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Oberbergs Hilfsvereine leiden unter Spendenrückgang: Auch Engel können in Not geraten

Engagement ist hier Ehrensache: Dagmar Steinmann, Monica Weispfennig, Annette Mohrenstecher, Bettina Hühn und Ina Tötemeier (v.l.n.r.) haben ein großes Herz für Kinder in Notlagen aller Art. Sie stehen für drei Vereine, denen die Krise zu schaffen macht.

Engagement ist hier Ehrensache: Dagmar Steinmann, Monica Weispfennig, Annette Mohrenstecher, Bettina Hühn und Ina Tötemeier (v.l.n.r.) haben ein großes Herz für Kinder in Notlagen aller Art. Sie stehen für drei Vereine, denen die Krise zu schaffen macht.

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Dennis Börsch

Oberberg -

Oberberg. Für Bettina Hühn von „Helfende Hände Oberberg“ begann alles 2011 im Nagelstudio. Dort erfuhr sie vom Schicksal des schwerkranken Nick. Ärzte gaben dem Vierjährigen damals  keine Chance und schickten ihn zum Sterben nach Hause. Hühn entschied, zu helfen. Sie unterstütze die Familie bei der Suche nach Therapien, schickte MRT-Bilder in die ganze Welt und fand schließlich Ärzte, die sich des kleinen Jungen annahmen.

Hilfe für andere als Lebensaufgabe

Schwerkranken Kindern zu helfen, ist zu ihrer Lebensaufgabe geworden. „Wenn ich das Gefühl habe, dass es irgendwo ungerecht zugeht, dann klappe ich mein Visier runter und ziehe in die Schlacht.“ Die gelernte Hotelfachfrau schafft es mit ihrem großen Netzwerk auch in kurzer Zeit, viele Spenden zu akquirieren. Große Summen braucht sie besonders dann, wenn sie  Familien mit einem Auto ein gesellschaftliches Leben möglich machen möchte oder  teure Therapien finanziert, die von der Krankenkasse nicht übernommen wird. 

Nun aber bedauert sie: „Wenn  eine Familie ein Auto bräuchte, könnten wir leider nicht spontan  ja sagen.“  Denn  ihre Kasse wird zusehends leerer. Alle Veranstaltungen, die der Stiftung sonst Geld einbringen sind abgesagt, wie das Benefiz-Konzert von „The Höösch“ im vergangenen Juni oder die Siegburger Suppensause im März.

Keine Beratung möglich

Monica Weispfennig vom Verein Nina+Nico kennt das Problem. Hier sind es oft runde Geburtstagsfeiern oder Ehejubiläen, bei denen eine Spendendose für die gute Sache aufgestellt wird, und verschiedene Märkte, auf denen der Verein Unterstützer findet und aufklären kann. Für die ehrenamtlichen Helfer kommt  noch ein Problem dazu: „Als die Schulen geschlossen waren, konnten unsere Beratungen und Präventionskurse  nicht mehr stattfinden“, blickt Weispfennig zurück.

Die Kinder, die sich vertrauensvoll an sie und ihre Kolleginnen wenden, haben alle ein ähnliches Schicksal: Sie sind Opfer von psychischer, physischer und sexueller Gewalt. „Zu Beginn des Lockdowns schien es, als gäbe es keinen deutlichen Anstieg dieser Fälle“. Ihr Sorgentelefon (24-Stunden-Hotline: 0 22 61 - 2 47 92)  blieb weitestgehend still. Mittlerweile finden die Beratungen wieder statt. Und die Nachfrage ist groß.

Präventionskurse stehen auf der Kippe

Wichtige Präventionskurse jedoch stehen in diesen Zeiten immer wieder auf der Kippe. Dabei seien gerade diese so immens wichtig. „Wir wollen Mädchen und junge Frauen stärken und den Jungs vermitteln, dass es Dinge gibt, die einfach tabu sind“. Damit meint Weißpfennig zum Beispiel ein leider noch immer beliebtes Mittel auf Partys: Mädchen mit K.o.-Tropfen gefügig zu machen und sie anschließend zu missbrauchen. Damit hat der 1996 gegründete Verein bereits über 35 000 Kinder und Jugendliche erreicht.

Kindern zu helfen hat sich auch der recht junge Verein (2018) „Chancen – Leben geben“ zur Aufgabe gemacht. „Wenn Eltern es sich nicht leisten können, ihren Kindern etwa Musikunterricht, die Mitgliedschaft im Sportverein oder Nachhilfestunden zu bezahlen, dann übernehmen wir das“, erklärt Vorsitzende Barbara Gelhausen. „Mittlerweile haben wir die 100er Marke geknackt“, sagt Anette Mohrenstecher und meint damit, dass der Verein seit Gründung über 100 Fördermaßnahmen durchführen konnte. Leider gibt es auch hier mehrere Wermutstropfen. 

Kontakt zu anderen Kindern fehlt

„Die Kinder konnten ja schon einmal ihr Hobby nicht mehr ausüben. Die erneute Schließung der Freizeiteinrichtungen ist eine Katastrophe für unsere Schützlinge. Oftmals ist ihr Hobby die einzige Kontakt-Möglichkeit zu anderen Kindern und Jugendlichen außerhalb des Schulbetriebes. Das Highlight der Woche wird den Kindern genommen. Das macht mich sehr traurig“, so Gelhausen.

Mit Ballett, Fußball und Co. ist erst mal Schluss und der Spendentopf füllt sich auch nicht mehr so, wie er es eigentlich müsste. „Im letzten Jahr haben wir 30 große Säcke mit Pfandbechern bei der Veranstaltung „Arena Alaaf“ sammeln dürfen. Auch das wird dieses Jahr leider nix“, sagt Ina Tötemeier.

Benefiz-Gala ungewiss

Bettina Hühn hat zumindest für 2021 wieder optimistische Pläne: „Am 13. November soll unsere 3. Benefiz-Gala „Eine Nacht für Nick & Co.“ stattfinden.“ Doch ob in Zukunft diese oder andere Veranstaltungen wirklich stattfinden können, ist ungewiss.