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In Asklepios-Kinderklinik : Fünf Frühchen mit Darmkeim infiziert

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Die Kinderklinik in Sankt Augustin 
Vielleicht steckte das Bakterium in einer Cremetube, vielleicht haben die Eltern es auf ihre Frühchen übertragen, vielleicht das Klinikpersonal: Fünf winzige Babys sind auf der Intensivstation der Asklepios-Kinderklinik an einer Bindehautentzündung erkrankt, hervorgerufen durch das Bakterium Serratia marcescens. Von
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Sankt Augustin

Vielleicht steckte das Bakterium in einer Cremetube, vielleicht haben die Eltern es auf ihre Frühchen übertragen, vielleicht das Klinikpersonal: Fünf winzige Babys erkrankten auf der Intensivstation der Asklepios-Kinderklinik an einer Bindehautentzündung, hervorgerufen durch das Bakterium Serratia marcescens. Das kann bei Neugeborenen, deren Immunsystem gestört ist, auch schwer wiegende Krankheiten wie Hirnhautentzündungen und Blutvergiftungen hervorrufen. „Aber nur, wenn es in den Körper gelangt“, sagte Asklepios-Sprecher Rudi Schmidt.

Klinik meldete frühzeitig die Infektion

Die Klinik hatte, wie erst jetzt bekannt wurde, die Infektion am 28. Dezember dem Kreis als Kontrollbehörde gemeldet. Nur eine Stunde, nachdem klar war, dass die Babys vom selben Bakterium befallen waren. Zuvor waren zahlreiche Proben entnommen und im Labor untersucht worden. Die Babys kamen aus der 19-Betten-Station in Quarantäne, wurden in separaten Überwachungsräumen beobachtet. Glück im Unglück: Die Keime waren nicht resistent, die Entzündungen konnten mit einem Antibiotikum behandelt werden. Zwei der fünf in der 33. und 34.

„Keine Epidemie-Gefahr“

Serratia ist ein  Bakterium, das in Wasser, im Boden und auch in Nahrungsmitteln vorkommt. Es siedelt sich bevorzugt in der Darmflora an, gedeiht aber auch in Blumenerde – und in falsch dosierten Desinfektionslösungen.


Serratia marcescens, auch bekannt als Hostienpilz oder Wunderbazillus (wegen der Blutstropfenform der mit ihm geimpften Nährböden),

galt früher als ungefährlich. Es befällt ausschließlich Personen mit geschwächtem Immunsystem und ist deshalb  ein Problem auf Intensivstationen oder in Kinderkliniken, vor allem für Frühgeborene.


Das Bakterium kann unter anderem Harnwegsinfekte, Atemwegsinfekte, Wundinfektionen und Blutvergiftung auslösen. Serratia wird mit Antibiotika behandelt.

Im Oktober hatte an der Berliner Charité ein Befall mit Darmkeimen bei schwer kranken Säuglingen für Aufregung gesorgt, in

Bremen 2011. Sechs Frühgeborene starben. Bei diesem Bakterium handelte es sich aber um eine andere, gefährlichere  Serratia-Variante.


Der Sankt Augustiner Fall müsse nicht dem Robert-Koch-Institut gemeldet werden, so Kreis-Sprecherin Rita Lorenz. Und es gebe auch  keine Pflicht, die Öffentlichkeit zu informieren. Lorenz: „Es bestand keine Gefahr einer Epidemie.“ (coh/dpa)

Schwangerschaftswoche geborenen Frühchen sind schon daheim, drei liegen weiterhin in der Klinik, allerdings nicht wegen der Infektion, sondern weil sie noch zu klein sind, so Schmidt. Solche Keime gebe es in jedem Krankenhaus, die Quellen seien vielfältig. Oft würden sie während der Geburt übertragen, wenn Hände nicht gründlich genug gereinigt und desinfiziert würden, Fingernägel nicht penibel gesäubert. Beim Wickeln der Babys oder bei der Hautpflege könne die Infektion erfolgen, die Übertragung zwischen den Eltern auch durch einen simplen Händedruck.

Bakterium nicht vom Personal übertragen?

Erste Vermutungen der Experten des Hygiene-Instituts Bonn gingen dahin, dass Serratia marcescens nicht vom Personal übertragen wurde, so Schmidt: „Sonst wären mehr als fünf Frühchen erkrankt.“ Und auch andere Verbreitungswege wie unzureichend desinfizierte Beatmungsgeräte könnten ausgeschlossen werden, da sich die Keime sonst im Körper vermehrt hätten. Die Suche ginge weiter, ende eventuell aber ohne Erfolg. Asklepios-Sprecher Schmidt: „Wenn ein Erwachsener zum Beispiel das Bakterium übertragen, sich danach die Hände aber gründlich desinfiziert hat, ist der Weg nicht mehr nachvollziehbar.“

Gleichwohl wurden alle Eltern und das Personal noch einmal „nachgeschult“ in Sachen Handhygiene, zudem hängen in der Klinik gut sichtbare Hinweise, so Schmidt. Die anderen jungen Eltern müssten sich keine Sorgen machen. Die eigentliche Neugeborenen-Station, die getrennt ist von der nicht für die Allgemeinheit zugänglichen Intensiv-Station, sei nicht betroffen.

 

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