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Kölnische Rundschau | Industrie rechnet mit Milliardenkosten: Sorge wegen Kosten der Grenzkontrollen
22. January 2016
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Industrie rechnet mit Milliardenkosten: Sorge wegen Kosten der Grenzkontrollen

Lkw stauen sich auf der A 93 Richtung Innsbruck. Die Branche rechnet damit, dass Staus und Wartezeiten zusätzliche Kosten verursachen, falls in Europa Grenzkontrollen eingeführt werden.

Lkw stauen sich auf der A 93 Richtung Innsbruck. Die Branche rechnet damit, dass Staus und Wartezeiten zusätzliche Kosten verursachen, falls in Europa Grenzkontrollen eingeführt werden.

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dpa

Berlin -

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Martin Wansleben, sagte am Donnerstag, wenn nach Österreich auch Deutschland eine Obergrenze für Flüchtlinge einführe, dann würden in der EU neue Spielregeln gelten. "Am Ende macht sich Europa klein in jeder Form - wirtschaftlich und politisch."

Mit Blick auf die immer kritischeren Töne in der Unionsfraktion mahnte Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer die richtige "Rollenverteilung" zwischen Fraktion und Regierung an: Es müsse um die Devise gehen, "die Regierung tragend und nicht die Regierung zersetzend". Und weiter: "Dafür hat die Wirtschaft kein Verständnis."

Kramer warnte Abgeordnete davor, sich der Versuchung des Populismus hinzugeben: "Es ist abenteuerlich, wenn erheblicher Kollateralschaden akzeptiert wird, um den einen oder anderen Stammtisch zufriedenzustellen." Er halte nichts von einer "Hauruck"-Politik, stattdessen bedürfe es "Zeit, Diplomatie und der Unterstützung der anderen Länder". Kramer nannte den EU-Binnenmarkt "das Erfolgskonzept von exportorientierten Nationen wie Deutschland". Ausdrücklich an die "Adresse der Mittelstandsvereinigung" sagte er: "Das Schließen von Grenzen ist das Gegenteil von dem, was unsere Nation groß gemacht hat." Es gehe darum, Europa als "Binnenmarkt, einheitlichen Verkehrsraum und als Raum eines gemeinsamen menschlichen Miteinanders zu organisieren und zu verteidigen". Ganz ähnlich argumentiert Anton Börner vom Groß- und Außenhandelsverband BGA. "Ein Rückfall in Nationalismus in Europa wäre für das deutsche Geschäftsmodell katastrophal."

Grenzen schließen ist ein Fehler

Wer Grenzen schließen wolle, begehe einen großen Fehler: "Die wirtschaftliche Zukunft Europas würde massiv gefährdet." Jedes Jahr überschritten Waren im Wert von 1200 Milliarden Euro Grenzen im Schengen-Raum: "Der freie Waren- und Güterverkehr gehört zum Geschäfts- und Erfolgsmodell Europas." Wer Hand an den freien Warenverkehr lege, "zündelt am Euro".

Börner sagte: "Die Kanzlerin hat völlig Recht. Es gibt keine Alternative zum eingeschlagenen Kurs. Ansonsten drohen Nationalismus, Protektionismus, niedrigere Renten, höhere Arbeitslosigkeit und unter dem Strich massive Wohlstandsverluste."

Unterstützung für den Merkel-Kurs kommt auch von den Maschinenbauern im Südwesten. Dietrich Birk vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau Baden-Württemberg sagte im Gespräch mit unserer Zeitung: "Die Flüchtlingsthematik kann sinnvoll nur im europäischen Raum und in enger Abstimmung zwischen den EU-Mitgliedsstaaten gelöst werden."