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Weihnachtsbotschaft: Absage an menschenverachtende Profitgier

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Unter den Ärmsten der Armen: Seit 33 Jahren lebt und arbeitet der Siegburger Missionar Ulrich Kollwitz in Kolumbien. 
Aus  einer Welt, in der Armut und Gewalt den Alltag bestimmen, richtet  Missionar Ulrich Kollwitz, aufgewachsen in Siegburg-Stallberg, zu Weihnachten einen eindringlichen Appell an die Leserinnen und Leser der Rundschau. Von
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es wird Sie überraschen, dass die diesjährige Weihnachtsbotschaft aus einem fernen Land jenseits des Atlantik kommt. Ich bin gebürtiger Siegburger und seit 33 Jahren als katholischer Priester in Kolumbien tätig. Seit 20 Jahren liegt mein Schwerpunkt in der Arbeit in kirchlichen Kommissionen zur Verteidigung der Menschenrechte.

In all dieser Zeit habe ich viel Unrecht und Gewalt miterleben müssen, wovon in zunehmendem Maße Kinder und Jugendliche betroffen sind. Täglich werde ich mit der Frage konfrontiert: Was können wir dagegen tun? Nun bitten besonders zur Weihnachtszeit immer mehr wohltätige Organisationen um Spenden mit dem Ziel, die Not so vieler Menschen in der ganzen Welt zu lindern. Ich kann mir vorstellen, dass Sie in diesen Tagen von Spendenaufrufen geradezu überschwemmt werden. Mittlerweile bin ich überzeugt, dass fast alle diese solidarischen Projekte nur an Symptomen kurieren, aber nicht an die Wurzel des Problems gehen. Denn die liegt in unserem von Profitgier beherrschten Wirtschaftssystem. Multinationale Konzerne zerstören immer mehr die Umwelt und vernichten damit die Lebensgrundlage von Millionen von Menschen. Sie erzielen fantastische Renditen mit Kinderarbeit und neuen Formen von Sklaverei.

Vom Stallberg in den Chocó

Ulrich Kollwitz, 1952 geboren, wuchs im Siegburger Stadtbezirk Stallberg auf. Schon als Jugendlicher engagierte er sich in der dortigen katholischen Kirchengemeinde, trat später in die Steyler Ordensgemeinschaft ein, wurde 1979 zum Priester geweiht und ging als Seelsorger nach Kolumbien. Mehr als 30 Jahre wirkt er nun schon in diesem an Bodenschätzen  sehr reichen Land, die allerdings extrem  ungerecht und zum Nachteil der Landbevölkerung verteilt sind. Mit brutaler Gewalt, nicht nach Recht und Gerechtigkeit, werden die jeweiligen Interessen durchgesetzt. Linksgerichtete Guerillas, rechte Paramilitärs und das staatliche Militär sorgen ständig für Angst und Schrecken. Zwei Millionen Menschen wurden in den letzten vier Jahrzehnten aus ihren Dörfern vertrieben, rund 200 000 starben.

In dieser verworrenen Situation steht Ulrich Kollwitz auf der Seite  der von fast allen Seiten verlassenen Afrokolumbianer und Indianer in Chocó, einem Landesteil im Nordwesten von Kolumbien. Kollwitz  ist Mitglied der Menschenrechtskommission Vida mit Sitz in Quibdo, der Hauptstadt des Departements, und geht in dieser Funktion dem vielfachen Unrecht nach, dem die kleinen Leute ständig ausgesetzt sind. Oft befällt ihn Ohnmacht, angesichts des großen Unrechts in Kolumbien, doch lebt er mit der Hoffnung, dass eine gerechtere, geschwisterliche Welt möglich ist. „Wir müssen nach Lösungen für  globale Gerechtigkeit suchen“,   lautet sein Appell.  Einen möglichen  Weg dahin hat Pater Kollwitz in seiner  Weihnachtsbotschaft in der heutigen Ausgabe der Rhein-Sieg Rundschau  aufgezeichnet. Wer ihn dabei unterstützen will, hier seine E-Mail-Adresse. (uto)

vidachoco@gmail.com

Wenn Sie dagegen etwas tun wollen, dann gibt es effektivere Wege, als nur immer mehr zu spenden. Kaufen Sie fair gehandelte Waren und mit ökologischen Prinzipien hergestellte Produkte, auch wenn sie etwas teurer sind! Achten Sie bei Ihren Ersparnissen auf ethische Kriterien der Geldanlage, auch wenn die Zinsen etwas geringer ausfallen! Und vor allem überdenken Sie Ihr Konsumverhalten im Alltag!

Banken, Finanzmärkte und multinationale Konzerne werden vergöttert wie damals der Kaiser von Rom, aber sie sind nicht allmächtig. Wenn wir wirklich glauben, dass Gott Mensch geworden ist, und zwar im armen Jesuskind in der Krippe, dann bedeutet das eine klare Absage an dieses menschenverachtende Wirtschaftssystem und die feste Überzeugung, dass eine andere Welt möglich ist, in der alle Menschen guten Willens in Frieden leben können.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen Allen ein gesegnetes Weihnachtsfest.

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