Outlet-Center: Wenn das ganze Jahr Schlussverkauf ist

Armin Ahrendt (l.) fordert im Gespräch
mit dem Rundschau-Redakteur Peter W. Schmitz eine Bürgerversammlung in Sachen Outlet-Center.
Steinicke
Bad Münstereifel -
Armin Ahrendt sitzt auf der Terrasse seines Hauses in der Kurstadt. Seine Augen blicken hellwach und dem vitalen 76-Jährigen entgeht noch immer nichts, was in „seiner“ Stadt passiert – auch wenn dort jetzt andere Regie führen.
Und dann sprudeln Sätze aus ihm heraus, die er offenbar lange zurückgehalten hat. Seine Gedanken kreisen um das Millionenprojekt „EifelCityOutlet“, das für die Kurstadt eine „große wirtschaftliche Chance“ sei. Wofür er allerdings überhaupt kein Verständnis hat, ist, dass der jetzige Verwaltungschef und viele Ratspolitiker so agierten, als sei die Weichenstellung eine „wirtschaftliche Angelegenheit der Investoren“.
„Wenn man weiß, dass das Outlet-Center im Frühjahr öffnet, kann man gar nicht glauben, dass Bürgermeister Büttner noch kein Verkehrskonzept in der Schublade hat.“ Großen Wert legt er darauf, dass es ihm nicht darum gehe, das Projekt madig zu machen: „Die Entscheidung, die Modegeschäfte in der Kernstadt anzusiedeln, ist nicht nur richtig, sondern zu begrüßen. Das dürfte zur Steigerung des Wettbewerbs mit anderen Städten und zur Zentralität in der Region beitragen.“ In Bad Münstereifel müsse der sogenannte Erlebniseinkauf nicht in nachgebauten Kulissen wie in Roermond oder Maasmechelen getätigt werden. In der Kurstadt entstehe auch kein neues Einkaufszentrum. „Die Läden sind vorhanden und leerstehende sollen wieder belebt werden.“
Auch er habe während seiner Amtszeit immer dafür gekämpft, die Kernstadt zu stärken. Jetzt müssten Verwaltung und Politiker ganz schnell die Weichen stellen: „Die Sommerpause ist vorbei.“
Die Orchheimer- und die Trierer Straße sind für Ahrendt die entscheidenden Mosaiksteine der Verkehrsplanung. Bereits 1979 habe man die Orchheimer Straße komplett neu gestaltet. Auch damals sei sie am Wochenende für den Verkehr gesperrt gewesen. Am 24. Oktober 1984 habe die Stadt für die vorbildliche Gestaltung der „Orchi“ von Bundesverkehrsminister Werner Dollinger (CSU) sogar einen Preis erhalten. „Die heute Verantwortlichen hätten sich doch längst die Frage stellen müssen, ob die Nöthener Straße zur Einflugschneise der Outlet-Kunden wird. Dann trifft man sich nämlich vor dem Orchheimer Tor.“ Doch dort müsse Schluss für motorisierte Besucher sein: „Die Straße muss ohne Wenn und Aber geschlossen werden. Da passt doch dann gar kein Auto mehr durch.“ Ahrendt fordert die Politiker auf, die „Verkaufsfläche für Mode verbindlich zu begrenzen“. Andernfalls könne Münstereifel seine Funktion als Nahversorger verlieren. „Da sehe ich eine große Gefahr. Sobald weitere Ladenbesitzer ihre Immobilien an die Investoren verkaufen oder vermieten, könnte es hier bald keinen Bäcker und kein Lebensmittelgeschäft mehr geben.“ Das gelte es zu verhindern.
Der 76-Jährige hat eine Sammlung offener Fragen. So würde er gerne von den Investoren erfahren, welche Modemarken demnächst verkauft werden. „Wird dort nur 1a- oder 1b-Ware, aktuelle Mode oder die des Vorjahres verkauft?“ All das dürfe keine geheime Kommandosache sein.
Zudem könnten die Online-Konkurrenz , die rückläufigen Bevölkerungszahlen und die wachsende Zahl von Outlet-Centern das gesamte Projekt gefährden. Unklar sei auch, ob es sich rechne, wenn man das „ganze Jahr Schlussverkauf“ mache. „Oder wollen die Investoren das nur ein paar Jahre machen?“
Ahrendt: „Es wird ja so getan, als sei das die alleinige Veranstaltung der Investoren. Ich verlange, dass Bürgermeister und Stadtrat eine Einwohnerversammlung einberufen. Dort müssen die Bürger genau informiert werden.“
Nicht glücklich ist Ahrendt darüber, dass die Parkhäuser in unmittelbarer Nähe des Orchheimer- und Werther Tors entstehen. Aus städtebaulicher Sicht sei ein Parkhaus im „Goldenen Tal“ deutlich besser aufgehoben. Ahrendt: „Den Klotz“ (das Seniorenheim, d.Red.) in der Trierer Straße konnten sich die Politiker auch nicht vorstellen. Jetzt muss man doch Sorge haben, dass sie sich das bei der Trierer Straße auch nicht vorstellen können.“ Wichtig sei es auch, abzuwägen, wie viel (motorisierte) Outlet-Kunden die Bewohner der Kurstadt und die Touristen vertragen. „Man darf ja nicht vergessen, dass hier auch Menschen leben.“
Der ehemalige Stadtdirektor trinkt einen Schluck Kaffee, lehnt sich entspannt in seinem Stuhl auf der Terrasse zurück und sagt: „So, das war’s.“ Und irgendwie hat man den Eindruck, dass er sich jetzt, nach seinem Exkurs in die aktuelle Kommunalpolitik, (noch) besser fühlt...