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Mini-Schiffe tausende Euro wert: Wilfried Horn baut jahrelang an seinen Modellbooten

An manchen Schiffen baut er zwei Jahre: Am Ende sind Wilfried Horns Modelle dann aber auch bis zu 5000 Euro wert.

An manchen Schiffen baut er zwei Jahre: Am Ende sind Wilfried Horns Modelle dann aber auch bis zu 5000 Euro wert.

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Hanano

Hinter dem großen Wohnzimmerfenster von Wilfried Horn liegt der Gartenteich. Da schwimmen die Koi-Karpfen, aber dort absolvieren auch die Modellboote ihren Stapellauf. Immer ein spannender Moment, wie er sagt.

Sie sind dank Ihres Hobbies eine Art Kleinkrimineller. Was ist der Hintergrund?

Die Kölner Straßen-Ordnung (KSO) regelt alles, bis aufs Kleinste! Unter anderem besagt sie, dass das Befahren öffentlicher Gewässer mit Modellbaubooten nicht erlaubt ist. Warum? Weil man fürchtet, die Fische zu verschrecken oder das Wasser zu verschmutzen.

Fahren Ihre Bötchen mit schwerem Schiffsdiesel?

Benzinmotoren gibt es noch immer. Auf dem Kalscheurer Weiher fahren die Kollegen aber mit Segelbooten und zahlen trotzdem 35-Euro-Knöllchen ans Ordnungsamt.

Gibt es Untersuchungen zur Traumatisierung von Enten durch Modellschiffe?

(lacht) Es gibt ältere Madämchen, die durch den Park spazieren. Und dann sehen die das Modellboot zwischen den Enten und befürchten, die Tierchen würden gejagt. Ich muss dazu sagen: Es gibt inzwischen durchaus Elektromotoren, die so ein Boot auf 100 km/h bringen.

Damit könnte man so eine Weiherente zweiteilen, nehme ich an.

Nicht nur die Ente! Wenn dann mal die Funk-Fernsteuerung gestört ist, kann so ein Boot regelrecht zum Geschoss werden. Ganz nebenbei ist auch die Lautstärke dieser frisierten Dinger unerträglich, die klingen extrem, wie der Bohrer beim Zahnarzt.

Sind Sie je zur See gefahren?

Nein, aber zumindest habe ich einen Segelschein und auch einige Segeltörns unternommen.

Mal auf der Aida mitgeschippert?

Ja, und auf der MS Europa. Das war allerdings eine Journalistenreise im Rahmen der Tätigkeit meiner Lebensgefährtin, die Chefredakteurin bei Das Goldene Blatt war. Dadurch hatten wir dann das Privileg, dieses Riesenschiff bis runter zum Kiel kennenzulernen.

Über 65 Jahre Modellbauten: Wie fing das an mit der Bastelei?

Dazu hat mich mein Großvater gebracht. Anfangs habe ich – mit viel Arbeit und von meinem Taschengeld Flugzeuge gebaut. Aber die stürzten dann leider allzu oft ab. So landete ich bei den Modellbauschiffen.

In meiner Grundschule wurden die Bötchen nur gebaut, um dann mit Zwillen versenkt zu werden.

Unter den Modellbauern existiert auch eine Kriegsmarine-Fraktion. Die haben sich dann auch Schlachten geliefert. Das lief früher so richtig mit kleinen, mit Platzpatronen geladenen Kanonen. Mir war diese militärische Seite aber immer suspekt.

Ihre Modelle sind bis zu anderthalb Metern lang und verdammt schwer. Wie detailgetreu arbeiten Sie?

Ich habe ja eine feinmechanische Grundausbildung hinter mir. Bohren, Feilen, Löten – alles Handwerkliche habe ich drauf. Die Baupläne besorgt man sich über Verlage, oder man schreibt direkt die Werften an. Danach baue ich dann alle meine Schiffe im Maßstab 1:50.

Stimmt auch im Innern des Schiffes alles, also bis hin zur Kombüse?

Das geht aus verschiedenen Gründen nicht. Zum einen sitzen im Innern Akkus, Elektromotoren, Schaltmodule und so weiter. Und modellbautechnisch ist zu berücksichtigen, dass ich in der Höhe nicht zu schwer werden darf. Außerdem brauche ich Aufschnitte, um ins Innere, an die Technik zu kommen. Sehen soll man die aber nicht, also muss man erfindungsreich sein.

Detailtreue während des Bastelns ist das Eine. Aber der große Moment ist sicherlich der Stapellauf.

Allerdings, und das Maß der Dinge ist die perfekte Wasserlinie. Im ersten Moment stimmt die nie hundertprozentig, aber dann wird halt noch ein bisschen hier und da getrimmt, bis alles passt.

Blicken Sie dennoch auf größere Havarien zurück?

Wenn einer nicht aufpasst, kommt es manchmal zu Zusammenstößen, klar. Meine Tochter und ich fuhren mal mit einem nagelneuen Fischereiboot zum Adenauerweiher. Es war Spätherbst, eine Windböe erfasste das Boot. Es krängte, Wasser drang ein, und schließlich schwamm es kieloben. Nun ja, habe ich halt Hemd und Hose ausgezogen und mein Schiff aus dem Weiher geholt.

