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Derby gegen Gladbach: Der FC zeigt zu spät den notwendigen Mut

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Kölns Milos Jojic im Zweikampf um den Ball. (Archivbild)

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Köln -

Wie nach einem Fehlverhalten früher in der Schule wurden die FC-Profis nach dem 0:1 im Derby mit Nachsitzen bestraft. Wegen eines langen Staus auf der Autobahn in Richtung Köln steckte der Mannschaftsbus schon bei der Abfahrt am Stadion fest. Der Stimmung im Innern war das alles andere als förderlich.

Den Eindruck, am stärksten "angefressen" zu sein, hatte zuvor Timo Horn vermittelt. Schuldlos am Gegentreffer, bewahrte er den FC vor einem höheren Rückstand und ließ nach dem Abpfiff seinem Frust freien Lauf. Bei seiner berechtigten Kritik nahm der Torhüter kein Blatt vor den Mund. Von dem Einsatz, mit dem man zuvor zu Punkten gekommen sei, habe man vor der Pause nichts gesehen. Nachlässig habe man verteidigt, "und das gegenseitige Anfeuern, Aufbäumen und der emotionale Einsatz fehlten. Für ein Derby war das viel zu wenig".

Letztlich genügte ein Angriff

Die Gladbacher hätten keinen großen Aufwand betreiben müssen. Letztlich genügte ein Angriff, den Matthias Lehmann als exemplarisch bezeichnete: "Die spielen einen tiefen Ball über außen, lassen ihn klatschen und schieben ihn dann zum freien Mann ins Zentrum."

Für das Zuspiel in der neunten Minute war Raffael am linken Kölner Strafraumeck verantwortlich, der gleich drei FC-Spieler auf sich zog. In deren Rücken wurde Mahmoud Dahoud bedient und kam frei zum Außenristschuss.

Auch in der Folgezeit zogen die Hausherren das Spiel geschickt weit auseinander und stellten die Kölner damit im ersten Spielabschnitt vor arge Probleme. Die waren allerdings mehr individueller als taktischer Natur.

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In der Viererkette, in der der erkrankte Mergim Mavraj fehlte, tat sich vor allem Filip Mladenovic sehr schwer. Immer wieder verlor er Zweikämpfe, zeigte Stellungsfehler und wurde überspielt. Dagegen kämpfte sich Pawel Olkowski als Ersatz für den gesperrten Marcel Risse zunehmend besser in die Zweikämpfe. Kaum Zugriff auf Gegner und Spiel bekamen Lehmann und Jonas Hector in Halbzeit eins. Ihre Gegenüber, Torschütze Dahoud (mehr zu ihm auf der nächsten Seite) und Granit Xhaka, gewannen mehr Zweikämpfe, waren im Kopf und auf den Beinen schneller.

Zur zweiten Hälfte nahm FC-Trainer Peter Stöger den fast völlig neben der Musik laufenden Yuya Osako heraus und brachte Milos Jojic. Damit einhergehend fand ein fortlaufender Positionswechsel statt: Yannick Gerhardt machte seinen Platz für Jojic frei und übernahm die Sechserposition von Hector, der in der Viererkette den überforderten Mladenovic ablöste. Der Serbe versuchte sich als Außenstürmer für Osako.

"Wir hatten dann mehr Vertrauen in uns und haben auch auf die Gefahr hin, Konter zu riskieren, gestürmt. So hätten wir von Anfang an spielen müssen", ärgerte sich Dominic Maroh, der vorbildlich kämpfte und wegen seiner Zweikampfhärte am Rande eines Platzverweises stand.

Bundesligadebüt für Marcel Hartel

Die erste einiger Ausgleichschancen bot sich Milos Jojic (62.) bei einem seiner fünf Torschüsse, doch Yann Sommer rettete zur Ecke. Ebenso spitzelte er den Ball bei Lehmanns Distanzschuss (79.) über die Latte, und als der Torwart geschlagen war, rettete Lars Stindl nach einem Kopfball von Anthony Modeste (80.) vor der Linie.

Zu seinem Bundesligadebüt kam Eigengewächs Marcel Hartel, der ab der 62. Minute Mladenovic ablöste. Die Chance, die er erhielt und ordentlich nutzte, solle auch ein Ansporn für die anderen Nachwuchsspieler sein, die mit den Profis trainieren, begründete der Trainer.

"Man hat in der zweiten Halbzeit gesehen, dass wir es besser können. Aber über 90 Minuten betrachtet war es nicht genug, um etwas mitzunehmen", stellte Peter Stöger fest. Damit setzt sich das Auf und Ab seiner Mannschaft in dieser Saison fort. Keine zwei Siege in Folge gelangen ihr - andererseits aber ließ sie auch nur einmal zwei Niederlagen hintereinander zu.

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