Erstellt 28.10.07, 17:40h, aktualisiert 28.10.07, 20:53h
Erlaubt waren dabei alle Hilfsmittel von der Haarnadel bis zur elektrischen Schlagpistole. Die meisten Schloss-Spezialisten benutzten jedoch professionelles Zubehör wie Spanner, Pick, Haken und Spezialnadeln. Dieses Zubehör bekommt man auch nicht im Baumarkt um die Ecke, sondern nur über den Verein. Oder man bastelt es sich selber. Hauptsache bei dem außergewöhnlichen Hobby ist, Schloss und Hilfsmittel bleiben ganz.
Nur drei Minuten hatte der frisch gebackene Deutsche Meister im Freestyle, Gerhard Hepperle, um sein eigenes Schloss zu knacken. Das gewöhnliche Zylinderschloss, wie man es in fast jeder Haustür findet, durfte der 38-Jährige selber mitbringen. Die Schlösser seiner Konkurrenten musste er innerhalb von fünf Minuten geöffnet haben. Anscheinend war das kein Problem für den Routinier aus Stuttgart.
Schon vor acht Jahren stieß er durch Zufall auf die Internetseite des Vereins. "Ich suchte mir dann eine Anleitung und habe so lang rumprobiert, bis ich es konnte", erzählt er. Hepperle ist im normalen Leben Service-Techniker bei einem Autokonzern. Sicherlich kommt sein technisches Geschick ihm bei seinem Hobby zugute. Seine Übungsschlösser sind meistens ausrangierte Exemplare von Schlüsseldiensten, oder er kauft sie bei Auktionen.
Der Großteil der Schloss-Fans frönt diesem Hobby nur zum Spaß. Der deutschlandweite Verein "Sportsfreunde der Sperrtechnik" wurde im Jahr 1997 in Hamburg gegründet. In der Sportordnung des Vereins steht ausdrücklich, dass die Mitglieder nur eigene Schlösser öffnen dürfen. Wer sich nicht daran hält, fliegt raus. Aber auch die Polizei kann ihren Nutzen aus der Leidenschaft der Hobby-Panzerknacker ziehen: Mit den Erkenntnissen des Vereins werden beispielsweise Gutachter ausgebildet, die nach einem Einbruch beurteilen müssen, ob wirklich eingebrochen wurde oder ob nur jemand seine Versicherung betrügen wollte.
Auch im Blitzöffnen konnte man Gerhard Hepperle, dem Vizepräsidenten des Vereins, so leicht nichts vormachen. Im Stehen führte er den Spanner, ein kleines und spitzes Metallstück, in sein Schloss ein. Es klickte einige Male und Hepperle rief: "Offen!". Sein Nachbar hatte in der zweiten Runde weniger Glück. Er hatte das Schloss von Hepperle bekommen. Hepperle grinste breit und sagte stolz: "Das geht nicht auf, denn das ist mein Schloss". Doch eigentlich herrscht Teamgeist bei den Stuttgartern.
Dieter Ade (35) bekam extra den selbst gemachten Spanner von
seinem Kollegen gereicht. Doch auch damit ging das Schloss nicht auf.
Der Beste im Blitzöffnen war am Schluss dann ein ganz anderer: Julian
Hardt aus Stuttgart.
(dpa)