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Sicherer Hafen?: Experten sehen gute Jahr für Gold

Goldbarren in unterschiedlicher Größe

Goldbarren in unterschiedlicher Größe

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dpa

Frankfurt -

Das Börsenjahr hat turbulent begonnen, und Profiteur der allgemeinen Unsicherheit war die alte Krisenwährung - Gold. Zu Beginn dieser Woche kostete eine Feinunze des Edelmetalls mehr als 1100 Dollar - wie schon am Donnerstag der Vorwoche. Gestern fiel der Preis jedoch wieder leicht auf gut 1089 Dollar.

Gold macht seinem Ruf als "sicherer Hafen alle Ehre", heißt es beim Edelmetallhändler und Technologiekonzern Heraeus über die ersten Tage des neuen Jahres. Das war in den vergangenen Monaten trotz vieler Krisen kaum der Fall. Auch in das vergangene Jahr war Gold zwar kräftig gestartet, im Januar 2015 lag der Preis sogar noch bei mehr als 1300 Dollar je Feinunze. Aber von da an ging es stetig bergab - wenn auch mit kleinen Schwankungen - bis zum Jahresende schließlich um zehn Prozent.

Das hat dem Handel mit physischem Gold gutgetan. So deckten sich viele Anleger gerade in Deutschland mit Barren und Münzen zu den günstigen Preisen ein. Sie dürften sich jetzt freuen. Denn auch institutionelle Investoren scheinen jetzt auch mittelfristig auf steigende Goldpreise zu setzen. "Das kann man an den Zuflüssen bei Gold-Indexfonds ablesen", sagt Daniel Briesemann, Analyst der Commerzbank. Gleichzeitig hätten einige Investoren sich auch aus den Netto-Short-Positionen zurückgezogen, mit denen sie auf fallende Preise gewettet hatten. Briesemann rechnet im Jahresverlauf mit weiter anziehenden Preisen, am Jahresende werde eine Feinunze 1200 Dollar kosten, glaubt er. Nicht alle sind so optimistisch für Gold. So rechnet Dora Borbély, Rohstoffexpertin der Dekabank, eher wieder mit sinkenden Preisen. Kurzfristig werde das Edelmetall zwar wieder als Krisenwährung gesehen, aber sie kann keine wirkliche Änderung der Verhältnisse erkennen - und eine globale Krise ebenfalls nicht. Die Reaktion der Anleger zu Jahresbeginn auf die Wachstumsschwäche in China hält sie für übertrieben.

Schwellenländer könnten nachholen

Am Jahresende dürfte Gold je Feinunze etwa 100 Dollar weniger kosten, glaubt sie. Diese Annahme stützt sie vor allem auf die Zinswende in den USA: Die amerikanische Notenbank Fed werde die Zinsen zwar gemächlich, aber doch weiter anheben. Steigende Zinsen verteuern das Halten von Gold. Doch noch ist nicht klar, wie weit die Fed da gehen wird. Zumindest dürften weitere Zinsanhebungen nicht mehr für große Überraschungen an den Finanzmärkten sorgen.

Positiv für Gold aber sind die Optimisten auch deshalb gestimmt, weil sie damit rechnen, dass die asiatischen Schwellenländer, deren Notenbanken Gold noch nicht so stark als Währungsreserve nutzen, dies nun nachholen könnten. Zudem, so glaubt etwa Commerzbank-Analyst Briesemann, dürften sich die Anleger in China weg von der Aktie und vielleicht auch hin zu Gold orientieren, das könnte den Preis ebenso stützen wie die erwartete steigende Nachfrage aus Indien. Dort hatten die goldliebenden Inder in den letzten Jahren weniger vom gelben Edelmetall gekauft, weil vor allem die ländliche Bevölkerung unter den Folgen schlechter Ernten gelitten hatte. Das dürfte sich im laufenden Jahr ändern.

Die Sparkassen wissen um den Reiz, den Gold immer noch auf viele Anleger ausübt. In einem Prospekt werben sie: "Wer bei seinen Geldanlagen auf Nummer sicher gehen möchte, ist damals wie heute gut beraten, auch in Gold zu investieren."