Der in der Eifel tätige Lieferdienst Heiko hat im ostbelgischen St. Vith einen rund um die Uhr offenen Markt eröffnet – und plant Standorte in Deutschland.
Rund um die Uhr geöffnetDer rollende Eifel-Supermarkt ist sesshaft geworden

Im belgischen St. Vith hat die Firma Heiko aus Neuendorf bei Prüm einen Supermarkt in einem ehemaligen Autohaus eröffnet, der 24/7 geöffnet ist.
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Belgisches Bier, Lütticher Waffeln und diesen leckeren Karamell-Brotaufstrich – all das gibt es nicht im neuen Heiko-Supermarkt, der im ostbelgischen St. Vith seine Pforten im Gebäude eines ehemaligen Autohauses geöffnet hat. „Das stimmt“, bestätigt Heiko-Geschäftsführer Oliver Hofrath: „Wir bieten unseren Kunden hier ein rein deutsches Sortiment an.“
Das Besondere am ersten Supermarkt der Firma Heiko sind also nicht die knapp 4500 verschiedenen Artikel, sondern die Öffnungszeiten: Lebensmittel, Drogerieartikel, Getränke und Snacks gibt es in dem neuen Laden rund um die Uhr und an sieben Tagen in der Woche.
Wir würden sehr gerne neue Leute einstellen, wenn man sie denn bekommen würde. Das ist auch eine Erfahrung, die wir bei unseren rollenden Supermärkten gemacht haben.
Möglich wird das durch ein digitales Kassensystem – ganz ohne klassisches Kassenpersonal. Nach dem Einkauf scannen die Kunden die Waren selbst an der Kasse ein und bezahlen dann per Karte oder über ein NFC-Zahlungssystem. „Personal brauchen wir natürlich trotzdem, um die Regale aufzufüllen. Und tagsüber wird auch stets jemand im Laden sein“, kündigt Hofrath an.
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Einsparen von Personal war nicht das Ziel des automatisierten Supermarkts
Das Einsparen von Personal sei auch nicht das vorrangige Ziel bei der Planung des nahezu „personallosen“ Supermarktes gewesen: „Wir würden sehr gerne neue Leute einstellen, wenn man sie denn bekommen würde“, sagt Oliver Hofrath: „Das ist auch eine Erfahrung, die wir gerade bei unseren rollenden Supermärkten gemacht haben: Da könnten wir deutlich mehr machen, wenn wir das entsprechende Personal hätten.“

Plant bereits die Eröffnung eines zweiten „personallosen“ Marktes in Deutschland: Heiko-Geschäftsführer Oliver Hofrath.
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Um in den Laden zu gelangen, muss sich am Eingang jeder Kunde per Bezahlkarte registrieren. Innen wird der Einkauf per Videokamera überwacht.gelangen
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Für das Unternehmen, das seinen Stammsitz in dem Ort Neuendorf bei Prüm hat, soll der 24/7-Supermarkt ein weiteres Standbein sein, nicht der Ersatz für den bekannten Lieferdienst. „Unsere Flotte von insgesamt 67 Verkaufsfahrzeugen wird weiterhin in der ganzen Eifel und bis ins Kölner Umland sowie in Ostbelgien und Luxemburg unterwegs sein“, verspricht der Geschäftsführer. Damit leiste man einen wichtigen Beitrag in der Lebensmittelversorgung einer älter und weniger mobil werdenden Gesellschaft.
Eifeler Unternehmen erhofft sich einen Run auf günstige Drogerieartikel
Der neue Supermarkt an der Prümer Straße in St. Vith richte sich hingegen an die „ganz normalen Kunden aus Belgien“, sagt Hofrath: „Der Ursprung, um hier nach Belgien zu kommen, ist ja der Bereich Drogerieartikel. Die können wir hier zu deutlich günstigeren Preisen anbieten als die Mitbewerber.“ In Prüm und anderen grenznahen Orten in Deutschland sei ihm aufgefallen, wie viele Kunden mit belgischen Autokennzeichen regelmäßig Drogeriemärkte wie dm oder Rossmann ansteuerten. „Diese Artikel sind in Belgien durchweg teurer, deshalb rechnen wir uns in diesem Bereich ganz gute Marktchancen aus“, so der Heiko-Chef, der das Unternehmen vor drei Jahren übernommen hat.
In Thüringen war Hofrath vor einiger Zeit auf das Konzept des „personallosen“ Supermarkts aufmerksam geworden. „Ich konnte mir dort ein solches Projekt anschauen und habe dabei auch hinter die Kulissen geblickt. Dann war der Beschluss relativ schnell klar, dass dieses Konzept auch zu uns passt.“

