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Interview der Woche mit Christoph Schindler: Guter Zeitpunkt fürs Spiel gegen THW Kiel

Nach einem Jahr 2015, das durch Verletzungen geprägt war, freut sich Christoph Schindler auf die Bundesliga. (Foto: Hoene)

Nach einem Jahr 2015, das durch Verletzungen geprägt war, freut sich Christoph Schindler auf die Bundesliga. (Foto: Hoene)

Wenn es am Mittwoch in Kiel in der Bundesligarückrunde weitergeht, ist es für Sie fast schon ein Neuanfang.

Ein bisschen schon. 2015 war für mich ein echtes Seuchenjahr. Am Anfang stand eine verschleppte Ellbogenverletzung, die falsch diagnostiziert wurde. Im Sommer habe ich dann auf meinen Urlaub verzichtet und durchtrainiert. Es lief alles super in der Vorbereitung, bis ich eine Woche vor Saisonstart auf die rechte Schulter gefallen bin.

Sie waren aber trotzdem beim Saisonstart in der Dortmunder Westfalenhalle gegen den THW Kiel dabei.

Ich wollte unbedingt gegen Kiel spielen und habe das auch wie in den folgenden Partien unter Schmerzmitteln getan. Im Oktober ging dann nichts mehr mit meiner Schulter und damit auch dem Wurfarm. Nach zwölf Wochen Ruhe habe ich auch meinen Winterurlaub abgesagt, um durch Reha- und Aufbaumaßnahmen pünktlich zum Start in die Vorbereitung fit zu sein.

Wie geht es Ihnen jetzt?

Ich fühle mich fit und spüre eine sehr, sehr große Vorfreude auf das Spiel in Kiel.

Mit welchen Erwartungen gehen Sie in die Partie gegen den Tabellenzweiten?

Grundsätzlich starten wir mit hohen Ambitionen. Der VfL Gummersbach steht auf Platz neun in der Tabelle, und warum sollten wir nicht noch ein bisschen höher klettern? Wenn es einen guten Zeitpunkt gibt, gegen Kiel zu spielen, dann jetzt. Der THW hatte viele Spieler für die Europameisterschaft abgestellt. Dazu kommen die Verletzten wie Steffen Weinhold und Christian Dissinger. Dagegen treten wir mit dem kompletten Kader an, etwas, das es auch schon lange nicht mehr gab. Wir können einen richtig guten Start hinlegen, weil anschließend die Spiele gegen Eisenach und den Bergischen HC folgen.

Wie bewerten Sie den bisherigen Verlauf der Saison?

Es war ein Auf und Ab, doch gab es unterm Strich mehr Höhen als Tiefen. Wir hatten eine kurze Negativserie, die in dem Pokal-Debakel gegen Flensburg endete. Der Wendepunkt war der Sieg im Heimspiel gegen Göppingen, bei dem sechs Spieler verletzt ausfielen. Es war unglaublich, wie die Fans hinter uns gestanden haben.

Wie hat sich das gezeigt?

Trotz der schlechten Spiele in den Wochen zuvor, standen sie am Kabinenausgang Spalier, haben uns gezeigt, dass sie uns unterstützen. Das hat uns unheimlich viel Kraft gegeben. Danach lief es für uns. Das letzte Spiel vor der Winterpause gegen Stuttgart hat aber auch gezeigt, dass wir die Konzentration über 60 Minuten hoch halten müssen, sonst kann so etwas auch ins Auge gehen.

Glauben Sie, dass Sie von der Europameisterschaft profitieren werden?

Ja. Unsere Nationalspieler werden vor Selbstvertrauen strotzen und die Zuschauerresonanz steigen. Damit wird es allen mehr Spaß machen und das kann in den Spielen auch den Ausschlag geben.

Der VfL hat bereits früh in der Saison nichts mehr mit dem Abstieg zu tun, stellt drei Nationalspieler und steht in der Tabelle so gut wie lange nicht mehr. Was ist das Erfolgsrezept?

Ich bin seit sechs Jahren beim VfL, aber jetzt stimmt die Zusammensetzung der Mannschaft einfach. Es ist die Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern, und der Teamgeist ist überragend. Für mich ist es bisher die Gummersbacher Mannschaft mit dem größten Zusammenhalt. Natürlich gibt es eine Hierarchie, die auch wichtig ist, aber der Teamspirit hat uns geprägt.

Spielt das auch in der Außenwirkung eine Rolle?

Ja, die Leute bekommen mit, dass die Mannschaft an einem Strang zieht und die Spieler es zu schätzen wissen, bei einem Traditionsverein wie dem VfL anzutreten. Das Wichtigste ist aber, dass der Erfolg auch da ist und wir nicht gegen den Abstieg spielen.

Durch Ihre lange Verletzungspause mussten Sie zusehen, wie mit Simon Ernst ein junger Spieler Ihre Position übernahm. Fällt das schwer?

Es ist der natürliche Konkurrenzkampf, der in einer Mannschaft herrscht und auch herrschen muss. Doch wir sind auch ein Team, in dem jeder für den Erfolg kämpft. Da gibt es keinen Neid, denn jeder Spieler wird gebraucht. Und als älterer Spieler versucht man, den jüngeren Mannschaftskollegen Tipps zu geben.

Sie sind jetzt 32 Jahre alt und Ihr Vertrag beim VfL läuft noch anderthalb Jahre. Wie weit planen Sie voraus?

Wenn mein Vertrag ausläuft, bin ich 33 Jahre alt. Ich möchte so lange spielen, wie es geht. Ich spiele jetzt 16 Jahre in der Ersten und Zweiten Liga. Was danach kommt, muss man mal sehen. Als ich vor sechs Jahren zum VfL gewechselt bin, habe ich gesagt, dass es mein Traumverein ist, mittlerweile ist Gummersbach eine Herzensangelegenheit für mich.

Was erwarten Sie persönlich und sportlich in den restlichen Saisonspielen?

Persönlich möchte ich gesund bleiben und so viel wie möglich zum Erfolg beitragen. Die Tabelle ist so eng, dass von Platz drei bis 15 jeder jeden schlagen kann. Wir sind aber gut vorbereitet. So hoffe ich, dass wir in der Tabelle einstellig bleiben.