Nachrichten aus Köln, der Region und der Welt

Kölsche Themen und Floskeln: Rosenmontagszug ist lokal geprägt – weniger Pferde dabei

Tierische Motive: Hase und Igel schauen dem Treiben am Hambacher Forst zu.

Tierische Motive: Hase und Igel schauen dem Treiben am Hambacher Forst zu.

Foto:

Banneyer

Köln -

Etwa 12 000 Karnevalisten werden am 4. März im Rosenmontagszug durch die Stadt ziehen. Gut sieben Kilometer misst die Strecke zwischen Severinstorburg und Mohrenstraße. Jetzt hat das Festkomitee die Entwürfe für die 26 Persiflagewagen vorgestellt, vier davon dürfen vorab gezeigt werden. Ein Überblick zu den wichtigsten Entwicklungen:

Wie wirkt sich der Kutschunfall vom Vorjahr aus?

Nur noch 318 Pferde werden im Rosenmontagszug eingesetzt, voriges Jahr waren es noch 487. Dies ist eine Reaktion vieler Reiter auf die verschärften Anforderungen, die für die Teilnahme am Zug erforderlich sind. Voriges Jahr waren Kutschpferde durchgegangen, vier Personen hatten Verletzungen erlitten. Um ein Ausbrechen der Tiere zu verhindern, sollen an der Unglücksstelle Gitter aufgestellt werden, auch die Tribünen sollen laut Festkomitee näher an der Strecke stehen. Das Thema wird sogar persifliert: Auf einem Wagen sitzt ein Gaul in der Kutsche und lässt sich von zwei Gardisten ziehen.

Ein Pferd lässt sich von Gardisten durch den Zug ziehen.

Ein Pferd lässt sich von Gardisten durch den Zug ziehen.

Foto:

Banneyer

Wo liegt der thematische Schwerpunkt ?

Das Sessionsmotto „Uns Sproch es Heimat“ bildet den roten Faden bei der Gestaltung der Motivwagen. „Das war unser Ziel. Ich denke, es sind sehr fröhliche, aber auch politische Wagenmotive dabei“, sagt Zugleiter Alexander Dieper, der sein Amt nach Aschermittwoch an Holger Kirsch übergeben wird. Es dominieren auch dieses Jahr wieder die Themen der Stadt. Auf dem Zugleiterwagen bildet sich die Silhouette der Stadt aus dem kölschen Grundgesetz, Jacques Offenbach tanzt mit dem Dom seinen Cancan. Oberbürgermeisterin Henriette Reker mutiert zu Lucky Luke und verhindert und fängt Martin Börschel (SPD), Jörg Frank (Grüne), Bernd Petelkau (CDU)und Harald Kraus (Stadtwerke-Aufsichtsrat) ein, die den Stadtwerke-Pöstchentresor knacken wollen. „Echte Fründe stonn zesamme“, heißt es – ohnehin sind alle Wagen mit kölschen Sprüchen garniert.

Wird das Treiben am Hambacher Forst bewertet?

Nein. Ein Hase und ein Igel blicken ratlos auf ein prügelndes Knäuel aus Aktivisten, Polizei und RWE, die durch den Hambacher Forst pflügen. „Wir haben lange überlegt, ob wir das Thema aufgreifen und auf wessen Seite wir uns schlagen“, erklärt Dieper. Schließlich belässt es das Festkomitee bei einer neutralen Haltung. Sorge vor den angekündigten Störaktionen einiger Aktivisten beim Rosenmontagszug haben die Verantwortlichen nicht. Falls eine Kundgebung angemeldet werde, könnten die Demonstranten vor dem Zug herlaufen, lautet eine Überlegung bei der Polizei. Eine Anmeldung liege derzeit aber nicht vor.

Clownfisch Nemo entspringt dem Plastik-Meer.

Clownfisch Nemo entspringt dem Plastik-Meer.

Foto:

Banneyer

Welche Rolle spielt die Bundespolitik?

Die Wagenbauer greifen das alte Titanic-Motiv auf und lassen den SPD-Dampfer sinken, wobei Andrea Nahles und Martin Schulz mutig, aber hilflos, an der Reling posieren. Bundeskanzlerin Angela Merkel schreddert sich selbst im Stile der spektakulären Aktion des Künstlers Banksy. Und Annegret Kramp-Karrenbauer, die neue starke Frau in der CDU, spült ihren Konkurrenten Friedrich Merz mit einer Champagner-Dusche der Marke „Brut Merkel“ vom Siegerpodest. Auf obszöne Darstellungen und empörende Effekte wird verzichtet – nur die Autoindustrie bekommt von der Politik sehr bildlich Zucker in den Hintern geblasen.

Gibt es verstärkte Sicherheitsmaßnahmen?

Zu den Prominenten im Zug wird auch NRW-Innenminister Herbert Reul gehören. Er fährt auf einem Wagen der Roten Funken und genießt besonderen Schutz. Das Festkomitee hat sein Informationssystem überarbeitet und wird die Moderatoren aller Tribünen am Zugrand mit Funkgeräten ausstatten. Auf diese Geräte können aktuelle Informationen und Sicherheitshinweise gesendet werden, die sofort kommuniziert werden sollen. Voriges Jahr hatte das Festkomitee mit einer zentralen Steuerung die Tribünen-Moderatoren für eigene Hinweise abgewürgt – dies hatte zu Beschwerden geführt.

Gibt es einen besonderen Hingucker?

Das Festkomitee geht nun offen auf Konfrontationskurs zu „Jeck im Sunnesching“, dem sommerlichen Verkleidungs-Festival der Brauerei Gaffel. Ein Wagen zeigt Maria, Josef und das Jesuskind in der Krippe von Bethlehem – alle tragen Pappnase, Sonnenbrille und Schnäuzer, wie es das Logo der Veranstaltung vorgibt. Nebenan sitzen die Heiligen Drei Könige auf Pittermännchen. „Jedes Fest hat seine Zeit“, kommentiert Zugleiter Dieper. Außerdem wird das umstrittene belgische Atomkraftwerk Tihange zur Fritteuse degradiert und US-Präsident Donald Trump holt als Golfer zum Schlag gegen Nato und Klimaabkommen aus, die ihm als Golfball schutzlos zu Füßen liegen. Bedrohlich wird es für Emmanuel Macron, Frankreichs Präsident wird von den Gelbwesten entthront – nebenan steht die Guillotine schon bereit.