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Kölnische Rundschau | Minutenlanger Blackout: Telekom Baskets verlieren 79:95 gegen Ulm
17. January 2016
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Minutenlanger Blackout: Telekom Baskets verlieren 79:95 gegen Ulm

Am Samstag aus New York eingeflogen, machte Sean Marshall (l.) gestern direkt sein erstes Spiel im Baskets-Trikot.

Am Samstag aus New York eingeflogen, machte Sean Marshall (l.) gestern direkt sein erstes Spiel im Baskets-Trikot.

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Engst

Bonn -

Ein Aufschwung war in den ersten 25 Minuten unübersehbar, aber ausgerechnet nach ihrer stärksten Phase leisteten sich die Telekom Baskets gestern Abend im Spiel gegen Ulm wieder einen minutenlangen Blackout: Nach 50:41-Führung gestatteten sie den Gästen einen 16:3-Lauf zum 54:57, nach dem sie nicht mehr in die Spur fanden.

Am Ende stand vor 5650 Zuschauern im Telekom Dome nach 59 Gegenpunkten in der zweiten Halbzeit doch wieder eine deftige 79:95 (17:18, 21:18, 20:26, 21:33)-Schlappe, nach der die Bonner auf Rang 13 verharren.

Damit entschied Ulm nach dem 97:82-Erfolg Bonns im Hinspiel auch den direkten Vergleich für sich. Während Ulms Trainer Thorsten Leibenath dies mit Blick auf mögliche Konkurrenz durch Bonn im Kampf um die Play-off-Plätze hervorhob, müssen die Baskets bei kühler Betrachtung den Blick nach hinten richten: Bei nur vier Punkten vor dem ersten Abstiegsplatz müssen sie erst mal Abstand nach unten schaffen.

Dazu haben sie in den folgenden drei Partien die Chance, aber auch die Pflicht, wenn es gegen Crailsheim, Bremerhaven und Göttingen gegen drei Kellerkinder geht.

Neuen Flügelspieler präsentiert

Eine Überraschung hatten die Baskets für ihre Fans und Gegner Ulm parat, als sie erst zwei Stunden vor dem Spiel bekanntgaben, dass sie bei ihrer Suche nach dem angekündigten neuen Flügelspieler fündig geworden waren: Am Samstag erst aus New York eingeflogen, lief der 30-jährige Sean Marshall mit auf. Der 1,98 m große Small Forward (Position drei) erhielt einen Vertrag bis zum Saisonende und verdrängte Jimmy McKinney aus dem Team, der als siebter Ausländer zu viel an Bord war.

Marshall spielte zuletzt für die Westchester Knicks, dem „Entwicklungsclub“ des NBA-Teams New York Knicks. Er hat aber auch viel Erfahrung in Europa: Er spielte zuvor sieben Jahre in der Türkei, Griechenland und Frankreich, stand zum Beispiel 2015 mit Trabzonspor (Türkei) im Finale der Fiba-Eurochallenge (63:64 gegen Nanterre/Frankreich).

Die Partie entwickelte sich ungeachtet dieses Coups in der ersten Halbzeit zu einem intensiven Ringen zweier ebenbürtiger Teams. Gates (11 Punkte, 2 Rebounds) war noch nicht der große Dominator unter den Körben, flößte aber allein durch seine körperliche Präsenz Respekt ein und punktete gut aus der Nahdistanz.

Marshall (10 Punkte, 4 Rebounds, 4 Assists) wirkte keineswegs wie ein Fremdkörper, was er machte, hatte Hand und Fuß, bis er sich mit einem krassen Fehlpass an den Baskets-Ballverlusten beteiligte.

Keine Mannschaft konnte sich vor der Pause absetzen, es gab bis dahin zehn Führungswechsel. Florian Koch brachte sein Team kurz vor der Pause per Dreier 36:34 in Front und rettete auch noch mit einem Zweier den Vorteil zum 38:36 in die Pause. Am Ende war Koch mit einer Karrierebestleistung von 22 Punkten bester Werfer.

Flut von Ballverlusten und Fehlwürfen

Mit diesem Rückenwind schienen sich die Baskets direkt nach dem Seitenwechsel lösen zu können, als sie durch einen Dreier-Doppelschlag durch Aaron White und Marshall bis auf 50:41 (26.) wegzogen. Danach ließen sie sich aber von der Euphorie auf den Rängen mitreißen, überzogen das Tempo, was eine Flut von Ballverlusten und Fehlwürfen zur Folge hatte.

Ulm nutzt diese Fehler eiskalt, traf fünf Dreier im dritten Viertel, setzte Bonn auch am Korb durch seine Topscorer Raymar Morgan (20) und Augustine Rubit (17) unter Druck und drehte die Partie in knapp drei Minuten zum 53:57 (29.).

Bis zur 34. Minute erhöhte Ulm zur eigenen 72:62-Führung, machte also in acht Minuten aus einem Neun-Punkte-Rückstand eine Zehn-Punkte-Führung – danach war der letzte Widerstand der Baskets erlahmt. Und alle kamen zu der Erkenntnis, dass die defensiven Probleme genauso akut sind wie bisher.

Trainer Carsten Pohl fand zu dem Einbruch klare Worte: „Wir haben Mitte des dritten Viertels die Kontrolle verloren, hatten elf Ballverluste nach der Pause und konnten Ulm dann nicht mehr stoppen. Es ist erschreckend zu sehen, wie schnell bei uns dann alles zusammenbricht.“

Baskets: (Pkte/3er) Gates (11), Mädrich (4), Philmore (2), Marshall (10/1), Hall, Lawrence (8), Koch (22/3), White (11/1), Clarke (11/2);

Rebounds: 37 (White 7);

Assists: 14 (Marshall 4);

Trefferquote Feld: 43 % (30/70);

Dreierquote: 30 % (7/23);

Freiwurfquote: 80 % (12/18).

Ulm: Morgan (20/1), Rubit (17), Henry (5/1), Babb (10/2), Günther (12/1), Butler (12/2), Brembly (5/1), Braun (10), Neumann (4); Rebounds: 33 (Braun 7);

Assists: 16 (Günther 6);

Trefferquote Feld: 53 % (32/60);

Dreierquote: 42 % (8/19);

Freiwurfquote: 88 % (23/25).