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Banker-Boni: Brüssel setzt Bankern Grenzen

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Bankentürme in Canary Wharf in London: Hier sieht man die EU-Pläne mit Skepsis.Foto: dpa
Am Dienstag will sich die EU über die Deckelung der Extra-Vergütungen für Banker einigen. Dann dürfen die Boni das Grundgehalt nicht mehr übersteigen. Nur wenn Aktionäre oder Eigentümer zustimmen, sollen Extra-Vergütungen in doppelter Höhe möglich sein. Von
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Brüssel

Millionenschwere Bonuszahlungen für die Damen und Herren an der Spitze der Geldhäuser sollen bald der Vergangenheit angehören. Am heutigen Dienstag wollen die Unterhändler der 27 Mitgliedsstaaten in Brüssel ein Ende der horrenden Zusatzverdienste beschließen. Dann dürfen die Boni das Grundgehalt nicht mehr übersteigen. Nur wenn die Aktionäre auf der Hauptversammlung oder der Eigentümer zustimmen, sollen Extra-Vergütungen in doppelter Höhe möglich sein. Mehr gibt es aber auf keinen Fall.

Die Aussichten für eine Einigung stehen nicht schlecht. Lediglich Dauer-Querulant London muss noch überzeugt werden. Denn auf der Insel fürchtet man einmal mehr um seinen Finanzplatz. Trotzdem hat wohl auch dort ein Umdenken eingesetzt. Grundsätzlich könne man eine Deckelung durchaus mittragen, wird inzwischen von den Briten signalisiert, vorausgesetzt, die Zustimmung der Aktionäre werde ausgeweitet. Noch im Jahre 2011 konnten sich alle in London tätigen Banker auf umgerechnet 8,3 Milliarden Euro an Boni freuen. "Die Händler von Luxuskarossen rieben sich jedes Jahr die Hände, wenn der Überweisungstermin anstand", erzählt einer der Begünstigten.

Die neue Regelung gehört zu den schärferen Kapitalvorschriften des Basel-III-Paketes, das künftig Schieflagen von Banken und Sparkassen verhindern soll. Es wäre das erste Mal, dass die EU in die Vergütungsstruktur der Finanzbranche eingreift. Doch dort sieht man das inzwischen gelassen. Viele Häuser hätten die Extra-Zahlungen längst vom Grundgehalt abgekoppelt und würden Boni nur noch über viele Jahre gestreckt zahlen. Auf diese Weise stelle man sicher, dass ein erfolgreiches Geschäft nur dann honoriert werde, wenn es sich auch als Gewinn herausgestellt habe, sagen Banken-Experten. In nahezu 80 Prozent der Institute seien überhöhte oder von der Haftung losgelöste Extra-Leistungen nicht mehr üblich.

Die Gegner der Regelungen fürchten die Hintertüren dieser Reform. So könnten die Grundgehälter der Manager drastisch steigen, um entgangene Einkommensanteile zurückzugewinnen. Die helvetischen Institute spekulieren derweil darauf, als Nicht-EU-Mitglied von den scharfen Bestimmungen im EU-Raum profitieren zu können. In der Schweiz wird offen darüber diskutiert, ob der Gehalts-Deckel dazu führen könnte, dass UBS und andere ihre Spitzenleute aus London abziehen, weil die Schweiz wieder attraktiver wird. Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger sieht solche Gefahren und rief die Finanzindustrie auf, "weltweit dafür zu sorgen, dass beim Wettkampf um die besten Köpfe keine absurden Bonusvereinbarungen angeboten werden".

Der Deckel auf die Einkommen der Finanzbranche, der 2014 in Kraft treten soll, war heftig umstritten. Einige EU-Länder wollten in einem ersten Anlauf das Fünffache des Grundgehaltes als Obergrenze akzeptieren. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat die Forderung nach einer Begrenzung früh unterstützt: "Wir müssen den Managern Anreize setzen, im langfristigen Interesse der Bank zu handeln", sagte er vor einem Jahr.

Der jetzige Vorschlag stammt ursprünglich aus dem Europäischen Parlament. Die Abgeordneten waren es auch, die für Bewegung sorgten: Sie drohten damit, das komplette Basel-III-Paket scheitern zu lassen, wenn es keine Einigung über die Zusatzleistungen für Bank-Manager gebe.

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