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Politiker Wolfgang Bosbach : Ein alter Hase an der Kasse

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Mit der modernen Scanner-Kasse ist Bundespolitiker Wolfgang Bosbach gestern im Edeka-Markt Hetzenegger rasch vertraut.    Foto: Daub
Hinter der Supermarktkasse fühlt sich der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses Wolfgang Bosbach sofort zu Hause. Im Edeka-Markt von Markus Hetzenegger in Bergisch Gladbach-Sand kassierte der Politiker am Freitag für den guten Zweck. Von
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Bergisch Gladbach

Hinter der Supermarktkasse fühlt sich der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses sofort zu Hause, den Schalter zur Bedienung des Förderbands hat er gleich im Griff. Nur die Kundin auf der anderen Seite staunt: „Sie, hier?“ Wolfgang Bosbach grinst, sagt „Ja, wieso?“ – und kassiert.

Schließlich ist er gelernter Einzelhandelskaufmann, hat Anfang der 70er Jahre im Konsum-Markt am Gladbacher Konrad-Adenauer-Platz eine Ausbildung gemacht und war später Coop-Fililalleiter in Refrath. Im Edeka-Markt von Markus Hetzenegger in Bergisch Gladbach-Sand unternahm er am Freitag einen Ausflug in die eigene Vergangenheit. Als Kassierer für den guten Zweck: Den Ertrag der von Bosbach binnen einer halben Stunde kassierten Waren spendet Hetzenegger der „Eine-Welt-Stiftung Rhein-Berg“.

Noch nie an Scannerkasse gearbeitet

„Ich hab noch nie an einer Scannerkasse gearbeitet“, „warnt“ der Politiker vor seinem Einsatz, „so etwas gab’s damals noch nicht.“ Für Hetzenegger kein Hinderungsgrund, den „Neuen“ gleich einzusetzen. Wobo: „Wissen die Kunden, dass sie Nerven und Zeit haben müssen, wenn ich hier sitze?“ Kassiererin Silvia Peters schmunzelt – und assistiert dem Politiker. Der nimmt eine Rolle Chips, zieht sie über den Kassen-Scanner und atmet auf: Es piept. „So, das haben wir schon mal geschafft, unfallfrei!“

Der teils mit der Einrichtung eines historischen Kolonialwarenladens ausstaffierte Supermarkt kommt Wobo gleich vertraut vor: „Meine Großmutter im Westerwald hatte so einen.“ Als er später selbst als Einzelhändler aktiv war, wurden die Waren freitagsnachmittags zu Kunden ausgefahren. „In den Hochhäusern oder im sozialen Wohnungsbau, da gab’s fast immer Trinkgeld,“ erinnert sich der 60-Jährige, „aber im Frankenforst war das noch lange nicht unbedingt der Fall.“

Ein voll beladener Einkaufswagen nähert sich dem Förderband. Jetzt stutzt Bosbach: Jürgen Krafft legt seine Waren aufs Band. „Wir waren früher zusammen im Kreistag, er für die FDP, ich für die CDU“, erklärt Bosbach den Umstehenden und spielt den Überraschten, als er vom Display den mutmaßlichen Kaufbetrag vorliest: „Je nach Ausgang der Landtagswahl in Niedersachsen . . .“ Kassierer und Kunde prusten los. „Seit über 40 Jahren kauf’ ich hier ein“, sagt Krafft und schüttelt grinsend den Kopf, als er mit den Einkäufen zur Tür geht, „aber der Wobo, der macht das schon.“

„Mir macht diese Arbeit wirklich Spaß“

„Mir macht diese Arbeit wirklich Spaß, da kommen viele Erinnerungen hoch“, sagt Bosbach, nachdem er die nächste „Wagenladung“ über den Scanner gezogen hat, „auch wenn die Produkttiefe heute doch eine ganz andere ist als in den 70ern. Und Erdbeeren, die gab’s früher nur im Frühling und Sommer.“

Manches aus Bosbachs Lehrzeit ist auch zwischenzeitlich im Supermarkt wieder so wie früher: der freundliche Metzger zum Beispiel. „Als ich damals anfing, ging der bei uns gerade raus und die Selbstbedienungs-Fleischtheke kam rein.“

„Ist ja bald Wahl – da muss man ja was tun“, sagt eine Kundin, als sie vom Bundestagsabgeordneten das Wechselgeld bekommen hat und freundlich verabschiedet worden ist. Doch Bosbach klärt auf: Nicht er sei auf den Supermarkt zugegangen, sondern Edeka habe ihn angeschrieben und gefragt, ob er ein „Praktikum“ machen wolle. „Sie wollen ja nur die Erfahrung eines alten Supermarktleiters ausbeuten“, schrieb Bosbach frotzelnd zurück, erklärte sich aber gleich für einen Aushilfseinsatz in dem Markt bereit, in dem er selbst einkauft.

Der Politiker ist so sehr in seinem Element, dass erst weit nach der vereinbarten halben Stunde das Schild „Bitte nächste Kasse benutzen“ auf dem Band steht. Der Praktikant ist zufrieden: nur ein Storno-Zettel – und keine einzige Reklamation. Mit solchen ist er auch als Supermarktleiter immer sehr sensibel umgegangen – und erinnert sich schmunzelnd: „Da kam mal ein älterer Herr mit einer Flasche Asbach, die schon zu zwei Dritteln leer war, und fand, der Inhalt sei schlecht.“ Bosbach nippte damals selbst an dem Getränk, befand es für durchaus genießbar und ließ sich zwei Gläser bringen: „Wir haben die Flasche zusammen leer gemacht und fanden am Ende beide, dass der Inhalt noch völlig in Ordnung gewesen war.“

Mehr als okay ist auch Bosbachs Kassenabrechnung, er hat sogar 22 Cent plus gemacht. Den Erlös für den guten Zweck stocken Hetzenegger und der Kassierer selbst schließlich auf 250 Euro auf. „Der Unternehmer heißt so, weil er etwas unternimmt, und Markus Hetzenegger ist einer.“

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