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FC-Trainer: Auch nach 1000 Tagen keine Abnutzungserscheinungen bei Peter Stöger

Bild Stöger (1)

FC-Coach Peter Stöger.

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dpa

Seit 1000 Tagen ist Peter Stöger heute Trainer des 1. FC Köln. Nur vier Vorgänger waren länger bei diesem Verein im Amt: Hennes Weisweiler (1383 Tage), Christoph Daum (1377), Georg Knöpfle (1096) und Rinus Michels (1042). Würde er diese vier hinter sich lassen, sähe er sich in seiner Arbeit bestätigt, sagte der Wiener bei einem Gespräch, das Joachim Schmidt aufzeichnete.

Herr Stöger, war Ihnen bewusst, dass Sie an diesem Mittwoch 1000 Tage im Amt sind?

Ich wurde darauf von Kollegen von Ihnen angesprochen, sonst hätte ich es nicht gewusst. Das ist schon eine lange Zeit mit unterschiedlichen Ausschlägen. Aber ich habe es bisher genossen. Schaun wir mal, wie viele Tage noch dazukommen. Ich gucke ja immer von Spiel zu Spiel.

War es die schönste Zeit in Ihrem Trainerleben?

Ja, das kann man so sagen. Es hat sich bei mir am meisten ereignet und es hat sich dadurch am meisten in meinem Leben verändert. Die Zeit ist sehr schnell vergangen. Aber es ist immer noch etwas Besonderes. Ich genieße es, jede Woche bei einem tollen Club auf den Spieltag hinzuarbeiten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das einmal Routine wird. Ich empfinde es immer wieder als riesige Chance und Herausforderung.

Hatten Sie mit 1000 Tagen gerechnet?

Ach, wer hätte das gedacht? Ich hatte es mir schon zugetraut, sonst hätte ich den Schritt nicht getan. Aber wir wissen doch, wie unkalkulierbar und unruhig dieses Geschäft ist. Und wir kennen die Trainerhistorie in Köln . . .

Was zeichnet die Arbeit beim FC aus?

Es ist eine riesige Aufgabe. Ich kam, um mit der Unterstützung von vielen Leuten die Mannschaft wieder in die Bundesliga zu führen. Jetzt arbeiten wir daran, das zu konsolidieren. Jede Woche ist es ein Kraftakt, sich wieder neu aufzustellen. Die Wahrnehmung sowie die positive wie die negative Kritik ist hier eine ganz andere, als ich das aus Österreich kannte. Das sind andere Größenordnungen. Das ändert jedoch nichts daran, dass die schönste Zeit jene war, in der ich selbst gespielt habe. Das ist jetzt der zweitschönste Job.

Was waren die Höhepunkte in den 1000 Tagen?

Sicherlich der Aufstieg. Das bleibt das Wichtigste für mich.

Hat es einen Unterschied gemacht, die Mannschaft in der zweiten Liga zu übernehmen statt in der ersten?

Das ist schwierig zu sagen. Es war nicht leicht damals, weil wir einen großen Umbruch hatten und es erwartet wurde, dass wir aufsteigen. Rückwirkend gesehen, war es kein Nachteil, aber vom Einstieg her weiß ich nicht, ob es ein Vorteil war. Es war für alle Beteiligten ein richtiger Kraftakt, eine spannende Zeit.

Glauben Sie, in der Zwischenzeit zu 100 Prozent ein Kölner geworden zu sein?

Das würde ich nie sagen. Das lassen die Kölner nach drei Jahren noch nicht zu. Aber die Leute wissen, dass ich mich hier sehr wohl fühle. Das sieht man ja auch daran, dass ich kaum nach Wien fliege, obwohl es keine bessere Flugverbindung dorthin gibt. Ich kann hier gut abschalten. Ich habe auch ein anderes Bild vom Karneval bekommen, nachdem ich ihn aus der Distanz als sehr eigenartig empfunden hatte. Es ist eine richtig coole Zeit, keineswegs mehr befremdlich.

Was dachten Sie angesichts der Zahl 1000?

Dass die Zeit schnell vergangen ist. Vielleicht liegt es aber auch an meinen Alter (lacht - Peter Stöger wird im April 50 Jahre alt/Anm. der Red.).

Sie haben einen Vertrag bis zum 30. Juni 2020. Wo sehen Sie sich am Ende der nächsten 1000 Tage?

Ich hoffe, mit dem FC in der Bundesliga. Wenn das der Fall wäre, würden wir daran gemessen, wie viele richtige Entscheidungen wir getroffen haben. Vom Fundament, das wir derzeit legen, wird es abhängen, wie weit wir nach oben kommen. Ich und meine Mitarbeiter werden danach bewertet, ob es irgendwann realistisch ist, im Europapokal dabei oder eine solide Bundesligamannschaft zu sein.

Die Voraussetzungen dafür sind gegeben?

Bezüglich der kontinuierlichen Weiterentwicklung gibt es, glaube ich, keine besseren Leute als die, die hier im Club arbeiten. Da ist der 1. FC Köln top aufgestellt.

Gibt es nach 1000 Tagen Abnutzungsspuren bei Ihnen?

Die sehe ich nicht. Ich versuche, Dinge, die ich wenig beeinflussen kann, so zu akzeptieren, wie sie sind.

Haben Sie sich verändert?

Ich denke nicht. Es ist noch keiner gekommen und hat gesagt: Du warst früher angenehmer. Sollte das passieren, käme ich ans Nachdenken. Aber so weit ist es ja noch nicht. - Haben wir's? Wenn ja, dann auf die nächsten sieben Tage. (geht lachend davon)

Zur Person

Peter Stöger (49) ist seit 2007 als Trainer tätig. Dabei führte er Vienna Wien zurück in die 2. Liga und die Austria 2013 überraschend zum Titelgewinn . Danach wechselte er zum 1. FC Köln.

Als Spieler verbrachte er die längste Zeit bei der Austria, mit der er drei seiner vier Meistertitel als Nationalspieler gewann. (JoS)


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