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Nachwuchsmangel: Tschernobyl-Verein Kürten löst sich auf

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Ein Bild aus dem Jahr 2008: Beim Abschiedsfest zeigen die Kinder ihre Tänze, die sie für die Kürtener Gastgeber einstudiert haben.  Foto: Luhr
Die Auflösung des Kürtener Vereins „Tschernobyl-Kinder“ steht unmittelbar bevor: Die Löschung im Vereinsregister ist beantragt. „Noch in diesem Monat erwarten wir den formalen Abschluss des Verfahrens“, erklärt Vereinsliquidatorin Monika Chimtschenko.  Von
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Kürten

Die Auflösung des Kürtener Vereins „Tschernobyl-Kinder“ steht unmittelbar bevor: Die Löschung im Vereinsregister ist beantragt. „Noch in diesem Monat erwarten wir den formalen Abschluss des Verfahrens“, erklärt Vereinsliquidatorin Monika Chimtschenko. Die Leiterin des Kürtener Ordnungsamts und ehemalige Kassiererin im Vereinsvorstand ist dafür eigens mit dem Vereinsvorsitzenden Klaus Pimpels bei einem Notar gewesen. „Meine Aufgabe als Liquidatorin ist es jetzt, auf das Vereinsvermögen aufzupassen“, sagt Chimtschenko.

Vermögen des Vereins muss ein Jahr ruhen

Ist die Auflösung vollzogen, muss das Restvermögen des Vereins ein Jahr ruhen. Anschließend, wohl ab Januar 2014, könnte es für gemeinnützige Zwecke eingesetzt werden. In Kürten gebe es einige Träger gemeinnütziger Angebote, etwa Bekik, die Katholischen Jugendwerke, der Sport- und Kulturverein Adler oder die Initiative anea moni, sagt Chimtschenko: „Darüber muss der Sozialausschuss der Gemeinde entscheiden.“ Über die Höhe des Restvermögens wolle sie vorab keine Auskunft geben: „Das weckt nur Begehrlichkeiten.“

Klaus Pimpels brachte den Kindern Deutsch bei.
Klaus Pimpels brachte den Kindern Deutsch bei.
Foto: Luhr

Klaus Pimpels begleitet die Auflösung seines Vereins „mit großer Wehmut“. Zehn Jahre lang hat der bald 80-jährige Biesfelder mit seiner Ehefrau Marianne die Ferienkinder aus dem weißrussischen Bobruisk (nahe bei Tschernobyl) ins Bergische geholt. Zuerst allein, dann unterstützt vom Tschernobyl-Verein (u.a. mit dem Kürtener Bürgermeister als zweitem Vorsitzenden). 30 Kinder plus Betreuer verbrachten drei unbeschwerte Sommerwochen in Biesfeld. Ein großer Stamm an Helfern unterstützte das Ehepaar dabei. Kontakt zu einigen Kindern gebe es nach wie vor, berichtet Pimpels.

„Ab und zu kommen noch Briefe an.“

„Ab und zu kommen noch Briefe bei mir an.“ Bis 2009 hatte Pimpels den Austausch organisiert und dabei oft Tag und Nacht gearbeitet. Bevölkerung und Ortsvereine hatten regen Anteil genommen am Aufenthalt der strahlengeschädigten Kinder, Benefizkonzerte fanden statt. Und vor der Abreise gab es stets ein tränenreiches Abschiedsfest, für das die Gäste Lieder und Tänze einstudierten. Viele ortsansässige Unternehmen (wie das Splash-Bad) spendeten für die Kinder aus Bobruisk und boten kostenlose Ferienaktivitäten an: Biesfeld und Kürten nahm Anteil am Wohlergehen der Kinder.

Vereinsvermögen

Eher zurückhaltend bewertet Monika Chimtschenko die im Sozialausschuss von Kürten diskutierte Idee, das Vereinsvermögen für eine Zusatzbetreuung an der Dürscheider Gemeinschaftsgrundschule zu verwenden.  Im Ausschuss hatte Michael Becker (FDP) vorgeschlagen, die Mittel für die Betreuungszeit von 7 bis 8 Uhr vor Schulbeginn einzusetzen.


„Ich habe große Bauchschmerzen, ob dies tatsächlich gemeinnützig ist“, erklärt Chimtschenko. Dies würde nur einer kleinen Gruppe Kinder zugute kommen: „Das ist das Problem.“ Außerdem würden Begehrlichkeiten bei anderen Grundschulen  in der Gemeinde Kürten geweckt. (cbt)

 

Aus gesundheitlichen Gründen war dies alles für den Vereinsvorsitzenden zuletzt nicht mehr zu stemmen gewesen. „Es hat sich leider niemand gefunden, der es weitermachen wollte.“ Allerdings sei dies nur einer von mehreren Gründen gewesen, sagt Pimpels. In den letzten Jahren habe auch die Spendenbereitschaft der Kürtener Bevölkerung nachgelassen. Ohne diese Mittel sei die Ferienmaßnahme aber nicht zu leisten. „In den Anfangsjahren haben wir 4-, bis 5000 Euro ausgegeben. Beim letzten Mal waren es 20 000 Euro.“ Außerdem habe sich die Regierung in Weißrussland eingemischt und Vorgaben zur Betreuung machen wollen.

„Ich bin ich sehr traurig“

„Die wollten das verhindern“, meint Pimpels. Der Verein hätte von einer befreundeten Initiative aus Lohmar einen Reisebus zum Transport der Kinder kaufen können. „Aber in Weißrussland hieß es, dass der Bus zunächst durch den dortigen TÜV müsse.“ Weißrussische Kinder mit einem deutschen Bus zu transportieren sei ohne Genehmigung nicht gestattet. Pimpels glaubt an eine Schikane: „Viele Kinder haben nach ihrer Rückkehr von Deutschland erzählt. Dann kam der Vergleich mit der Situation in Weißrussland. Das war der Regierung unangenehm.“ Nach dem letzten Ferienaufenthalt 2009 habe er keine Alternative zur Vereinsauflösung gesehen. „Darüber bin ich sehr traurig.“

Ob Kinder aus Bobruisk irgendwann nach Biesfeld zurückkehren, ist derzeit offen. Monika Chimtschenko erzählt von Überlegungen, dass der Kürtener Sport- und Kulturverein Adler (getragen von Russlanddeutschen) den Ferienaustausch übernehmen könnte. Im vergangenen Jahr sei dies gescheitert an fehlenden privaten Unterbringungsmöglichkeiten. Bei einem neuen Austausch würden deutlich weniger Kinder aus Bobruisk nach Kürten kommen.

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