Ist der Adenauerweiher ein Schiffsfriedhof?

Da liegen allerdings so einige Schiffe auf Grund. Wir haben in unserer Interessengemeinschaft einen Taucher, bei größeren Veranstaltungen ist der dabei. Aber selbst wenn so ein Boot dann gerettet wird, ist die Elektronik natürlich im Eimer.

Nennen Sie sich untereinander „Kapitäne“?

Wir sagen einfach „du“. Aber gut, auf unserer Website stellen wir unsere Mitglieder tatsächlich in der Rubrik „Kapitäne“ vor. Allerdings mit einem Augenzwinkern.

Warum eine IG statt eines richtigen Vereins?

Weil ich diese Vereinsmeierei nicht mag. Mir ging das schon als Jugendlicher in meiner karnevalsbesessenen Familie gegen den Strich. Zu uns kann jeder kommen, aber ungezwungen, ohne monatliche Treffen und Ähnliches.

Wie reagieren die Besucher am Weiher auf Sie?

Im Frühjahr nach der Havarie meines Fischereibootes erkannte mich ein älteres Pärchen wieder und fragte, ob ich mich damals erkältet hätte. Das fand ich amüsant. An einem schönen Wochenendtag bleiben die Familien mit Oma, Opa und Enkelchen bei uns stehen und staunen, dass unser Feuerlöschboot richtig spritzen kann. Ich lasse die Kinder auch immer gern mal die Fernsteuerung bedienen. Da bin ich nicht ängstlich, und den Kindern macht es Spaß.

Mal Butter bei die Fische: Wie lange arbeiten Sie an einem Modell, und wieviel Geld steckt da drin?

Jedes meiner Boote ist ein Individuum. Früher habe ich mich nach der Arbeit in meinen Keller gesetzt – Vivaldi und eine schöne Flasche Rotwein – und dann losgelegt mit dem Basteln. Dabei werden mir alle Probleme und Sorgen nebensächlich. An manchen Schiffen habe ich auf die Art zwei Jahre gebaut. Pi mal Daumen kann man sagen: Ein hochgerüstetes Schiff in dieser Qualität und mit dieser Technik ist bis zu 5000 Euro wert.

Gibt es beim Basteln einen Ehrenkodex à la: kein Uhu, nur echte Nieten?

Ich benutze Holz, Kunststoff, Alu, Messing, Kupfer – immer nach Bedarf. Wo im Original Stahl zum Einsatz kommt, nehme ich auch schon mal Messingblech, schließlich müssen wir immer auf den Schwerpunkt achten. Wer wiederum zuviel Kunststoff verwendet, erlebt nicht selten sein blaues Wunder: Bei Hitze im Kofferraum verzieht sich das Zeug aus dem Modellbaukasten gern mal.

Ein Trauerspiel rankt sich seit Jahren um die Gorch Fock. Könnten Sie die reparieren?

Im Prinzip schon, handwerklich hätte ich das drauf.

Und billiger als diese ganzen Beauftragten von Frau von der Leyen wären Sie sicher auch.

(lacht) Stimmt! Ich bräuchte allerdings ein gutes Team. Bei der Gorch Fock hat man im Vorhinein keine exakten Ist-Aufnahmen gemacht, das erinnert an das Dilemma ums Kölner Opernhaus. Weil die Schadensermittlung unzureichend war, folgt darauf nun ein ganzer Rattenschwanz an weiteren Problemen und jede Menge ungeplanter Kosten.

Gibt es Nachwuchs bei den Schiffsmodellbauern?

In den 1970ern sah es besser aus. Inzwischen gibt es außer uns nur noch die U-Boot-Gruppe am Fühlinger See und die Rodenkirchener Segler. Die meisten von uns sind Ü50, aber wir haben immerhin auch eine Handvoll Jugendlicher in unseren Reihen.

In diesem Zusammenhang: Unser Leben ist endlich, Ihres auch. Was soll dereinst mit Ihren über 20 Schiffsmodellen geschehen?

Das haben wir in der Familie schon oft überlegt. Ich sage mal so: Wenn jemand wirklich Leidenschaft zeigt, würde ich auch das ein oder andere Boot verschenken. Habe ich auch einmal gemacht, aber dann hat der das Boot schäbig umgestrichen, das war sehr schmerzhaft für mich. Eine andere Möglichkeit wäre, die Boote für einen guten Zweck zu verkaufen oder sie einem Museen zu spenden. Aber Sie sehen schon: Das Thema ist noch nicht ausdiskutiert, diese Aufgabe wird dann wohl mein Sohn Dominik zu lösen haben.

Wo kann man Sie das nächste Mal sehen? frage ich zuletzt. Wilfried Horn nimmt das zum Anlass, die Rundschau-Leser einzuladen. Wenn das Wetter es zulässt, wird er am morgigen Sonntag,von 10 bis 12 Uhr mit einigen Modelle am Adenauerweiher stehen. Alle Kinder sind eingeladen, das Boot durch die ein oder andere Runde zu steuern.