Auf rund 400 Quadratmetern bietet der rund um die Uhr geöffnete Supermarkt ein Sortiment von knapp 4500 Artikeln.
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Ein passendes Ladenlokal war ebenfalls schnell gefunden: „An der Prümer Straße gab es dieses Gebäude eines ehemaligen VW-Autohauses, das bereits mehrere Jahre leer stand“, berichtet Hofrath. Die rund 400 Quadratmeter große Halle bietet viel Tageslicht und sorgt so – zumindest tagsüber – für eine angenehme Einkaufsatmosphäre.
Zugang nur per EC- oder Kreditkarte und umfassende Videoüberwachung
Sorgen, dass sich Ladendiebe in dem Geschäft ohne herkömmliche Kassen und entsprechendes Personal nur allzu wohlfühlen könnten, macht sich der Heiko-Chef hingegen nicht. „Man registriert sich am Eingang mit seiner EC-Karte, einer Kreditkarte oder einem NFC-fähigen Gerät – sonst gelangt man gar nicht in den Laden“, erklärt Hofrath: „So wissen wir schon einmal, mit wem wir es zu tun haben.“ Drinnen wird die Verkaufsfläche dann von einer Vielzahl von Videokameras überwacht. „Wir gehen davon aus, dass die Diebstahlquote nicht wesentlich über der anderer Supermärkte liegen wird“, so Hofrath.
Am Vormittag des Eröffnungstages ist der Kundenandrang noch überschaubar. Miguel aus St. Vith schlendert mit seiner Freundin durch die Gänge des neuen Supermarkts. „Wir sind heute nur für den Vorwitz hier“, gesteht der junge Mann: „Aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass wir hier einkaufen kommen, wenn die anderen Supermärkte geschlossen sind.“ Das würde sich bei den liberalen Öffnungszeiten in Belgien dann allerdings auf die Nacht- und die frühen Morgenstunden beschränken: Der örtliche Delhaize-Markt am anderen Ende der Stadt hat sogar regelmäßig sonntags von 8 bis 13 Uhr geöffnet.
Oliver Hofrath, der einen mittleren sechsstelligen Euro-Betrag in den neuen Markt investiert hat, sieht in dem Konzept aber durchaus Potenzial: In Pronsfeld (Eifelkreis Bitburg-Prüm) ist bereits für Mitte des Jahres die Eröffnung eines zweiten, etwas kleineren Marktes geplant. „Weitere Märkte könnten folgen, denn die Nachfrage in der gesamten deutschen Eifel ist groß“, ist Hofrath überzeugt.
Alkoholverkauf müsste noch einmal separat „freigeschaltet“ werden
Rechtliche Grundlage für den Rund-um-die-Uhr-Betrieb ist das automatisierte Verkaufskonzept: Der Heiko-Supermarkt wird nicht als klassische Verkaufsstelle im Sinne des Ladenöffnungsgesetzes eingestuft. Da kein Personal an Sonn- und Feiertagen arbeitet, ist die Ruhezeit nicht gefährdet, was den 24/7-Betrieb erlaubt.
„Alkoholische Getränke haben wir derzeit nicht im Sortiment – da müsste es noch mal eine separate Altersüberprüfung geben“, erklärt Oliver Hofrath.
Firma Heiko wurde 1950 als als Hühnerhof in der Eifel gegründet
Gegründet wurde die Firma Heiko im Jahr 1950. Der Inhaber eines Hühnerhofs suchte damals nach einer Vertriebsmöglichkeit für Eier und Frischgeflügel, die er zunächst per Fahrrad an die Einwohner der umliegenden Dörfer verkauft hatte. Später erfolgte der Umstieg auf Kleintransporter.
Der Firmenname setzt sich aus „Hühnerhof Eichenwiese“ und dem Familiennamen des Gründers, Emil Kottsieper, zusammen.
Als „rollender Supermarkt“ sind die weißen Verkaufsfahrzeuge heute nicht nur in der deutschen Eifel und bis vor die Tore Kölns, sondern auch in Ostbelgien und in Luxemburg unterwegs. Die Heiko-Flotte umfasst insgesamt 67 Verkaufsfahrzeuge, die nach Firmenangabe regelmäßig 25.000 Kunden beliefern.
Ein weiteres Standbein des Unternehmens ist der „Pausenflitzer“, mit dem gezielt Firmen und Schulen in Köln, Trier, Ehrang, Föhren, Wittlich, Bitburg und Prüm angesteuert werden.

