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Neuer Vorstandschef: Baumann rückt an die Bayer-Spitze

Bayer-Chef Baumann

Der Vorstandsvorsitzende der Bayer AG, Marijn Dekkers (l), und der bisherige Finanzvorstand Werner Baumann (r)

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dpa

Leverkusen -

Eine wirkliche Überraschung ist der Chefwechsel bei Bayer nicht. Schon als Konzernchef Marijn Dekkers seinen Vertrag Mitte 2014 nur um zwei Jahre bis Ende 2016 verlängert hatte, schlüpfte Werner Baumann in die Rolle des Kronprinzen. Zum 1. Oktober 2014 war der damalige Finanzvorstand nämlich zum Strategievorstand des Konzerns ernannt worden. Jetzt machte ihn der Aufsichtsrat zum 1. Mai zum Vorsitzenden des Vorstands.

Bayer strebt nach Kontinuität und setzt, nachdem Dekkres von außen auf den Bayer-Chefsessel kam, wieder auf ein Eigengewächs. Am 6. Oktober 1962 in Krefeld geboren, fing Baumann nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften in Aachen und Köln 1988 bei Bayer im Bereich Konzernfinanzen an. 1991 ging er als Controller zu Bayer Spanien und wurde 1995 Assistent der Geschäftsleitung. Nach einer Station in den USA kehrte er 2002 nach Deutschland zurück zur Gesundheitssparte HealthCare. 2003 wurde Vorstand des Teilkonzerns, wo er auch die Funktion des Arbeitsdirektors innehatte. Außerdem begleitete er als Vorstand und Arbeitsdirektor von Bayer Schering Pharma 2006 bis 2009 die Integration des Unternehmens in den Bayer-Teilkonzern. Anfang 2010 wurde er Mitglied des Konzernvorstands.

Eine Einarbeitungszeit braucht der Vater von vier Kindern kaum. Als Verantwortlicher für die Strategie des Unternehmens und das Portfoliomanagement hat er die entscheidenden Weichen zur Neuausrichtung des Konzerns und zur Konzentration auf das Life-Science-Geschäft zusammen mit Dekkers gestellt, der dem Aufsichtsrat vorgeschlagen hatte, seinen bis Jahresende laufenden Vertrag zum 30. April, nach der Hauptversammlung des Konzerns, aufzulösen.

Bayer sei mit seiner neuen Aufstellung in einer Position der Stärke, so Dekkers. „Schon jetzt sind auf alen Ebenen die Weichen für eine erfolgreiche Weiterentwicklung gestellt.“ Aufsichtsratschef Werner Wenning sagte, „nun sei der richtige Zeitpunkt, die Verantwortung für die Unternehmensführung weiterzugeben.“ Unter Dekkers Leitung habe sich der Konzern operativ als auch strategisch hervorragend entwickelt. „Wir sind Dr. Dekkers zu großem Dank verpflichtet“, so Wenig.

In der Tat war die Wahl Dekkers bestimmt kein Fehler. Mit ruhiger Hand brachte er als Vorstandschef seit Oktober 2010 Bayer voran. Mehr Innovation, weniger Administration“, war seine Devise.

Zuletzt nahm der Konzernumbau aber deutlich an Fahrt auf. Das Geschäft mit rezeptfreien Arzneimittel wurde durch die Zukäufe von Steigerwald, dem chinesischen Unternehmen Dihon und vor allem durch die 14-Milliarden-Übernahme des entsprechenden Geschäfts des US-Unternehmens Merck gestärkt.

Dann spaltete Bayer die Kunststoffsparte MaterialScience ab und brachte im Oktober 2015 dann 31 Prozent des neuen Unternehmens namens Covestro an die Börse. Gleichzeit bekam der neue Life-Science-Konzern eine neue Struktur mit den Divisionen Pharma, rezeptfreie Mittel und Crop Science, worin das Geschäft mit Pflanzenschutz und Saatgut gebündelt ist, sowie die kleinere Einheit Tiermedikamente. Unter Dekkers Führung war Bayer zeitweise der wertvollste Dax-Konzern.