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„Dat jeder Mensch den andern kennt“: Auftakt des Adventskalenders bei Familie Poddewijn

Mit Spekulatius und Kakao aus Holland empfingen Johannes Alfons und Irmgard Poddewijn ihre Besucher.

Mit Spekulatius und Kakao aus Holland empfingen Johannes Alfons und Irmgard Poddewijn ihre Besucher.

Foto:

Krempin

Bergneustadt -

Ob die Bergneustädter in diesem Jahr den Weg zum ersten „echten“ Adventskalender-Türchen finden werden? Es ist kurz nach 18 Uhr, stockfinster, und ausgerechnet jetzt geht ein heftiger Regenschauer nieder. „Stell noch ein paar zusätzliche Windlichter auf“, fordert Johannes Alfons Poddewijn seinen Enkel Dylan (18) auf. Zwei lange Reihen von Teelichtern flackern bereits entlang der Einfahrt zum Haus der Familie an der Steinstraße.

Zum elften Mal schon macht sie mit beim traditionellen Adventskalender: An den 24 Tagen vor Weihnachten laden Familien, Geschäftsleute, verschiedene Einrichtungen in der Bergneustädter Altstadt ein, und an jeder Haustür wartet eine Überraschung auf Nachbarn und andere Besucher.

Täglich Überraschungen

Poddewijns haben das Türchen mit der Nummer Drei, auf die ersten beiden Dezembertage fiel der Nikolausmarkt, da gab’s mit Museum, Schmiede, Backstube genügend offene Türen und vorweihnachtliche Aktionen.

Der 76-Jährige schleppt einen großen Kessel unter das Dach des Carports ins Trockene. „Da ist heiße Schokomelk aus Holland drin“, verkündet er und hebt den Deckel. Es dampft und duftet. Ehefrau Irmgard Poddewijn-Schneider bringt Teller mit dicken Spekulatiusplätzchen, ebenfalls aus den Niederlanden. „Da fährt mein Mann vor Weihnachten extra hin, um sie einzukaufen“, erzählt sie, und dass ihr „Han“ vor 54 Jahren nach Bergneustadt kam. „Wegen dem schönen Mädchen hier“, schmunzelt der und legt seinen Arm um „Irmchens“ Schultern. Kurz zuvor war damals ihr Bruder als Pfadfinder im Nachbarland gewesen und hatte bei den Poddewijns übernachtet. Beim Gegenbesuch in Bergneustadt funkte es zwischen Irmchen und Han.

Inzwischen finden trotz des Regens immer mehr Besucher den Weg in die Steinstraße, frisch zugezogene Familien mit kleinen Kindern, alteingesessene Nystädter, rund 25 sind es schließlich, alle in rege Gespräche vertieft. Eine gute Gelegenheit, alte und neue Nachbarn zu treffen. „Wir brauchen noch mehr Tassen!“, ruft Poddewijn. Die stellt das Heimatmuseum zur Verfügung. „Wat wünsch ich mir vom Advent – dat jeder Mensch den andern kennt!“, heißt es in einem der beiden Gedichte, die der Hausherr vorträgt, und die Gäste klatschen zustimmend. Von der Altstadtkirche weht das Läuten der Abendglocken herüber, „7 Uhr, die Kinder müssen ins Bett“, ruft eine junge Mutter. „Wir sehen uns dann bei unserm ,Türchen’!“ Was es dann gibt? Das wird noch nicht verraten.