. Er habe geglaubt, „die sind längst gelöscht“. Doch als die Polizei seinen PC durchsuchte, befanden sich die Mails, die er 20 Monate zuvor verschickt hatte, noch im Ordner „gesendet“. Selbst, wenn seine Angaben der Wahrheit entsprechen würden, habe sich der Angeklagte strafbar gemacht, so das Gericht. Die Filme habe er erworben, sie seien ebenso in seinem Besitz gewesen wie die Fotos, die er durch einen Mausklick verschickt und damit verbreitet habe. „Ich hätte sie besser der Polizei geschickt“, sagte der 58-Jährige. „Heute weiß ich es besser.“

Sechs Monate auf Bewährung lautete das Urteil, sieben Monate hatte die Staatsanwaltschaft gefordert, drei Monate die Verteidigung. Seinen PC, der eingezogen wurde, bekommt er nicht zurück.

Als Bewährungsauflage muss der 58-Jährige, der nach geschäftlichen Schwierigkeiten derzeit von Erspartem lebt, 2400 Euro in 100-Euro-Raten an den Verein „Mumm“ zahlen. Der kümmert sich um misshandelte und missbrauchte Kinder.