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Nachruf auf Hannes Löhr: Köln trauert um FC-Legende „de Nas“

Löhr früher

 Mittelfeldspieler Hannes Löhr vom Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln, aufgenommen im Juli 1974 in Köln.

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Köln -

Als Hannes Löhr am Freitagabend beim Heimspiel des FC nicht wie gewohnt auf seinem Platz auf der Westtribüne des Rheinenergie-Stadions saß, gab es bereits bange Nachfragen. Doch sein einstiger Mitspieler und Freund Bernd Cullmann beruhigte: „Der Hannes ist verreist.“ Das war er dann doch nicht, weil dem 73-Jährigen unwohl war. Am Sonntag aber fühlte er sich wieder so gut, dass er mit dem ehemaligen Haie-Kapitän Detlef Lange-mann zum Eishockeyspiel in die Lanxess-Arena ging – um in der Nacht darauf friedlich aus dem Leben zu scheiden.

Bild Hannes Löhr Pokal

Vier Mal gewann Hannes Löhr als Spieler und Sportchef mit dem 1. FC Köln den DFB-Pokal.

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Der liebe Gott werde ihn schon holen, wenn es an der Zeit sei, hatte der gläubige Katholik Hannes Löhr in den letzten Jahren wiederholt gesagt, wenn es ihm gesundheitlich nicht so gut ging. Zuletzt war es eine Lungenentzündung, die ihm körperlich arg zugesetzt hatte, davor ein Schlaganfall. Und nicht zuletzt der frühe Tod seiner Frau Annemarie, die vor fast genau sechs Jahren 54-jährig verstorben war, nachdem er selbst eine Woche zuvor am Herzen operiert worden war, hatte ihm zugesetzt.

So war das Leben von Hannes Löhr, der wegen seines großen Riechorgans von den Fans liebevoll „de Nas“ und von den Mitspielern wegen seiner früheren Messdienertätigkeit „Bim-bam“ genannt wurde, ein Wechselspiel persönlicher Schicksalsschläge und sportlicher Erfolge.

Am 5. Juli 1942 geboren spielte er schon mit sechs Jahren beim SV Eitorf 05. Vier Jahre später verstarb sein Vater, und Mutter Anna betrauerte er, kurz nachdem er 1964 einen Lizenzspielervertrag beim FC erhalten hatte.

Nach Köln war er über einen Umweg gekommen. Zwei Jahre zuvor hatte ihn Oberligist Sportfreunde Saarbrücken verpflichtet. Dann aber machten die Kölner im Wettstreit mit anderen Bundesligisten das Rennen um den torgefährlichen Stürmer.

Dem sollten in den folgenden 14 Jahren in 381 Bundesligaspielen 166 Treffer gelingen; bis heute waren nur neun Spieler erfolgreicher. Am Ende der Saison 1967/68 wurde Hannes Löhr mit 27 Treffern Torschützenkönig. Außerdem gewann er mit dem FC den DFB-Pokal, was sich 1977 und ’78 wiederholen sollte.

Bild Hannes Löhr Jubel

Als Trainer führte er die deutsche Olympia-Auswahl 1988 in Seoul zum Gewinn der Bronzemedaille.

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Geplant war das von dem als Linksaußen stürmenden ehemaligen Nationalspieler (20 Länderspiele zwischen 1967 und 1970) nicht. Der hatte 1975 seine Karriere mit knapp 33 Jahren beenden wollen. Doch Trainer Tschik Cajkovski überredete ihn zum Weitermachen. So kam Löhr 1978 auch zu deutschen Meisterehren, bevor die aktive Karriere tatsächlich beendet war.

Noch mehr Erfolgen stand wiederholt seine angeschlagene Gesundheit im Weg. Er zog sich eine Lebererkrankung und eine Blutvergiftung zu und verbrachte vom Sommer bis Herbst 1968 mehrere Wochen in einem Lungensanatorium im Schwarzwald. „Als ich den Hannes dort besuchte, meinte er: ,Och, mir geht es eigentlich gut‘. So war er: Immer positiv gestimmt, und so hat er manches Problem mit einem Lächeln überspielt“, erinnerte sich sein langjähriger Freund und Weggefährte Wolfgang Weber.

Löhr heute

Johannes Löhr, aufgenommen im Berliner Hertzberg-Stadion in Neukölln (Archivfoto vom 15.09.2002).

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Nach dem Ende seiner Spielerkarriere blieb Hannes Löhr dem FC zunächst als Co-Trainer (bis 1980) dann als Sportdirektor und nachdem er Rinus Michels im August 1983 entlassen hatte schließlich als Trainer (bis Februar 1986) erhalten. Sein eigenes Trainerende provozierte er, als er eine Vertragsverlängerung forderte und mit der sofortigen Auflösung drohte. Zu der kam es dann.

Vom Sommer 1986 an folgte noch eine 16-jährige erfolgreiche Arbeit als Nachwuchstrainer beim Deutschen Fußball-Bund. Bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul führte er die Mannschaft um Jürgen Klinsmann zum Gewinn der Bronzemedaille.

Heute Abend wird die Kölner Mannschaft in Ingolstadt im Gedenken an einen „großartigen Sportler und liebevollen Menschen“, so Toni Schumacher, mit Trauerflor spielen. Am Samstag, beim Heimspiel gegen Schalke, wird der Platz von Hannes Löhr endgültig leer bleiben.