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Kölnische Rundschau | Basketball: Unnötiger Nervenkitzel in den Schlussminuten
07. February 2016
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Basketball: Unnötiger Nervenkitzel in den Schlussminuten

Florian Koch (rechts) machte 13 seiner 15 Punkte vor der Pause und trug damit entscheidend dazu bei, dass die Baskets gut in die Partie fanden.

Florian Koch (rechts) machte 13 seiner 15 Punkte vor der Pause und trug damit entscheidend dazu bei, dass die Baskets gut in die Partie fanden.

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Sascha Engst

Bonn -

Gekämpft, gezittert, gejubelt und gefeiert: Die Telekom Baskets gewannen am Samstagabend im ausverkauften Telekom Dome (6000 Zuschauer) gegen den Tabellenvorletzten Göttingen mit 92:84 (20:11, 30:23, 24:24, 18:26) und konnten damit vorerst die ärgsten Sorgen um den Klassenerhalt zu den Akten legen.

Denn auf Rang 13 haben sie jetzt nicht nur acht Punkte Vorsprung vor den Gästen (Platz 17), sie entschieden nach dem mit sieben Punkten verlorenen Hinspiel (68:75) auch den direkten Vergleich für sich – die Niedersachsen müssten in der restlichen Saison noch fünf Spiele mehr gewinnen als die Bonner, um sie noch zu überholen.

Jecke Fans beim Spiel

Bis die überwiegend kostümierten Fans diesen „Big point“ aber endgültig bejubeln konnten und danach mit den dann ebenfalls kostümierten Spielern bei der großen Karnevalsparty im Foyer feierten, mussten sie im Schlussviertel noch bange Minuten überstehen.

Denn ausgerechnet bei der bis dahin höchsten Führung von 17 Punkten (81:64, 36.) leisteten sich die Baskets einen weiteren dieser Einbrüche, die für sie in dieser Saison fast zum Markenzeichen geworden sind: Innerhalb von knapp vier Minuten erlaubten sie den Gästen einen 20:6-Lauf, mit dem diese 38 Sekunden vor Schluss auf 87:84 verkürzten.

Göttingen: Sechs Dreier in knapp vier Minuten

Sechs Dreier verwandelten die Göttinger in dieser kurzen Phase, die in den 36 Minuten zuvor nur vier Fernschüsse getroffen hatten. Aber jetzt gingen Terrell Everett (3), Khalid El Amin (1), Dominik Spohr (1) und David Godbold (1) volles Risiko – und blieben ohne Fehlschuss.

„Natürlich sollte uns solch ein Einbruch nicht passieren, aber Göttingen hat alles auf eine Karte gesetzt und wir fühlten uns da offensichtlich schon zu sicher“, kritisierte Cheftrainer Carsten Pohl diesen unnötigen Nervenkitzel. Immerhin verhinderten seine Jungs größeren Schaden, weil sie (von Göttingen mit taktischen Fouls an die Linie gezwungen) am Ende neun von zehn Freiwürfen verwandelten und damit den Sieg ins Ziel retteten.

Nach einer souveränen ersten Halbzeit hatte nichts darauf hingedeutet, dass es noch mal so eng werden würde. Für den guten Start war Florian Koch verantwortlich, der sieben Punkte im ersten Viertel beisteuerte und im zweiten Durchgang wichtige Dreier traf. Hinzu kam, dass die Baskets dank des Comebacks von Tadas Klimavicius drei Center und insgesamt fünf „Big men“ aufbieten konnten und sich dadurch eine klare Rebound-Überlegenheit erkämpften (29:16 zur Pause, am Ende 47:36). Yancy Gates (16 Punkte, zehn Rebounds) stellte die Gästedefense mit seiner körperlichen Dominanz immer wieder vor unlösbare Probleme, aber auch Klimavicius (neun Punkte, sieben Rebounds in nur zwölf Minuten) agierte überaus effektiv.

Rotnei Clarke ist bester Werfer

Zum besten Werfer schwang sich Rotnei Clarke mit einer Saisonbestleistung von 22 Punkten empor, der 19 Punkte nach der Pause erzielte und bei den Dreiern (4/4) und den Freiwürfen (6/6) ohne Fehlschuss blieb. Er musste am Ende den Spielaufbau übernehmen, weil Eugene Lawrence nach 33 Minuten mit dem fünften Foul raus musste.

Dabei brachte Clarke sein Team im dritten Viertel wieder in die Spur, nachdem die Baskets die Hälfte ihres 16-Punkte-Vorsprungs zur Pause (50:34) in einer ersten Schwächephase bis zum 53:45 aus der Hand gegeben hatten. Als Clarke das dritte Viertel per Dreier zum 74:58 beschloss, ahnte niemand, wie eng es noch werden sollte. „Entscheidend war, dass wir weitergefightet und zusammengehalten haben“, meinte Sean Marshall, der wieder viel Energie ins Bonner Spiel brachte.

Bei Göttingen dominierten Harper Kamp (16 Punkte, zehn Rebounds) und Khalid El-Amin (15 Punkte, fünf Assists), aber auch der nachverpflichtete Ian Hummer trumpfte bei seinem Einstand mit einem Double-Double auf (19 Punkte, zehn Rebounds).

Mit diesem Sieg sollte den Bonnern der größte Druck genommen sein. Vielleicht sorgt dies ja für mehr mentale Stabilität bei den Spielern. Vielleicht werden damit ja auch die Schwächephasen weniger und kürzer. Vielleicht . . .

Baskets: (Pkte/3er) Gates (16), Mädrich, Philmore (4), Marshall (9), Lawrence (3/1), Klimavicius (9), Koch (15/3), White (14), Clarke (22/4) Blass; Rebounds: 47 (Gates 10, Philmore 7, Klimavicius 7); Assists: 17 (Lawrence 6); Trefferquote Feld: 44 % (32/72); Dreierquote: 42 % (8/19); Freiwurfquote: 71 % (20/28).Göttingen: El-Amin (15/1), Kamp (16), Hummer (19), Everett (9/3), Godbold (4/1), Mönninghoff, Spohr (16/4), Kulawick (5/1), Schwarz, Onwuegbuzie; Rebounds: 36 (Kamp 10, Hummer 10); Assists: 15 (El-Amin 5); Trefferquote Feld: 45 % (32/71); Dreierquote: 36 % (10/28); Freiwurfquote: 83 % (10/12).