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Nur Flickwerk: Flughafen Köln/Bonn verschiebt Landebahn-Sanierung

Der Flughafen Köln/Bonn. (Archivfoto)

Der Flughafen Köln/Bonn. (Archivfoto)

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dpa

Köln -

Der Flughafen Köln/Bonn sorgt sich verstärkt um seine Sicherheit: Die Kontrollfahrzeuge fahren die Hauptlandebahn mittlerweile doppelt so häufig ab wie früher. Alle drei Stunden inspizieren sie derzeit die Oberfläche, damit Flugzeuge sicher starten und landen können - also insgesamt acht Mal am Tag. Vier Rundfahrten innerhalb von 24 Stunden waren früher die Regel. Wie auf Autobahnen nutzt sich die Asphaltdecke auf Landebahnen mit der Zeit ab. Witterungsbedingte Schäden können entstehen.

Aus diesem Grund soll die Hauptlandebahn auch kernsaniert werden. Das ist bereits länger bekannt. Wie der Flughafen jedoch jetzt auf Anfrage dieser Zeitung angekündigt hat, werden die Bauarbeiten um ein Jahr auf 2018 verschoben.

Statt dessen soll es allerdings in diesem Jahr eine Zwischensanierung der Hauptlandebahn geben. "Zu den zusätzlichen Kosten, die dadurch entstehen, können wir im Moment noch keine verlässlichen Aussagen treffen", erklärte Flughafensprecher Walter Römer. Der Kostenrahmen für die Hauptlandebahn lag ursprünglich bei rund 24 Millionen Euro.

Brisant sind Vorwürfe, die mehrere Personen aus dem Umfeld des Flughafens verlauten lassen: Nicht nur, dass die Sanierung längst überfällig sei, die Bahn sei mittlerweile marode. Der Flughafenbetreiber habe mit den Arbeiten nur deshalb so lange gewartet, um die Bilanzen der letzten Jahre besser aussehen zu lassen. Die Flughafen-Experten sagen, alle zehn bis 15 Jahre müsse eine Landebahn saniert werden. Die letzte Kernsanierung in Köln/Bonn fand 1995 statt.

Flughafensprecher Römer weist die Vorwürfe des Investitionsstaus als "definitiv falsch" zurück. Außerdem: "Es ist eher so, dass eine Bahn alle 20 Jahre komplett saniert werden muss." Die kurzfristig geplante Zwischensanierung, die noch im Frühjahr beginnen soll, zeigt jedoch, dass der Betreiber anscheinend nicht bis 2018 warten kann.

In Frankfurt wird alle sieben Jahre ausgetauscht

Wann eine Sanierung nötig sei, hänge von vielen unterschiedlichen Faktoren ab, so Römer. Ausschlaggebend seien aber stets gutachterliche Bewertungen. Wie andere Experten bestätigen, ist Asphalt tatsächlich für etwa 20 Jahre konzipiert.

Eine Deckenschichterneuerung müsse bei starker Nutzung allerdings bereits vorher erfolgen, etwa nach zehn Jahren. Eine komplette Deckenschichterneuerung habe es in Köln/Bonn seit 1995 nicht gegeben, so Römer. Regelmäßig habe es allerdings immer wieder Ausbesserungsarbeiten gegeben. Am Flughafen Frankfurt werden die Decken der Landebahnen alle sieben Jahre komplett ausgetauscht. Dort ist allerdings auch das Flugaufkommen höher als in Köln/Bonn.

Die Flugaufsicht des NRW-Verkehrsministerium äußerte sich zunächst zurückhaltend zum Zustand der hiesigen Landebahnen: "Von Seiten der Flughafenaufsicht können wir dem Airport nicht vorschreiben, wie er seine Landebahn zu sanieren hat. Als Aufsichtsbehörde haben wir dafür Sorge zu tragen, dass der Flugbetrieb weiterhin sicher erfolgen kann. Dies ist in Köln der Fall", erklärte der Referatsleiter der Flugaufsicht, Stephan Röhrig. "Es gibt keine Vorschriften, wie oft oder in welchen Abständen eine Landebahn saniert werden muss. Entweder ist die Start- und Landebahn nicht zu beanstanden, andernfalls muss der Flughafen die Sicherheit wiederherstellen." Aber dann sagt er auch: "Wir haben gegenüber dem Flughafen Köln-Bonn eine erhöhte Kontroll- und Berichtspflicht verfügt."

Die Diskussion um die Sanierungsbedürftigkeit entstand in Folge eines Artikels im Express. Dieser berichtete vor wenigen Tagen über angebliche Baumängel bei Erneuerungsarbeiten an der Querwindbahn. Römer erklärte gestern, ein Gutachten sei begleitend zur Baumaßnahme beauftragt. Ein Ergebnis liegt noch nicht vor. Deshalb seien es bisher nur Vermutungen, dass die Arbeiten nicht die vereinbarte Qualität hätten. Auf jeden Fall müsse die Querwindbahn zuerst fertig werden, bevor die Hauptarbeiten beginnen.

Wie genau die Zwischensanierung der Hauptlandebahn aussehen soll, steht auch noch nicht fest: "Entweder wird der Oberbelag entfernt und ersetzt oder eine Schutzschicht aufgezogen", erklärte Römer. Für die Sanierung der drei Bahnen waren ursprünglich rund 100 Millionen Euro geplant.