Aktuelle Nachrichten aus Köln, der Region und der ganzen Welt

Anlaufprobleme von Eurowings: „Hätten besser noch ein halbes Jahr gewartet“

Eine Menge Geduld mussten knapp 300 Eurowings-Passagiere aufbringen, die mit mehr als 60 Stunden Verspätung nach Köln zurück kehrten.

Eine Menge Geduld mussten knapp 300 Eurowings-Passagiere aufbringen, die mit mehr als 60 Stunden Verspätung nach Köln zurück kehrten.

Foto:

dpa

Die Lufthansa-Tochter Eurowings ist ausgesprochen holprig mit den neuen Billig-Langstreckenflügen gestartet. Kann der Konzern das Steuer jetzt noch herumwerfen?

Lufthansa wird die Probleme in den Griff bekommen. Sie muss dafür aber viel Geld in die Hand nehmen. Allein die Pönalen für Flugverspätungen von mehr als drei Stunden dürften einen zweistelligen Millionenbetrag kosten. Dazu kommen noch Unterbringungs- und Bewirtungskosten und die Kosten, um etwa ein Ersatzflugzeug mit Crew nach Kuba zu schicken.

Wie konnte es zu so einem Fehlstart kommen?

Lufthansa hat wohl das Risiko von Verspätungen und das Ausfallrisiko von Fliegern unterschätzt. Das Unternehmen hätte besser noch ein halbes Jahr mit dem Angebot gewartet. Es wollte aber wohl unbedingt im deutschen Winter Flüge in die Karibik und nach Thailand anbieten. Die werden dann nämlich stärker nachgefragt als im Sommer, wenn es auch am Mittelmeer warm ist.

Gestrandete Passagiere belasten das Image aber massiv...

Wir reden über eine kleine Operation mit zwei bis drei Flugzeugen. Und die Lufthansa bemüht sich jetzt massiv, die stabil zu betreiben. Hier fällt nicht das abschließende Urteil über die Billig-Langstrecke der Lufthansa.

Auf welchem Feld fällt das Urteil?

Entscheidende Wettbewerbsvorteile wird der haben, der sich positiv im Markt differenzieren kann. Low Cost heißt nicht No Frills. Das Konzept der Billigflieger besteht darin, alle Zusatzleistungen "à la carte" separat zu verkaufen, um so mit dem Basistarif auf dem obersten Platz der billigsten Angebote dargestellt zu werden, andererseits aber über die Zusatzleistungen die für das Gesamtergebnis entscheidenden Zusatzumsätze zu machen.

...also kein Schnickschnack?

Nein, aber jeder Service hat seinen eigenen Preis. Hier tobt derzeit ein unseliger Wettbewerb. Es kommt gerade auf der Langstrecke bei den Kunden merkwürdig an, wenn eine Decke oder ein Glas Wasser extra kosten. Das sind die Kunden nicht gewohnt. Hier scheint Eurowings über das Ziel hinauszuschießen. Aber hier dürfte das letzte Wort noch nicht gesprochen sein. Im Sinne einer Positionierung gegenüber dem Wettbewerb empfiehlt es sich hier wohl, für alle Passagiere einen Basisservice ohne separate Bezahlung anzubieten und das offensiv zu kommunizieren.

Billiglangstrecken hat es schon einige gegeben. Viele sind gescheitert. Ist das überhaupt ein attraktiver Markt?

Der Markt für Langstreckenflüge für Urlauber ist attraktiv und wächst. Im dem Markt wird es Gedränge geben, da wollen alle hinein, weil die übrigen Märkte weniger rosige Perspektiven bieten. Geschäftsflüge in Europa und auf der Langstrecke werden wohl kaum zulegen angesichts der Möglichkeiten moderner Kommunikationsmedien wie Videokonferenzen. Und bei Urlauberflügen innerhalb Europas ist der Markt nicht nur durch die traditionellen Ferienflieger, sondern inzwischen auch durch Ryanair, Easyjet und die anderen Billigflieger bereits überlaufen.

Ryanair und Easyjet zahlen deutlich niedrigere Gehälter. Haben die klassischen Gesellschaften da überhaupt eine Chance?

Eher geht es um Dienstzeiten. Lufthansa-Piloten sind 600 Stunden im Cockpit bei teils über 2000 Dienststunden pro Jahr. Lufthansa hat nur Frankfurt und München als Dienstsitz. Die Crew muss oft zu ihren Einsatzorten geflogen werden und verbringt Dienstzeit im Zubringer und im Hotel, schon um morgens den ersten Zubringerflug nach Frankfurt oder München zu operieren. Bei Billigfliegern haben Crews und Flugzeuge da ihre Heimatbasis, wo es morgens losgeht.

So können die Piloten bei 1400 Dienststunden 900 Stunden im Cockpit aktiv sein. Zudem sind die Crews für die gesamten operativen Schnittstellen gegenüber dem Flughafen und den Handling-Agenten verantwortlich, so dass sich der Billigflieger die Gehälter für Stationsmitarbeiter spart. Um produktiver zu werden, braucht die Lufthansa also dezentrale Heimatbasen und entsprechende Verträge mit den Piloten. Die kann sie entweder selbst lokal anstellen oder aber sie kann den Betrieb an andere Flugbetriebe outsourcen.


Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?