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PolizeistatistikDeutlich mehr Gewalt an Schulen in NRW

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Häusliche Gewalt

Symbolbild

Düsseldorf – Die Zahl der Straftaten an den nordrhein-westfälischen Schulen ist im vergangenen Jahr um fast fünf Prozent gestiegen. Das waren gut 1000 Taten mehr als im Vorjahr, wie eine Auswertung des Landeskriminalamts in Düsseldorf auf dpa-Anfrage ergab. 

22.900 Straftaten wurden demzufolge im vergangenen Jahr an den Schulen des Landes begangen - nach 21 800 im Vorjahr. Der Zunahme von 4,9 Prozent steht eine verbesserte Aufklärungsquote gegenüber: Nach 38,2 Prozent im Vorjahr stieg diese auf 40,2 Prozent. 

Auffällig ist, dass besonders die Gewaltdelikte an den Schulen zunahmen, während die Fälle von Diebstahl sogar zurückgingen. So nahm die Zahl der Körperverletzungen von 2841 auf 3146 zu. Die Zahl der Vergewaltigungen und sexuellen Nötigungen stieg im Vergleichszeitraum von 40 auf 55 Fälle. Die Zahl der Raubtaten stieg von 91 auf 105. 

Auch die registrierten Fälle von Nötigung und Beleidigung stiegen. Bei den Hausfriedensbrüchen verzeichnet die Statistik binnen eines Jahres einen Anstieg von 340 auf 440 Taten. Die Zahl der versuchten und vollendeten Brandstiftungen schnellte von 48 auf 75 empor. Verstöße gegen das Waffengesetz wurden im vergangenen Jahr an den Schulen 159 Mal registriert - im Vorjahr waren es 122 Fälle. 

Einsatz von zusätzlichen Schulpsychologen gefordert

Zwei Tötungsverbrechen wurden im vergangenem Jahr an NRW-Schulen begangen, nach einem Fall im Vorjahr. Auch in diesem Jahr wird die Statistik mindestens einen Fall ausweisen: Ende Januar war in einer Gesamtschule in Lünen ein 14-Jähriger Schüler erstochen worden - von einem 15-Jährigen, der sich durch bloße Blicke provoziert fühlte.

Die großen NRW-Lehrergewerkschaften GEW und VBE zeigten sich besorgt über die steigende Zahl von Straftaten an den Schulen. „Gewalt an Schulen, auch gegenüber Lehrkräften, war lange ein Tabu-Thema“, sagte VBE-Landeschef Stefan Behlau der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (Montag). Die Zunahme der Straftaten mache deutlich, wie wichtig Vorbeugung sei. „Wir brauchen flächendeckend Schulpsychologen, Sozialarbeiter und weiteres pädagogisches Unterstützungspersonal.“

Auch die Landesvorsitzende der GEW, Dorothea Schäfer, forderte in der „WAZ“ den Einsatz von zusätzlichen Schulpsychologen. Die Lehrer benötigten für Gewaltprävention mehr Unterstützung. Insgesamt würden die Sitten an den Schulen rauer, Respektlosigkeiten nähmen zu. „Die Hemmschwelle sinkt“, sagte Schäfer. (dpa)

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