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Eltern sollten Warnzeichen kennen: So sieht es wirklich aus, wenn ein Kind ertrinkt

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Für Außenstehende ist oft schwer zu erkennen, dass jemand gerade ertrinkt. (Symbolbild)

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imago/Dieter Matthes

Köln -

Ein junges Paar plantscht vergnügt im Meer. Ganz in der Nähe liegt ein Boot. Plötzlich springt dessen Kapitän ins Wasser und schwimmt rasend schnell auf die Badenden zu. Die sind irritiert und glauben, mit ihrem lustigen Herumplantschen ein falsches Signal gegeben zu haben. „Uns geht’s gut!“, schreien sie dem Kapitän zu. Dieser schwimmt unbeirrt weiter, an den Erwachsenen vorbei. Um ein Leben zu retten. Denn nur drei Meter hinter ihnen, ohne dass die Erwachsenen es bemerkt haben, ertrinkt gerade ihre 9-jährige Tochter. Still und unbemerkt. Erst als der Retter sie aus dem Wasser auf den Arm zieht, macht sie ein erstes Geräusch und ruft laut um Hilfe.

„Ertrinken sieht nicht aus wie Ertrinken“

Diese Geschichte eines gerade noch gut gegangen Ertrinkungsunfalls stammt aus dem Blogpost des ehemaligen US-Rettungsschwimmers Mario Vittone und wird seit Jahren immer wieder erzählt und zitiert.

Sie demonstriert ganz deutlich, dass Ertrinken in der Regel täuschend leise stattfindet.

„Ertrinken sieht nicht wie Ertrinken aus“, sagt Vittone. Fuchtelnde Hände in der Luft, panisch aufgerissener Mund, herum spritzendes Wasser, laute Hilfeschreie – so sehe es nur aus, wenn im Film jemand ertrinkt. „Im echten Leben gibt es meist kein Winken, Spritzen und keinen gewaltsamen Schrei nach Hilfe in so einer Situation.“

Sie kämpfen um Luft und können nicht rufen

Wie Menschen sich in einer Situation des Ertrinkens verhalten, hat unter anderem der Wissenschaftler Francesco A. Pia untersucht. Er spricht hier von der so genannten „Instinctive Drowning Response“ (dt. etwa: die instinktive Reaktion auf eine Ertrinkungssituation). Dass Betroffene nicht um Hilfe rufen, erklärt er dadurch, dass sie nur noch schwer Luft bekommen. Wenn ihr Mund immer wieder kurz an der Wasseroberfläche ist, müssen sie diese Zeit nutzen, um irgendwie einzuatmen. Die Arme benutzen sie dazu, das Wasser wegzudrücken und sich oben zu halten, anstatt sie in die Luft zu strecken und zu winken. Dabei bleiben sie meist aufrecht im Wasser.

Der Kopf zurückgeneigt, die Augen glasig

Weitere Warnsignale sind laut Vittone außerdem noch Zeichen dafür, dass jemand gerade ertrinkt: Wenn der Kopf halb im Wasser ist und der Mund auf Wasserhöhe liegt. Wenn der Kopf nach hinten geneigt ist und der Mund offen steht. Die Augen glasig oder leer sind und nicht mehr fokussieren können. Das Haar über dem Gesicht hängt. Der Betroffene hyperventiliert oder nach Luft schnappt. Wenn er versucht, zu schwimmen, aber nicht vorwärts kommt. Er versucht, sich auf den Rücken zu drehen. Oder es aussieht, als würde er eine unsichtbare Leiter erklimmen wollen.

Die klassische Panikreaktion, in der sich Schwimmer bei Stress-Situationen im Wasser laut bemerkbar machen, komme natürlich auch vor, schreibt Vittone. In diesem Stadium seien sie aber noch in der Lage, bei ihrer Rettung mitzuhelfen, etwa einen Rettungsring zu erreichen. Bemerkt man als Außenstehender eine Gefahrensituation im Wasser, sollte man durch lautes Rufen auf die Lage aufmerksam machen und Hilfe holen.

Ertrinken ist zweithäufigste Unfallart bei Kindern

Wie wichtig es ist, dass vor allem Eltern die Anzeichen eines Ertrinkens kennen, wird klar, wenn man auf die Statistiken schaut. „Ertrinkungsfälle sind bei Kindern unter 15 Jahren nach Transportmittelunfällen die zweithäufigste Unfallart mit tödlichem Ausgang“, sagt Achim Haag, Präsident der DLRG. Auf einen Todesfall kommen vermutlich noch einmal fünf bis zehn „Beinahe-Ertrinkungsunfälle“.

Gefahr lauert am Gartenteich und Planschbecken

Und der Gefahrenort liegt laut DLRG meist ganz nah. Die meisten Ertrinkungsunfälle passieren im häuslichen Umfeld - bei Kleinkindern im Gartenteich, im Pool oder einem nahegelegenen Bach, bei älteren Kindern in Badegewässern oder in Schwimmbädern. Nicht selten unterschätzen Kinder die Gefahren oder die Eltern beaufsichtigen und sichern sie nicht genug. Bei Kleinkindern müssen Erwachsene deshalb immer in direkter Griffnähe sein. Schwimmflügel allein etwa bringen laut DLRG keine Sicherheit. Und auch wenn Kinder grundlegende Schwimmfähigkeiten hätten, sollten sie niemals unbeaufsichtigt im Wasser baden. Im heimischen Umfeld sollten zudem der Gartenteich mit einem Gitter abgesichert und die Regentonne mit einem Deckel verschlossen werden.

Grundsätzlich helfe es, Kindern schon früh erste Regeln für ein richtiges Verhalten am und im Wasser beizubringen. Dazu gehöre, als Nichtschwimmer nur bis zum Bauch ins Wasser zu gehen - oder nur zu baden, wenn man sich wohlfühlt, heißt es auf der DLRG-Internetseite. Auch ein angstfreies und kräftesparendes Treiben lassen auf dem Wasser sollten die kleinen Schwimmer gleich zu Beginn lernen.

(iwo, mit Material der dpa)