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Kölner Philharmonie: Anna Netrebko begeistert mit Spitzentönen aus dem Stand

netrebko Brill

Anna Netrebko in der Kölner Philharmonie

Foto:

Thomas Brill

Köln -

Das Wort vom „Traumpaar der Oper“ wirkt omnipräsent, nur die Personen wechseln unter der Krone. Anna Netrebko und Ehemann Yusif Eyvazov winkten beim aktuellen Kölner Besuch wie ein geadeltes Paar von der Bühne, der Szene wohnte ein gewisser blaublütiger Glanz inne. Das Publikum in der nahezu ausverkauften Kölner Philharmonie feierte ihre „Anna Netrebko Superstar“ nach zwanzig Jahren Weltspitze wie ein Wesen von höheren Weihen – und gewann Vertrauen zum Ehemann Yusif.

Wer bei den enormen Eintrittspreisen jenseits der 300,-€ eine aufgedonnerte bunte Operngala erwartet hatte, einen mit Pomp dekorierten statischen Rampengesang der Protagonisten, der fühlte sich positiv überrascht. Auf dem Podest versammelte sich die „Neue Philharmonie Westfalen“, ein gehobenes, an ihren zahlreichen Aufgaben flexibel gewachsenes Ensemble, dem der sehr gut aussehende italienische Dirigent Michelangelo Mazza die notwendigen und nützlichen Winke für die gestalterischen Eigenheiten der Gesangsstars mitgab. Sie ließen bereits in einer Ouvertüre die eindrucksvolle Melodie des Gefangenenchors aus „Nabucco“ anklingen: die Verdi-Abteilung der „Großen Oper“ öffnete.

Diva Anna schwebte als Lady Macbeth herein, hinein in die Briefszene des ersten Aktes, wo sie von der Weissagung der Hexen erfährt. Die Sängerin bespielte die gesamte Bühne, schuf damit den unsichtbaren Bühnenraum für diese schwere Arie und bewies sodann: Ihre erstaunliche Stimme singt sich selbst, sie fließt aus ihrem hübschen Gesicht. Und die Netrebko drehte richtig auf, gleich auf vollen Höhenstrahl, stets warm gedeckt, perfekt gesetzt, scheinbar mühelos. Kein kokettes Getue, Oper pur, sehr gut präsentiert, das wirkte angenehm.

Draufgängerische Lausbuben-Erscheinung

Der Tenor erscheint als Manrico aus dem Troubadour mit „Di quella pira“. Manricos Herzensangelegenheit: Die Mutter soll gerettet werden. Dass passt gut zur draufgängerischen Lausbuben-Erscheinung des in Algier geborenen Professorensohns, der die Partie recht zornig ins Visier nahm. Immerhin wartete in seiner Antrittsarie am Schluss ein hohes C. Eyvazov ging seine Sache forsch an, gab ordentlich Stimme, presste nicht in der Höhe, obwohl das Orchester ihn von der Lautstärke her nicht schonte. Er haute die Arie furchtlos heraus, und auch das C erschien – das Publikum jubelte. Der Tenor nahm es sportlich, klatschte mit beiden Händen bei Maestro Michelangelo am Dirigentenpult ab wie ein ausgewechselter Fußballer und lachte begeistert.

Es ging weiter mit Verdi, das Orchester glänzte mit einer Ballettmusik aus Otello, dann das erste Duett: „In der Dunkelheit der Nacht“ feierten die Liebenden ihr Glück, im 1. Akt ist ja noch alles in Ordnung. Netrebko und Eyvazov traten bereits häufig gemeinsam auch in inszenierten Opern auf, das hat eine Vertrautheit geschaffen, die jetzt wie eine sanfte Inszenierung wirkte. Und die Stimmen passen angenehm zueinander. Besonders die samtige und voluminöse Tiefe der Sopranstimme fiel hier auf.

Mit einem Duett aus Tosca begann die Abteilung Puccini, der Maler Cavaradossi wartete schon, Tosca rief aus dem Künstlerfoyer „Mario, Mario, Mario“. Ein helles Kostüm wurde gegen ein Grünes gewechselt, das reichte an Ausstattung.

Sensationell: „O mio babbino caro“

Der Abend gehörte den Stimmen, wie das folgende „O mio babbino caro“ aus „Gianni Schicchi“ bewies: Auch dieser Sopranhit der Tochter Lauretta ist bei Anna sensationell aufgehoben. Sie drehte sich auf einem eingehängten Spitzenton einmal um die eigene Achse, in einem runden Konzertsaal ein eindrucksvolles Mittel. Ihr Ehegatte folgt beim „Nessun dorma“ auf dem H diesem Effekt, das riss das Publikum von den Sitzen. Zum stehenden Schlussapplaus sprang noch Netrebkos Söhnchen auf die Bühne, Yusifs Freunde johlten von der Chorempore, der ganze Saal lag im Glück.