Im Interview spricht der Künstler über sein neues Doppel-Livealbum, die Herausforderungen des Tourens und seine besonderen Erinnerungen an Köln – von nervösen WDR-Auftritten bis zur Lanxess-Arena.
Jesper Munk mit Konzert in Köln„Ich habe nie eine klassische Musikausbildung absolviert“

„Wunderkind des Blues“: Jesper Munk wurde mit seinem Album „Claim“ 2015 deutschlandweit bekannt.
Copyright: Rainer Germann
Sänger Jesper Munk wird als „Wunderkind des Blues“ gefeiert. Er tritt am Mittwoch (15.10.2025) im Kölner Stadtgarten auf. Stephan Eppinger sprach vorab mit dem Musiker.
Wie ist die Idee zu einem Doppelalbum mit Livemitschnitten entstanden?
Das Livealbum war eine Idee, die ich schon länger umsetzen wollte, auch weil meine Musik schon immer sehr auf die Liveauftritte ausgerichtet war. Dazu kam der Mitschnitt vom gemeinsamen Konzert mit dem Deutschen Filmorchester Babelsberg. Als ich den noch einmal gehört hatte, wusste ich, wie einzigartig dieses Konzert war. So habe ich gemeinsam mit meinem Manager Gerry Huber daran gearbeitet, dieses Projekt umzusetzen. Da wir auch den Status Quo von mir und meiner Band The Cassette Heads auf dem Album haben wollten, haben wir noch zwei Mitschnitte von Clubauftritten in München und Hannover dazu gepackt und so ist daraus ein Doppelalbum geworden.
Was war an dem gemeinsamen Auftritt mit dem Filmorchester so besonders?
Für mich war das alleine schon einzigartig, weil ich aus einem ganz anderen musikalischen Kontext komme. Ich habe nie eine klassische Musikausbildung absolviert und kann so auch keine Noten lesen. Bei mir war das Spielen in der Band immer eher „Learning by Doing“. Die Klassik war so für mich eine fremde, majestätische und auch etwas elitäre Welt. Dann kam die Anfrage des Orchesters, die bei einem Projekt Pop und Klassik zusammenführen wollten. Zunächst war ich etwas besorgt, weil meine Songs eher einfach aufgebaut sind, was auch deren Reiz für mich aus macht. Wenn man diese zu perfekt arrangiert und spielt, fehlt etwas und sie werden dann langweilig. Wie lief das Ganze dann praktisch ab? Da kommt man bei den Proben in einem großen Raum mit 50 studierten Musikern zusammen, die mit einer großen Finesse ihre Arbeit machen. Es gab nur zwei Proben und dann folgte direkt das Konzert im Nicolaisaal in Potsdam. Wir als Band brauchen dagegen eine lange Probenzeit, um die Songs bei einer Tour live zu spielen. Insofern waren wir vor Ort etwas nervös und angespannt. Aber es hat gut funktioniert und so wurden aus meinen Schlafzimmerideen plötzlich ein großartiger Kinosoundtrack. Ich hatte beim Konzert eine regelrechte „Wall of Sound“ hinter mir, die mich nach oben gehoben hat, und das auch noch in einem großen klassischen Konzertsaal.
Welche Bedeutung hat das live auf der Bühne stehen für Sie als Musiker?
Das ist für mich ein zweischneidiges Schwert. Früher ging es bei mir nur, um das live auf Tour zu sein und dabei möglichst viel Spaß zu haben. Aber das kann auch durchaus anstrengend werden, wenn man nonstop von Auftrittsort zu Auftrittsort fährt. Gleichzeitig hat das Touren für viele Musiker in Zeiten von Streamingplattformen als zentrale Einnahmequelle immens an Bedeutung gewonnen, was den Druck hier deutlich erhöht hat. Aber das Konzert ist und bleibt für mich trotzdem die kraftvollste und direkteste Art und Weise, um Musik mit anderen Menschen zu teilen. Daher freue ich mich jetzt auch auf die Konzerte bei meiner aktuellen Tour.
Unterwegs sind Sie dann auch mit Ihrer neuen Band?
Kennengelernt haben wir uns 2022 bei einer „Cassette Heads Session“, bei der Solomusiker für zwei Songs mit der Band zusammengearbeitet haben. Das war für mich ein großartiges Erlebnis und ich habe direkt danach gefragt, ob die Band künftig mit mir unterwegs sein möchte. Und jetzt sind wir wieder gemeinsam auf Tour.
Was erwartet das Publikum beim Auftritt im Kölner Stadtgarten?
Es wird bei den Songs eine gute Mischung geben, bei der der Fokus auf meinem, vor zehn Jahren veröffentlichten zweiten Album liegt. Das bekam damals, bei einem großen Label produziert, sehr viel Aufmerksamkeit. Das hat mich dazu gebracht, im Anschluss Gegenversionen zu diesen Songs zu schreiben, weil ich mich als Musiker weiterentwickeln wollte. Bei den Konzerten haben wir oft auf diese alten populären Songs verzichtet und so auch unser Publikum etwas enttäuscht. Nun steht auf der aktuellen Tour eine Versöhnung mit diesem Album an.
Welche Beziehung haben Sie als Musiker zu Köln?
Ich kenne die Stadt zwar nicht so gut, habe aber trotzdem lustige und ausgefallene Erinnerungen an unsere Auftritte dort. So waren wir für das Morgenmagazin beim WDR eingeladen. Wir waren sehr nervös und haben beschlossen, die Nacht einfach durchzufeiern. Da wussten wir noch nicht, dass wir statt eines Songs drei live spielen sollten und dass für mich ein 20-minütiges Interview auf dem Programm stand. Das war sicher einer der nervösesten Momente meiner Karriere. Ein Meilenstein war definitiv auch die Einladung bei einer der letzten Shows von Harald Schmidt in Köln und der Auftritt als Support von The Boss Hoss in der Lanxess-Arena. Das war die größte Halle, in der ich je aufgetreten bin. Zum Glück war es beim Auftritt dunkel, sodass ich die Größe dieser Arena nicht so wahrnehmen konnte.