Welche Website-Variante möchten Sie nutzen?

Mobile Ansicht Vollansicht
button-KR-epaper
Nachrichten aus Köln, der Region und der Welt

Freundeskreis Römerkanal: Spatenstich für Info-Zentrum im Juli

Die Vorstandsmitglieder Professor Dr. Klaus Grewe, Lorenz Euskirchen und Rolf Greiff vom Freundeskreis Römerkanal freuen sich schon jetzt auf den Spatenstich des Infozentrums Römerkanal, der für den 11. Juli am Himmeroder Hof vorgesehen ist. (Foto: Volker Jost)

Die Vorstandsmitglieder Professor Dr. Klaus Grewe, Lorenz Euskirchen und Rolf Greiff vom Freundeskreis Römerkanal freuen sich schon jetzt auf den Spatenstich des Infozentrums Römerkanal, der für den 11. Juli am Himmeroder Hof vorgesehen ist. (Foto: Volker Jost)

Rheinbach -

Seit zehn Jahren gibt es den Freundeskreis Römerkanal in Rheinbach, und in seinem Jubiläumsjahr hat der Verein besonders viel Grund zum Feiern: Am 11. Juli ist aller Voraussicht nach der Spatenstich für das Infozentrum Römerkanal am Kulturzentrum Himmeroder Hof, das wichtigste Projekt des 230 Mitglieder starken Vereins.

Schon bei seiner Gründung am 18. November 2008 wurden Bau und Betrieb eines Römerkanal-Informationszentrums als Hauptziel genannt, doch damals habe niemand zu träumen gewagt, dass das Ziel so schnell verwirklicht würde, erklärte der Vorsitzende Lorenz Euskirchen jetzt gegenüber der Bonner Rundschau. Dabei betont er, dass der Freundeskreis „eine konsequent regionale Ausrichtung“ habe, was vor allem durch den Regionalbeirat dokumentiert werde, in dem die zwölf Kommunen vertreten sind, über deren Gebiet die römische Wasserleitung von Nettersheim nach Köln führt.

Beispiel hervorragender Ingenieurskunst

Das Dutzend Kommunen hatte 2012 die Charta des Freundeskreises mitentwickelt, die anschließend von allen Bürgermeistern unterzeichnet worden war und somit ein eigenes Stück Historie darstellt. „Genau wie der Römerkanal selbst, der mit Recht als ein Teil der Weltgeschichte angesehen werden kann und in jedem Fall ein Beispiel hervorragender Ingenieurskunst ist“, so der wissenschaftliche Berater des Freundeskreises, Professor Dr. Klaus Grewe.

Die herausragende Bedeutung des technischen Bauwerks aus dem ersten bis dritten Jahrhundert nach Christus hat sich weltweit herumgesprochen: Schon 1933 hatte die „New York Cement Company“ ein Teilstück des Römerkanals aus dem Bereich Kall-Sötenich für die Weltausstellung in Chicago in die Vereinigten Staaten verschifft. Nach der Ausstellung allerdings verschwand das Exponat lange Zeit in der Versenkung, bis es im National Museum of American History in Washington wieder auftauchte. Das kam wiederum dem renommierten Archäologen Grewe zu Ohren, der sich das Exponat 2012 vor Ort in Washington anschaute und dabei feststellte, dass es im Magazin des Museums in gutem Zustand war und sogar ein Erdbeben schadlos überstanden hatte. „Es steht dort in guter Gesellschaft zwischen dem Konferenztisch von Jalta und dem ersten amerikanischen Motorrad“, schmunzelte Grewe.

Im Magazin des Museum of American History in Washington steht dieses Teil des Römerkanals, das für die Weltausstellung 1933 nach Chicago verschifft wurde.

Im Magazin des Museum of American History in Washington steht dieses Teil des Römerkanals, das für die Weltausstellung 1933 nach Chicago verschifft wurde.

Zunächst aber hatte der Verein damit begonnen, ein Kataster über alle vorhandenen Exponate des Römerkanals zu erstellen. Dabei stellte sich heraus, dass derzeit etwa 60 Teilstücke auf die zwölf Anrainerkommunen verteilt sind. 23 weitere kommen demnächst hinzu, denn im Zuge einer Ortsumgehung bei Hürth musste ein 60 Meter langes Stück der Eifelwasserleitung weichen. Dieses wird nun, in 23 Teilstücke aufgeteilt, von den Auszubildenden im zweiten Lehrjahr der Kölner Handwerkskammer in mühevoller Kleinarbeit restauriert. Sämtliche 23 Exponate haben bereits wieder neue Besitzer gefunden und sollen nach Abschluss der Restaurierung in ganz Süddeutschland bis nach Amberg in Bayern an verschiedenen Stellen ausgestellt werden. Ein weiteres Aquäduktteil, das später am „Haltepunkt Römerkanal“ in Rheinbach stehen soll, wird derzeit ebenfalls restauriert.

Wichtig sei auch die Vernetzung des Freundeskreises mit anderen Vereinen und Institutionen, die sich ebenfalls mit dem historischen Thema beschäftigen, so Euskirchen weiter. Mittlerweile habe man sogar Beziehungen ins Ausland, nämlich ins luxemburgische Walferdange, wo es ebenfalls ein gut erhaltenes Aquädukt aus gallo-römischer Zeit gibt.

Die Umsetzung des Infozentrums hingegen erwies sich von Anfang an als sehr schwierig, vor allem wegen der Finanzierung des über eine Million Euro teuren Projektes. Das könne man letztlich nur schultern, weil durch die erfolgreiche Teilnahme der Stadt Rheinbach am Aufruf „Erlebnis.NRW – Tourismuswirtschaft stärken“ des Landes stattliche Mittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) zur Verfügung gestellt werden. Die Stadt Rheinbach beteiligt sich mit 190 000 Euro an dem Vorhaben, außerdem bezuschusst der Landschaftsverband Rheinland das Projekt mit 140 000 Euro. Auch die NRW-Stiftung habe eine Förderung von 82 000 Euro in Aussicht gestellt, wobei der Freundeskreis einen Eigenanteil von 8200 Euro leisten müsse, was nur über Sponsoring und Spenden möglich ist.

Die Eröffnung des Infozentrums mit seinen 140 Quadratmetern Ausstellungsfläche, das direkt an den Himmeroder Hof im Herzen Rheinbachs anschließt, ist für den Sommer 2019 geplant. Hier sollen fachliche und touristische Informationen gebündelt und weitergegeben werden – nicht zuletzt, um den ebenfalls neuen Römerkanal-Wanderweg attraktiver zu gestalten. Außerdem wird dort die von Klaus Grewe erarbeitete Präsentation „Wasser für Roms Städte“ kostenfrei zugänglich sein.

www.freundeskreis-roemerkanal.de