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Mehr Sportwetten: Kölner Präventionsprojekt stellt Wege aus der Wettsucht vor

Für manche ein Freizeitvergnügen, für andere eine Sucht: Sporthochschule und Drogenhilfe befassten sich mit Sportwetten.

Für manche ein Freizeitvergnügen, für andere eine Sucht: Sporthochschule und Drogenhilfe befassten sich mit Sportwetten.

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dpa

Köln -

„Der FC gewinnt das nächste Spiel, darauf wette ich.“ Solche Sätze sagen Fans nicht nur oft – viele wetten wirklich und setzen dafür auch Geldbeträge ein. Sportwetten boomen, mit dem Smartphone kann schnell und ohne große Hürden gewettet werden. Was für viele Menschen ein harmloses Freizeitvergnügen ist, führt manche von ihnen in die Sucht.

Das kann Wolfgang Kursawe, Leiter der Fachstelle Glücksspielsucht, bestätigen. Diese besteht seit 2005 und hat insgesamt etwa 3000 Menschen betreut. Gab es früher großteils Automatenspielsüchtige, nimmt inzwischen der prozentuale Anteil von Sportwettensüchtigen zu. „2018 hatten wir Kontakt mit etwa 200 Betroffenen von Spielsucht. Bei etwa 30 Prozent von ihnen ging es um Sportwetten“, sagte Kursawe.

Präventionsprojekt von SpoHo und Drogenhilfe

Thomas Hambüchen, Leiter der Drogenhilfe Köln, kritisierte zudem, dass es an gesetzlichen Vorgaben bei den Anbietern von Online-Wetten fehle. Nach wie vor seien keine Lizenzen vergeben, sagten er und Kursawe, vieles werde einfach geduldet, wohl auch weil der Staat mitverdiene. Um sich dem Thema Sportwetten und Sucht wissenschaftlich zu nähern, haben in den letzten beiden Jahren die Drogenhilfe Köln und die Deutsche Sporthochschule (DSHS) Köln ein Projekt durchgeführt, auf dessen Basis eine Methodentasche mit Präventionsmaterial entwickelt worden ist. Gefördert wurde das Projekt vom Land NRW. Studie und Tasche wurden nun präsentiert.

Daniel Memmert, Leiter des Instituts für Trainingswissenschaft und Sportinformatik der DSHS, präsentierte die Ergebnisse der Studie. Ausgangspunkt war die Frage, ob Sportler eine Risikogruppe für pathologisches Wettverhalten sind und welche Faktoren eine Rolle spielen.

Sportler besonders gefährdet

Immer wieder ist zu hören, dass Sportler selbst wetten. Ihr Wissen macht sie zu vermeintlichen Experten, die eine große Chance wittern, mit ihren Wetten richtig zu liegen. Wie Memmert berichtet, gibt es aber Studien, die zeigen, dass Sportler und Laien beispielsweise bei Tippspielen etwa gleich abschneiden. Und außerdem, so der Experte, spiele bei 40 bis 50 Prozent der Tore im Fußball der Zufall die größte Rolle. Das sei auch mit Fachwissen nicht vorherzusehen.

Mit einem Fragebogen konnte Memmerts Team für die Studie aus 806 Teilnehmern 206 Personen ausmachen, die Sportler sind und wetten. Diese Teilnehmer waren zu 83 Prozent Männer. 17 von ihnen zeigten ein problematisches Wettverhalten, 37 ein pathologisches, sprich krankhaftes. Die Süchtigen, erläuterte Memmert, glaubten häufig an den Einfluss von Fachwissen und an eine erfolgreiche Strategie beim Wetten. Sie erinnern sich an Gewinne lange, während Verluste im Vergleich schneller vergessen werden. Häufig wetten sie täglich, nutzen Live-Wetten und sind bereit, hohe Einsätze für Einzelwetten einzusetzen.

„Auch in den Sportvereinen sind Wetten Thema“, sagte Memmert. In der Kabine würde häufig offen über Sportwetten gesprochen. Damit könnten Sportler durchaus als eine Risikogruppe für Sportwettensucht ausgemacht werden, so das Ergebnis der Untersuchung. Und die Vereine könnten dabei eine Rolle spielen. Um präventiv arbeiten zu können, soll die Methodentasche daher in Sportvereinen, aber auch in Schulen zum Einsatz kommen, wie Ralf Wischnewski, Referent für Suchtprävention, bei einem Fachtag erläuterte. Mit verschiedenen Maßnahmen versuche er, einen Überblick über das Wettverhalten der Gruppe zu bekommen, etwa indem mit grünen und roten Karten gezeigt wird, auf wen eine Aussage zutrifft. Ein Kurzfilm thematisiert den problematischen Weg eines jungen Mannes, der versucht, seine Wettverluste durch weitere Wetten auszugleichen. Zudem gibt es ein Quiz und Schaubilder, die darstellen, wie sich risikoarmes Wetten von riskantem Wettverhalten und Abhängigkeit unterscheidet. Denn nicht jede Wette auf einen FC-Sieg muss zum Problem werden.