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Ende der Verschwörungstheorien: Deutschland holt seinen Goldschatz heim

Goldbarren der Deutschen Bundesbank

Goldbarren der Deutschen Bundesbank

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„Wo ist das Gold der Deutschen?“ Mit seiner provokanten Frage in der „Süddeutschen Zeitung“ traf CSU-Urgestein Peter Gauweiler im Mai 2012 einen Nerv. Ist der Milliardenschatz im Ausland sicher? Ist er überhaupt vorhanden? Noch nie - so monierte der Bundesrechnungshof im Herbst 2012 - habe die Bundesbank die deutschen Goldreserven jenseits der Landesgrenzen „körperlich aufgenommen und auf Echtheit und Gewicht“ geprüft.

Seit drei Jahren bemüht sich die Deutsche Bundesbank um Transparenz: Im Januar 2013 präsentierte die Notenbank in Frankfurt vor laufenden Kameras Gold zum Anfassen - und demonstrierte mit Versuchen gleich, dass die Barren wirklich echt sind. Beim ersten Bürgerfest in der Bundesbankzentrale im Sommer 2014 durften dann Besucher Hand an das Edelmetall legen: Ein 12,5 Kilogramm schwerer Goldbarren konnte in einer Sicherheitsvitrine hochgehoben werden. Im vergangenen Oktober schließlich listete die Notenbank erstmals auf mehr als 2300 Seiten öffentlich einsehbar jeden einzelnen Barren auf.

Bundesbank holt das Gold heim

Der wohl wichtigste Schritt, den Mythos um den deutschen Goldschatz zu entzaubern: Die Bundesbank holt das Gold heim - so wie es eine gleichnamige Bürgerinitiative seit Jahren fordert. Fast 700 Tonnen des Edelmetalls wollen Deutschlands Währungshüter bis 2020 aus New York und Paris in Tresore der Bundesbank in Frankfurt holen. Dann soll mehr als die Hälfte des deutschen Goldbestandes von derzeit 3381 Tonnen in heimischen Tresoren lagern.

Im vergangenen Jahr verlagerte die Bundesbank nach eigenen Angaben auf streng geheimen Wegen weitere 210 Tonnen Gold in eigene Tresore. Frankfurt ist nun mit rund 1403 Tonnen die größte Lagerstätte - vor der Fed in New York, der Bank of England in London und der Banque de France in Paris. 112 112 Barren lagern inzwischen in Frankfurt.

Das deutsche Gold, das der Bundesrepublik gehört und von der Bundesbank verwaltet wird, wurde aus historischen Gründen zum Großteil im Ausland aufbewahrt: Ab Mitte 1951 baute die Bank deutscher Länder als Vorgängerin der Bundesbank erste Goldreserven auf, in den 1950er und 1960er Jahren wuchs der deutsche Goldschatz rasant. Denn die Wirtschaftswunderjahre brachten der Bundesrepublik dank des Exports viele Dollar ein, die bei der US-Zentralbank gegen Goldforderungen eingetauscht werden konnten.

Lagerung „westlich des Rheins“ war gewünscht

Während des Kalten Krieges war es durchaus gewollt, deutsches Gold „westlich des Rheins“ und möglichst weit außerhalb der Landesgrenzen zu verwahren. Der Ost-West-Konflikt ist lange Geschichte. Seit 1999 rechnet Europa zudem in einer gemeinsamen Währung, dem Euro. Seither ist zumindest für den Standort Paris auch das Argument hinfällig, man könne das dort gelagerte Gold im Krisenfall in Devisen umtauschen.

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Dennoch bleibe das Edelmetall als Vorsorge für Krisen wichtig, betont Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele: „Gold ist für uns ein Teil unserer Reserven. Reserven hält man für die Not vor. Wir sehen zwar momentan keine Notsituation, können die aber auch für die ferne Zukunft in keiner Form ausschließen“, sagte Thiele der Deutschen Presse-Agentur. „Und wenn Deutschland dann darauf angewiesen ist, von anderen Ländern etwas zu erwerben, bezahlen zu müssen, dann können unsere Goldbestände im Ausland notfalls verpfändet oder veräußert werden.“

Goldverlagerung mit Risiken behaftet

Kosten und Risiken des Transports halten die Bundesbank nicht von der Goldverlagerung ab. Was genau die Aktion kostet, verrät Thiele zwar nicht. „Wir halten die Kosten für vertretbar.“ Anfang 2014 hatte die Notenbank jedoch mitgeteilt, dass bis dato 600 000 Euro fällig wurden. Rechnet man dies anhand der aktuellen Zahlen hoch, dürften Transport und Versicherung für 2015 mit einem niedrigen einstelligen Millionenbetrag zu Buche geschlagen haben.

Eine überschaubare Summe für einen oft begehrten Milliardenschatz - könnte man argumentieren. Denn die Begehrlichkeiten der Politik das Gold zu „versilbern“, sind so legendär wie der Goldschatz selbst. Was hätte man damit nicht alles bezahlen können: Renten, Hilfen für die Opfer der Elbeflut 2002, einen Systemwechsel im Gesundheitswesen. Für Schlagzeilen sorgte 1997 der damalige Bundesfinanzminister Theo Waigel (CSU) mit seiner „Operation Goldfinger“: Deutschlands oberster Kassenwart wollte die Bundesbank dazu bringen, ihre Gold- und Devisenreserven höher zu bewerten und daraus resultierende Gewinne an den Bund auszuschütten - erfolglos.

„Wir sind kein Goldhändler, wir bauen keine Bestände an Gold auf“, erklärt Thiele. „Wir geben pro Jahr dem Finanzminister etwa drei Tonnen zum Prägen von Goldmünzen. Um diese drei Tonnen reduziert sich jährlich unser Goldbestand, aber ansonsten sind wir weder als Käufer noch als Verkäufer am Markt und haben auch nicht vor, unsere Goldreserven in andere Devisen umzutauschen.“

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