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Vergewaltigung in der Siegaue: War Ghanaer bei der Tat schuldfähig?

Prozess Bonn Vergewaltigung Siegaue

Der Mann aus Ghana musste sich wegen Vergewaltigung und schwerer räuberischer Erpressung vor dem Bonner Landgericht verantworten.

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dpa

Bonn -

Es war einer der spektakulärsten Bonner Kriminalfälle der vergangenen Jahre. Am 2. April 2017 wurde ein junges Paar, das in der Bonner Siegaue bei Geislar zeltete, mitten in der Nacht überfallen. Ein Mann bedrohte die Studenten aus Süddeutschland mit einer Astsäge, beraubte sie und vergewaltigte die 23-Jährige, während ihr Freund hilflos im Zelt zusehen musste. Der Täter wurde zwar eine Woche später gefasst, doch juristisch ist der Fall immer noch nicht beendet.

Die 10. Große Strafkammer des Bonner Landgerichts verurteilte den 32-jährigen abgelehnten Asylbewerber aus Ghana im Oktober 2017 wegen besonders schwerer Vergewaltigung und räuberischer Erpressung zu elfeinhalb Jahre Haft, sein Anwalt ging in Revision. Der 2. Strafsenat des Bundesgerichtshofs (BGH) hatte dann zwar keinen Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten, hob das erstinstanzliche Urteil aber teilweise auf – und verwies den Fall an eine andere Kammer zurück nach Bonn. Der neue Prozess beginnt am Dienstag, 18. September, vor der 3. Großen Strafkammer des Landgerichts.

Die Richter werden sich vor allem mit der Frage der Schuldfähigkeit des Angeklagten beschäftigen müssen. Der psychiatrische Gutachter des ersten Verfahrens ist bei dem Mann grundsätzlich von einer schweren Persönlichkeitsstörung ausgegangen. Im Urteil jedoch hatte die Kammer ihn für voll schuldfähig befunden, die Persönlichkeitsstörung habe bei der Tat nicht bestanden. Der BGH aber befand, die Richter hätten nicht ausreichend begründet, warum die psychische Erkrankung bei der Vergewaltigung nicht zum Tragen gekommen sei.

Gutachten ist von großer Bedeutung

Sollte die 3. Große Strafkammer zu dem Schluss kommen, dass der Angeklagte vermindert schuldfähig ist, scheint auch eine geringere Strafe möglich. Von besonderer Bedeutung ist daher das Gutachten der neuen Sachverständigen Dr. Nahlah Saimeh, die in dem Verfahren zwei Tage lang gehört werden soll. Die Psychiaterin war Gutachterin im Prozess um die Morde im sogenannten Horrorhaus von Höxter.

Auch diesmal stößt das Verfahren auf ein großes Medieninteresse. Nicht zuletzt, weil der Angeklagte im Februar in seiner Kölner Zelle eine Matratze angezündet und dabei schwerste Brandverletzungen erlitten hat; wochenlang lag er im künstlichen Koma. Das Urteil wird für den 5. Oktober erwartet.