Abo

Ehrung in EhrenfeldEin Kranz aus Wildblumen für Edelweißpiratin „Mucki“ Koch

2 min
Fünf Männer und eine Frau stehen am Denkmal für die Edelweißpiraten in Köln-Ehrenfeld.

Kein Trauerkranz, sondern einer aus Wildblumen: Josef Wirges, Efstathios Tseliopoulos, Sarah Knape, Jürgen Roters, Herbert Schmidt und Christian Pück (v.l.) erinnerten an Gertrud Koch.

Mucki Koch war die letzte Edelweißpiratin Kölns. Anlässlich ihres zehnten Todestags kamen auch Schüler aus Troisdorf, deren Schule Kochs Namen trägt, nach Ehrenfeld. 

Die Schüler und Schülerinnen hatten im April die Gedenkstätte Buchenwald besucht und waren sichtlich bewegt vom Schicksal der Menschen, die in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten ermordet wurden. „Wir wollen ihre Geschichten weitertragen, damit sie nicht in Vergessenheit geraten“, sagte ein Mädchen. „Mit Besorgnis“ verfolgen die jungen Leute die starken rechtsextremistischen Tendenzen in der Gesellschaft und gelobten den Einsatz gegen Rassismus und für Menschlichkeit. „Wer denkt, seine Stimme zählt nicht, liegt falsch“, mahnte eine ältere Schülerin, „jeder von uns kann etwas bewirken, einen Unterschied machen.“

Mucki Koch starb mit 92 Jahren, sie sang bis zuletzt

Ihre Gedanken, teils in Gedichtform gefasst, trugen sie kürzlich am Mahnmal für die Edelweißpiraten in der Bartholomäus-Schink-Straße vor. Das Datum hatten sie mit Bedacht gewählt. Denn vor ziemlich genau zehn Jahren war im Alter von 92 Jahren die letzte Kölner Edelweißpiratin verstorben, nach der ihre Schule benannt ist: die Gertrud-Koch-Gesamtschule in Troisdorf. „Wir besuchen auch in jedem Jahr am 10. November mit einer Abordnung die Gedenkfeier für die 13 Menschen, die hier 1944 von der Gestapo hingerichtet wurden“, erzählte ihre Lehrerin Sarah Knape, die die Umbenennung der Troisdorfer Schule im Jahre 2019 mit angeregt hatte.

Magic Flönz und Christian Pück sangen Lieder der Edelweißpiraten

Auch einen Kranz für Gertrud „Mucki“ Koch hatten die Schüler mitgebracht: „Das ist aber kein typischer Trauerkranz, er besteht aus saisonalen, regionalen Wildblumen, das hätte Mucki bestimmt gefallen“, sagte Knape. Ganz sicher hätten ihr die Lieder gefallen, die „Magic Flönz“ Herbert Schmidt an der Quetsch und Gitarrist Christian Pück vortrugen, darunter Lieder der Edelweißpiraten: „Wenn du nicht weiterweißt – singen hilft“, lautete ihr Motto. „Mucki hat noch auf dem Totenbett gesungen“, bestätigte Efstathios Tseliopoulos, der Gertrud Koch 17 Jahre lang betreut hatte und sich heute um ihr Andenken kümmert.

Mit ihrer Weigerung, sich an die Nazi-Diktatur anzupassen, sei Mucki Koch, die bei Kriegsbeginn gerade 15 Jahre alt war, ein gutes Vorbild für junge Menschen, betonte auch Josef Wirges, ehemaliger Ehrenfelder Bezirksbürgermeister (SPD) und Sprecher des Kuratoriums Edelweißpiraten: „Wir erleben keine Renaissance des Nationalsozialismus, aber es wird sich vieles ändern, wenn die AfD an die Macht kommt. Wir müssen uns wehren, das sind wir Mucki schuldig.“ Auch der frühere Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD), der Gertrud Koch und vier weitere Edelweißpiraten 2011 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet hatte, warnte eindringlich vor Rassismus und Diskriminierung, konkret vor der AfD, und lobte das Engagement der Troisdorfer Schüler: „Ihr seid die Enkel von Mucki, sie wäre sehr stolz auf euch.“