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Sozialführerschein: Mit Spaß gegen Vorurteile

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Lustig geht es in der Küche von Angelique Haupt  und Martin Radosa zu. Die 16-jährige Jessica Schmidt (v.l.) kocht zusammen mit dem Paar, die im Ambulant Betreuten Wohnen leben. Foto: Schmitz
Die Schülerinnen Jessica Schmidt und Nele Hedrich waren im Rahmen des Projekts „Sozialführerschein“ in einer betreuten Wohngemeinschaft zu Besuch und sammelten erste Eindrücke aus dem Leben geistig behinderter Menschen. Von
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Wipperfürth/Lindlar

Eigentlich wollten Angelique und Martin gemeinsam mit ihren Gästen einen Kuchen backen. Doch dann hat das Paar ganz verschwitzt, die nötigen Zutaten zu besorgen. Also wird improvisiert. Eier, Milch stehen im Kühlschrank, Mehl im Regal – daraus lassen sich prima Pfannkuchen backen. Für Angelique Haupt und Martin Radosa keine ganz leicht Übung. Denn die beiden jungen Leute, die in einer gemeinsamen Wohnung leben, sind geistig behindert. Sie leben im „Ambulant Betreuten Wohnen“. An diesem Nachmittag ist nicht nur ihre Betreuerin Pia Hedrich zu Besuch, sondern auch zwei Schülerinnen. Die 16-jährige Jessica Schmidt und die 14-jährige Nele Hedrich. Beide nehmen teil am Projekt „Sozialführerschein“ .

Während Martin gekonnt die Eier aufschlägt und trennt, liest Jessica die nächsten Schritte aus dem Kochbuch vor. Ein spezielles Kochbuch, dass die einzelnen Rezepte in kleine Schritte aufteilt und mit vielen Fotos, die diese Schritte illustrieren. Schon bald ist das Eis gebrochen. Martin und Angelique freuen sich über den Besuch, auch wenn es in der kleinen Küche zu fünft ziemlich eng ist. „Hast Du Karneval gefeiert?“, will Martin von Jessica wissen. „Aber ja“, sagt die Schülerin. Ihr Schnupperpraktikum neigt sich dem Ende entgegen. Zwei Mal war die 16-Jährige bei „Noh Bieneen“ in Thier zu Besuch, eine Einrichtung für junge Menschen mit zum Teil schweren Behinderungen. „Wir haben zusammen Sport und Musik gemacht“, erzählt die Gymnasiastin. „Wir hatten viel Spaß.“

Giovanna Perske kümmert sich bei Noh bieneen um die „Sozialführerscheinler“. „Die Teilnehmer haben in erster Linie eine beobachtende Rolle“, erklärt sie. Und niemals werden sie mit den Klienten alleine gelassen.

Nachdem Martin unter Anleitung das Eiweiß aufgeschlagen und unter den Teig gehoben hat, wird der Herd angeworfen. Jessica gibt mit der Kelle Teig in die Pfanne – alle lachen, weil der erste Pfannkuchen ein wenig dick und unförmig aussieht.

Betreuerin Pia Hedrich ist immer freitags bei dem Paar zu Besuch. „Gemeinsames Koche ist ein absolutes Highlight“, erklärt sie, „an anderen Tagen steht Bad putzen an“. Angelique und Martin sprechen mit ihr aber auch über ihre private Beziehung. „Nicht, weil ich es will, sondern weil die beiden es wollen“, sagt die Betreuerin.

Was wird aus den Pfannkuchen? „Die nehmen wir mit ins Central“, schlägt Martin vor, „kommt doch auch mit“. Das Café Central in der Wipperfürther Bahnstraße bietet mehrmals wöchentlich einen offenen Treff für Menschen mit und ohne Behinderung. Angelique und Martin gehören zu den Stammgästen. Hier treffen sie ihre Freunde, gemeinsam wird gespielt, geklönt und gegessen. Und heute werden sich noch zwei Gäste mitbringen.

Für Giovanna Perske ist der Sozialführerschein eine gute Sache. „Die Mädchen waren offen gegenüber Neuem. Sie haben einen realistischen Eindruck in unsere Arbeit gewinnen können, den man in der Schule sicher nicht bekommt. So ein Projekt zeigt, dass sich die Grenze zwischen Menschen mit und ohne Behinderung sehr leicht überwinden lässt.“

Eine Einschätzung, die auch Nele Hedrich und Jessica Schmidt teilen. „Das Kochen und der Besuch im Café Central haben Spaß gemacht. Es war einfach eine nette Atmosphäre.“ Beide Gymnasiastinnen können sich vorstellen, später einmal selbst im sozialen Bereich zu arbeiten.

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