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Groteske Helikopter-Eltern: Wenn Mama sogar mit auf Klassenfahrt will

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Manchen Eltern fällt das Loslassen schwerer als anderen. (Symbolbild)

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imago/Westend61

Köln -

Wer es nicht selbst erlebt hat, der wird es auch nicht glauben. Doch die Sorgen einiger Eltern um ihre Kinder nehmen teils groteske Züge an. Das bekommen besonders Hebammen, Erzieher, Lehrer und sogar Ärzte und Sanitäter in ihrem Alltag zu spüren. 

Nach dem großen Erfolg ihres Buches „Verschieben Sie die Deutscharbeit – mein Sohn hat Geburtstag“, haben die Autorinnen Lena Greiner und Carola Padtberg nun weitere Absurditäten aus dem Eltern-Kosmos gesammelt.
Die Rede ist von Schwangeren, die ihre Föten per Vaginalsonde mit klassischer Musik beschallen, da föhnen Eltern ihren Kindern morgens die Klobrille warm – für mehr Komfort beim Kackamachen. Da lesen Mütter und Väter ihren Kleinen abends tatsächlich die – gefährlichen! – Abenteuer einer Pippi Langstrumpf vor und weichen selbst aber keine Minute von der Seite ihrer Schützlinge. Die Kinder einfach mal machen lassen? Einige wissen offenbar gar nicht, wie das gehen soll.

Daraus entstanden ist nun das Buch „Ich muss mit auf Klassenfahrt – meine Tochter kann sonst nicht schlafen!“ Die darin aufgeführten Beispiele sollen tatsächlich der Wahrheit entsprechen – und mitten aus dem Alltag gegriffen sein. Die elf skurrilsten Auswüchse elterlicher Sorge aus dem Buch haben wir hier zusammengetragen. 

Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser

„In unserer Kita ist einer Kollegin aufgefallen, dass die Windeln eines Kindes regelmäßig gekennzeichnet waren: mal mit einem kleinen Kreuz, mal mit Glitzerpuder oder anderen kleinen Zeichen. Bis wir kapiert haben: Die Mutter wollte kontrollieren, ob wir wirklich die Windeln wechseln. Wir waren fassungslos.“

Nein! Das können wir so nicht stehen lassen

„In der Kita meines Neffen wollte eine Mutter verhindern, dass die Erzieher zu ihrem Kind Nein sagen. 'Nein' sei ein negatives Wort, und sie wolle nicht, dass ihr Kind mit so viel Negativem aufwachse.“

Helikopter können auch schwimmen

Schwimmlehrer: „Entschuldigung, darf ich Sie bitten, das Becken zu verlassen? Wir würden gern mit dem Kurs beginnen.“

Mutter: „Aber mein Sohn hat Angst in Gruppen. Ich wäre gern bei ihm. Zeigen Sie mir einfach die Übung, dann mache ich die mit ihm.“

Vorsicht vorm Verhungern

„Eine Mutter ist mit ihrer Tochter zum Psychologen gegangen, weil das Mädchen in der Grundschule ihr Pausenbrot nicht gegessen, sondern immer wieder mit nach Hause gebracht hatte. Das hat die ganze Familie fertiggemacht.“

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Greiner, Padtberg: „Ich muss mit auf Klassenfahrt – meine Tochter kann sonst nicht schlafen“, Ullstein, 10 Euro.

Foto:

Ullstein

Ein warmes Geschäft

„Im Gespräch über die morgendliche Routine des Kindes erzählte die Mutter mir, dass sie ihrem Sohn
jeden Morgen die Klobrille warmföhnt, damit ihm nicht so kalt auf dem Thron ist.“

Was tun bei Seenot?

„Vor ein paar Jahren fuhren wir mit einer Grundschulklasse auf eine ostfriesische Insel. Auf dem Elternabend vor der Klassenreise fragte mich ein Elternpaar tatsächlich, welches Kind ich retten würde, wenn das Schiff sinke. Ich antwortete: Das Kind, dessen Eltern mir vorab am meisten bezahlen. Doch auch Humor konnte diese Eltern leider nicht beruhigen.“

Psssst, das Kind schläft!

„Ich übernachtete bei Freunden, deren Kind damals drei Jahre alt war. Ziemlich fassungslos war ich, als sie mich baten, nach 19 Uhr die Klospülung nicht mehr zu benutzen. Der Kleine könnte sonst wach werden.“

Sollte nicht der Weg das Ziel sein?

„Die Grundschulklasse meines Sohnes hatte einen Tagesausflug auf einen Bauernhof geplant. Sie sollten dort mit Bus und Bahn hinfahren, was für die Kinder natürlich ein Abenteuer ist. Für die Mutter eines Mädchens aus der Klasse kam diese Form der Anreise jedoch nicht infrage: viel zu gefährlich! Sie charterte daher einen Reisebus, der die Kinder morgens an der Schule abholte, zum Bauernhof fuhr und am Nachmittag wieder zurückbrachte.“

Komm du doch her!

„Ein Problemgespräch zwischen der Schulleiterin, den Eltern und ihrem 13-jährigen Sohn steht an. Das Gespräch soll nun auf Bitten der Eltern in deren Auto stattfinden. Der Grund: 'Unser Sohn hat keine Lust, vom Parkplatz bis in die Schule zu laufen.'“

Für mich bitte ein Einzelzimmer…

„Ich war zehn Jahre lang Elternvertreter. Was ich in dieser Zeit erlebt habe, hatte teilweise groteske Züge. Am krassesten war der Fall einer Mutter, die ihr Kind tatsächlich auf eine dreitägige Klassenfahrt begleitet hat. Die Begründung: Es könne nicht allein schlafen.“

Sie machen das Kind noch krank!

„Diese Eltern sind leider eine der größten Herausforderungen in der Medizin. Eine Mutter wollte uns zwingen, die Funkgeräte und Telefone im Rettungswagen auszuschalten, da sich deren Strahlungen im Fahrzeug bündeln und einen Hirntumor verursachen könnten.“

Alle elf erzählten Fälle entstammen dem Buch: „Ich muss mit auf Klassenfahrt – meine Tochter kann sonst nicht schlafen“ von Lena Greiner und Carola Padtberg.