Abo

Edelweißpiraten in EhrenfeldViele junge Teilnehmer beim Schweigemarsch

2 min
Jugendliche Teilnehmer eines Marsches tragen ein Transparent mit der Aufschrift „Ehrenfelder Bündnis gegen Rechtextremismus“.

Mehrere hundert Menschen nahmen am Marsch zum Gedenken an die Pogromnacht von 1938 und die Hinrichtungen von 1944 teil. 

Mit einem Schweigemarsch gedachten 500 Menschen der Pogromnacht im Jahr 1938, sowie den Hinrichtungen von Edelweißpiraten im November 1944 in Ehrenfeld. 

Wachsam und solidarisch sein, damit nicht wieder Menschen aufgrund ihrer Religion, Hautfarbe oder politischen Ansicht oder Lebensweise verfolgt, bedroht oder gar getötet werden. So lautete der Aufruf an die rund 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Gedenkmarsches in Ehrenfeld. Seit mehr als 40 Jahren wird im November an zwei Ereignisse aus der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft erinnert: An die Pogromnacht von 1938, in der die Synagoge in der Körnerstraße in Flammen aufging, sowie an die Hinrichtungen im Oktober und im November 1944, bei denen zuerst elf Zwangsarbeiter und später 13 Deutsche, darunter auch jugendliche Edelweißpiraten wie der erst 15-jährige Bartholomäus Schink am Ehrenfelder Bahnhof ermordet wurden.

 „Hunderte Menschen haben dabei zugesehen“, sagte Liedermacher Rolly Brings, der zusammen mit Sohn Stephan und weiteren Künstlern das musikalische Rahmenprogramm gestaltete. Josef Wirges, ehemaliger Bezirksbürgermeister von Ehrenfeld, freute sich besonders über die Teilnahme von rund 50 Jugendlichen, die die nach der früheren Edelweißpiratin Gertrud Koch benannte Gesamtschule Troisdorf besuchen. Die Schüler berichteten auch von ihrem kürzlichen Besuch der Gedenkstätte des KZ Auschwitz.

Hamas-Überfall mit Pogrom von 1938 verglichen

Bevor sich der von Hunderten Kerzen erleuchtete Schweigemarsch in Bewegung setzte, gab es vor dem Bunker Körnerstraße eine kleine Kundgebung. Der Bunker wurde einst an der Stelle errichtet wo bis zum 9. November 1938 die Ehrenfelder Synagoge gestanden hatte. Miguel Freund, Stellvertretender Vorsitzender der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, zog Parallelen zwischen der Pogromnacht vor 87 Jahren und den Ereignissen des 7. Oktober 2023. „Hamas-Terroristen haben an diesem Tag Israel überfallen, ein Massaker mit 1.200 Toten und mehr als 5.000 Verletzten angerichtet sowie 250 Geiseln entführt. In Deutschland haben danach Menschen auf der Straße getanzt“, erinnerte Miguel Freund.

Ausführlich und lange legte er dar, dass die Hamas noch immer das Ziel der Vernichtung aller Juden verfolge. Er kritisierte Solidaritäts-Kundgebungen mit der Hamas. Einzelne Zwischenrufer wiesen auf die 60.000 Opfer in zwei Jahren Gaza-Krieg hin und bezeichneten den israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu als „Völkermörder“. Andere sahen keinen Zusammenhang mit dem Gedenken an die Pogromnacht. Die meisten Menschen hörten schweigend und sichtlich betroffen zu.