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68er in Köln (5): Louis F. Peters wollte „Wind in diese lahme Stadt bringen“

Sammler aus Leidenschaft: Die Plakate der französischen Protestbewegung, die Louis Peters 1968 aus Paris mitbrachte, sind ab 20. Oktober im Kölnischen Stadtmuseum zu sehen. (Foto: Meisenberg)

Sammler aus Leidenschaft: Die Plakate der französischen Protestbewegung, die Louis Peters 1968 aus Paris mitbrachte, sind ab 20. Oktober im Kölnischen Stadtmuseum zu sehen. (Foto: Meisenberg)

Foto:

Meisenberg

Köln -

Als in Paris der berühmte Mai ’68 begann, der Mai der Steine werfenden Schüler und Studenten, saß ein Kölner buchstäblich mittendrin. Louis Peters, später in Köln bekannt als Anwalt spektakulärer Fälle, machte gerade sein Rechtsreferendariat in Paris und hatte sich mit einem Freund ein Stück im Odéon-Theater angesehen. Während die Besucher um ihn herum zum Ausgang strömten, fiel dem damals 29-jährigen auf, dass rechts und links „überall Schüler hereinhuschten“. Lass’ uns mal bleiben, sagte er zu dem Freund, da passiert was. „Zehn Minuten später“, erinnert er sich heute, „war der ganze Saal voller Jugend, und einer griff zum Mikrofon und sagte, das Odeon ist jetzt besetzt!“

Für Peters der Auftakt einer bewegten Zeit: „Das war einmalig, wunderbar!“ Die Besetzung des Odéon ging in die Annalen des Pariser Schüler- und Studentenaufstandes ein. Schon eine Nacht später, so sagt Peters, flogen in Paris die Pflastersteine, doch ihn faszinierte eine andere Art von Protest: die Plakate, mit denen Pariser Kunststudenten der Bewegung Ausdruck verliehen. „Die waren mitreißend! Wer davor gestanden und nichts empfunden hat, der hat nicht gelebt.“ Für ihn war klar: „So was brauchen wir auch in Köln.“

Und schon Mitte Juni hingen die ersten Pariser Plakate vor dem Kölner Uni-Rektorat: zum Beispiel die nach oben gereckte Faust mit der Parole „Der Kampf geht weiter“. Der Schriftzug „Capital“, auf einem Amboss vom schweren Schmiedehammer plattgehauen. Oder, eines von Peters Lieblingsstücken, der Schattenriss von Frankreichs damaligem Präsidenten De Gaulle als Vertreter des reaktionären Staates. „De Gaulle hatte in einer Rede zu den Protesten gesagt, das ist alles ,chie en lit’, ins Bett geschissen“, erklärt Peters. Deshalb schrieben die Studenten unter sein Konterfei: „Le chienlit, c’est lui“ – der Bettscheißer, das ist er!

Plakate
Foto:

Repro/Meisenberg

In Paris sammelte Peters alle Plakate, die er kriegen konnte. Außerdem engagierte er einen Schüler, „15, 16 Jahre alt“, mit Kamera, der für ihn Flugblätter, Schilder und Wandmalereien im Foto festhielt. Patrick Chauvel hieß der Schüler, aus dem später einer der bekanntesten Fotografen Frankreichs wurde.

Louis Peters kehrte nach Köln zurück und überredete den Dumont-Verlag, aus Fotos und Plakaten ein Buch zu machen, Titel: „Kunst und Revolte. Das Politische Plakat und der Aufstand der französischen Studenten“. Doch auch in Köln zeigte das politische Plakat Wirkung, ist Louis Peters überzeugt. Im Jahr zuvor hatte er mit jungen, konservativen Studenten die „Aktion 67“ gegründet. „Die hatten zu mir gesagt, wir müssen mal was machen, damit in Köln nicht auch die Linken das Studentenparlament übernehmen.“ So war es nämlich außer in München – in allen deutschen Universitätsstädten geschehen. Die Aktion 67 trat jetzt bei den Wahlen an – mit Wahlplakaten an jedem Baum. „Die Wahl wurde fantastisch gewonnen“, erzählt Louis Peters und führt das auch auf die bis dahin wenig bekannte Form der Auseinandersetzung mittels Plakaten zurück: „Das war ganz neu in Deutschland.“

Seitenhiebe per Plakat: Die Kölner Studenten Union ging aus der konservativen Aktion 67 hervor.

Seitenhiebe per Plakat: Die Kölner Studenten Union ging aus der konservativen Aktion 67 hervor.

Foto:

Repro/Meiseberg

Was linke Studenten in Paris zur Blüte brachten, fuhr rechten Studenten in Köln den Sieg ein – für Peters ist das kein Widerspruch. „Ach, die Revolution wollten wir doch damals alle“, sagt er augenzwinkernd. Aber was war denn sein Anliegen? „Mein Anliegen? Wind in diese lahme Stadt zu bringen.“

Sein Milieu war das der katholischen und konservativen Studenten. Doch Berührungsängste zu den Linken hatte er nie. Ein weiteres seiner Pariser Lieblingsplakate zeigt eine Herde roter Kühe und sagt in großen Lettern „Überlassen wir die Angst vor den Roten den Rindviechern.“